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Roger Moore„Ich hätte Craigs Stunts nicht geschafft“

7 min

"Ich mache mir nicht ständig Gedanken über mein Alter", sagt Roger Moore(l), der demnächst 85 wird.

Wie möchten Sie angeredet werden - mit Sir Roger, wie es sich für einen Mann, der von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, gehört?

ROGER MOORE: Das wäre die korrekte, wenngleich sehr formelle Anrede, finden Sie nicht? Nennen Sie mich einfach Charlie, Heinrich oder was auch immer Sie bevorzugen.

Dann doch lieber Mr. Moore.

MOORE: Soll mir auch recht sein.

Mr. Moore, von den sechs James-Bond-Darstellern sind Sie der einzige, der den Geheimagenten noch einmal im Alter von 84 Jahren gespielt hat. In einem Video-Spot für Unicef traten Sie kürzlich als 007 auf, um eine Kampagne für das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser zu unterstützen. Wie war das, im Rentenalter noch mal ein Sexsymbol zu verkörpern?

MOORE: Wissen Sie, ich mache mir nicht ständig Gedanken über mein Alter. Außer, wenn ich mich morgens aus dem Bett bewege und erst mal umfalle. Als ich diesen kleinen Video-Clip über den gealterten Bond drehte, war ich glücklicherweise schon aufgestanden und konnte mich aufrecht halten. Ich hoffe jedenfalls, dass ich bei diesem Kurzauftritt einen wachen Eindruck mache. Was meinen Sie?

Ich würde sagen, Sie zeigen, dass Sie Ihren Sinn für Humor nicht verloren haben. Sie sitzen an einer Bar, sagen den legendären Bond-Spruch "Geschüttelt, nicht gerührt" und bekommen ein Glas mit schmutzigem Wasser gereicht.

MOORE: Der Coup ist, dass ich selbst diesen Spruch nie gesagt habe. Als ich die Bond-Rolle 1972 übernahm, wollte ich mich bewusst von Sean Connery abgrenzen, der ebendiesen Satz geprägt hatte. Ich wollte jeglichen direkten Vergleich mit Sean vermeiden. Wir hatten lediglich Anspielungen eingebaut. Gestern Abend beispielsweise habe ich mich selbst wieder mal im Fernsehen gesehen, in "Der Spion, der mich liebte".

Ihr dritter Bond-Film, in dem Sie neben Barbara Bach auftreten, die eine russische Agentin spielt.

MOORE: Ja, und als ich mich da im Fernsehen beobachtete, fiel mir auf, dass Barbara mir in dem Film einen Drink bestellt und ihn mir mit den Worten "Geschüttelt, nicht gerührt" reicht. Aber ich selbst habe das nie gesagt.

Dem aktuellen Bond-Darsteller Daniel Craig ist kürzlich gelungen, was keinem seiner Vorgänger vergönnt war: Er konnte neben der Queen in einem Kurzfilm agieren, der zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London gezeigt wurde. Wie fanden Sie den Auftritt von Elizabeth II. als sozusagen oberstem Bond-Girl?

MOORE: Ich fand es absolut wundervoll und charmant. Darüber hinaus war es natürlich ein großartiger Werbe-Coup im Jahr des 50. Bond-Geburtstags und eine gewaltige PR für den neuen Film, der im Herbst in die Kinos kommt.

Dabei haben Sie mal gesagt, das Ende des Kalten Krieges hätte Bond überflüssig gemacht. Seit Craig den harten, gar nicht mehr charmanten oder humorvollen Bond gibt, sind die Einspielergebnisse jedoch höher als je zuvor. Haben Sie sich geirrt?

MOORE: Ich fand Craigs ersten Film "Casino Royale" fantastisch. Der Nachfolger "Ein Quantum Trost" dagegen hat mich verwirrt und enttäuscht. Aber, wie ich gehört habe, soll der neue Film etwas fokussierter und klarer sein.

Sie haben sich auch kritisch über die teils schonungslose Gewaltdarstellung in den Craig-Filmen geäußert. In Ihren Bond-Abenteuern haben Sie oft nur auf Druck der Produzenten eingewilligt, den Agenten rücksichtsloser darzustellen. Beispielsweise als Sie einer Frau androhen, ihr den Arm umzudrehen, sollte sie Ihnen nicht die nötige Information geben.

MOORE: Ja, ich hätte die Szene gerne anders gespielt, konnte mich aber nicht durchsetzen. Heute scheint Gewalt noch mehr im Trend zu liegen. In meinem letzten Bond "Im Angesicht des Todes" aus dem Jahr 1985 war ich am Ende schockiert, als ich feststellte, wie viele Schießereien da aneinandergereiht wurden. Das war mir bei den Dreharbeiten gar nicht aufgefallen. Das alles war für mich nicht mehr Bond. Ich fand es jedenfalls unnötig, die bemitleidenswerten Schurken in dem Film hochzujagen und quasi in der Luft in ihre Bestandteile zu zerlegen. Und wenn ich diese Hetzjagd absolvieren müsste, die Craig heute in den Bond-Filmen abverlangt wird...

Springen, stürzen, schlagen, schießen und vor allem bluten.

MOORE: Ich hätte das auch in jüngeren Jahren nicht durchgestanden. Heute wäre ich nach dem ersten Drehtag tot.

Lassen Sie uns ein paar Bond-Mythen hinterfragen, die Sie selbst in die Welt gesetzt haben.

MOORE: Oje.

Mal haben Sie gesagt, Sie hätten gerne mehr Liebesszenen in den Filmen gespielt, dann wieder klagten Sie, die Liebesszenen seien das Unangenehmste überhaupt gewesen. Was stimmt denn nun?

MOORE: Na ja, beiden Versionen haftet ein bisschen Wahres und auch Unwahres an. Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn 50 oder 60 Crew-Mitglieder, die meisten davon Männer, um Sie herumstehen, während Sie halb nackt mit einer bezaubernden Frau im Bett liegen, und ein paar davon brüllen: "Gib's ihr, Roger", dann ist das alles andere als romantisch. Die hingen teilweise in den Gerüsten und den Kulissen. Es gab zum Glück auch angenehmere Erfahrungen.

Als mit Judi Dench 1995 erstmals eine Frau als Chefin von 007 auftrat, begrüßte sie Pierce Brosnan mit den Worten: "Sie sind ein sexistischer Dinosaurier." Was hätten Sie geantwortet, wenn Sie anstelle von Brosnan vor ihr gestanden wären?

MOORE: Also, dafür muss ich nicht meine Vorstellungskraft bemühen. Denn in meiner aktiven Zeit als Bond bin ich oft als Chauvi beschimpft worden. Ich weiß noch genau, wie mich eine Frau in einer Talkshow besonders hart attackiert hatte. "Sie sind ein sexistisches Schwein, Mr. Moore", das waren, glaube ich, ihre Worte.

Wie haben Sie reagiert?

MOORE: Irgendwann wurde es mir zu blöd. Ich sagte zu ihr: "Mir fällt auf, dass Sie Lippenstift tragen. Kommt das daher, weil Sie trockene Lippen haben oder weil es Ihnen gefällt, vielleicht sogar, weil Sie Männern oder Frauen gefallen wollen?" Oje, das war das Ende von allem.

Reden wir ein bisschen über Ihre Beziehung zu Deutschland, Sie waren hier als junger Offizier stationiert.

MOORE: Ja, bei der britischen Rheinarmee, zuerst in Schleswig, dann in einem Versorgungslager in Neumünster. Danach gehörte ich zu der in Hamburg stationierten Combined Services Entertainment Unit, die für die Unterhaltung der britischen Truppen in Deutschland und Europa zuständig war. Ich war in der Armee und konnte Theater für die Soldaten spielen, mal in Trier, mal in Köln oder Celle, auch in Österreich und Italien. Es war keine schlechte Zeit.

Sie sind unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland geschickt worden. Mit welchen Gefühlen sind Sie hier angekommen?

MOORE: Ich erinnere mich noch an das Ausmaß der totalen Zerstörung. Das kannte ich aus London nur zu gut, wo wir die "Blitzes", wie wir sie nannten, und alles andere überlebt hatten. Aber trotz meiner eigenen Erfahrung konnte ich mir nicht vorstellen, was die Menschen in Dresden während des Bombardements ihrer Stadt durchgemacht haben mussten. Ich habe viel darüber gelesen, aber das hatte noch einmal eine andere Dimension. Krieg ist entsetzlich. Wir hatten bei der Rheinarmee einige Deutsche angestellt. Die Beziehungen zu ihnen waren gut. Wenn ich an meine Zeit als Soldat in Deutschland zurückdenke, fällt mir sofort wieder die Armut ein, die ich überall beobachten konnte. Gott sei Dank haben die USA nicht den Fehler des Ersten Weltkriegs wiederholt, als sie die besiegten Deutschen in ihrem armseligen Zustand sich selbst überließen - und so den Weg zum Nationalsozialismus mit ermöglichten. Der Marshallplan war eine gute Sache.

2003 hat Ihnen der damalige Bundespräsident Rau das Bundesverdienstkreuz verliehen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

MOORE: (Schweigt lange) Ich trage mein Bundesverdienstkreuz mit großem Stolz. Ich bekam es für meine Arbeit bei Unicef. Es war sehr bewegend, eine große Ehre für mich.

Mr. Moore, wissen Sie, wo Sie am 14. Oktober sein werden?

MOORE: Das kann ich Ihnen genau sagen. Ich werde an diesem Tag arbeiten und in einem Theater in Kingston in der Nähe von London aus meinem neuen Buch vorlesen.

Sie werden an diesem Tag 85.

MOORE: Ja, wie jeden Tag wird es schon ein Wunder sein, wenn ich morgens überhaupt aus meinem Bett hochkomme.