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Schottlands KulturTapfere Herzen, eislaufende Ehrwürden

3 min

Köln„Reverend Robert Walker beim Schlittschuhlaufen“ (1784)

Henry Raeburns Gemälde „Reverend Robert Walker beim Schlittschuhlaufen“ – besser bekannt als „The Skating Minister“ – gilt heute als Ikone der schottischen Aufklärung, jener fruchtbaren Periode, aus der der Philosoph David Hume, der Ökonom Adam Smith und der Erfinder James Watt hervorgingen: Die Natur ist gewaltig, aber der Mensch kann spielerisch mit ihr umgehen.

„If You’re Feeling Sinister“ (1996)

Von Lloyd Cole bis Mogwai: Glasgows Musikszene funktioniert unabhängig von England. Das zweite Album von Belle and Sebastian ist ihr schüchternes Meisterwerk. Eine Tagträumerei, wie sie nie im nervösen London entstehen könnte. Im Klappcover einer späteren Platte trägt ein Kilt-Mädchen stolz ein T-Shirt: „Scotland’s for me“.

„A Drunk Man Looks at the Thistle“ (1926)

Hugh MacDiarmid, Schottlands Antwort auf James Joyce, war Modernist, Kommunist und Patriot – eine seltene Kombination. In seinem Langgedicht, zu Deutsch „Ein Betrunkener betrachtet eine Distel“, verfasst im schwer verständlichen Scots-Dialekt, nimmt er die schöne, ausfransende und stachlige schottische Nationalblume als Sinnbild für sein Land.

„Waverley“ (1814)

Walter Scott, geboren 1771 in Edinburgh, hatte bereits in jungen Jahren damit begonnen, mündliche Erzählungen im südlichen Schottland zu sammeln und in romantischen Gedichten zu verarbeiten. Aber mit dem anonym veröffentlichten „Waverley“ wurde Scott zu einem der ersten literarischen Weltstars, erfand das Genre des Historischen Romans und prägte das Klischeebild vom schottischen Hochland, wildromantischen Berghügeln und knorrigen Klanchefs in Tartan-Kilts. Später fand Scott die lange verschollenen Kronjuwelen, vergraben unterm Edinburgh Castle, dafür gab es dann den „Sir“.

„Braveheart“ (1995)

Das kommt dabei heraus, wenn Australier in Hollywood von Schottlands Unabhängigkeit träumen. Mel Gibsons Schlacht-Epos „Braveheart“ nimmt es mit historischen Fakten um den Unabhängigkeitskämpfer William Wallace nicht so genau. Angefangen damit, dass mit „brave heart“ der Schottenkönig Robert Bruce gemeint ist – und fachte dennoch eine neue Nationalismus-Welle an.

„Loch Lomond“ (1841)

Ob du nun die hohe Straße nimmst, oder die tiefe, dieses weltbekannte schottische Lied – vollständiger Titel „Die schönen Ufer des Loch Lomond“ – wird auch vor Ort noch gerne zum Abschluss jeder Feier gesungen (oder „Auld Lang Syne“ von Robert Burns). FC-Fans grölen zur Melodie „Mer stonn zo dir FC Kölle“. Den größten Erfolg mit „Loch Lomond“ hatte aber die US-Jazz-Sängerin Maxine Sullivan 1937 mit ihrer Swing-Version.

„A Man’s a Man for A’ That“ (1795)

Robert Burns steht für Schottland schlechthin. Noch 2009 wählten Fernsehzuschauer den früh verstorbenen Dichter (der Whisky!) zum Größten aller Schotten, knapp vorm mittelalterlichen Freiheitskämpfer William Wallace (siehe „Braveheart“). In seiner Hymne „A Man’s a Man for A’ That“ – man kann den Titel frei nach H. Grönemeyer mit „Dann ist ein Mann ein Mann übersetzen“ – feiert Burns alle Männer unabhängiger Gesinnung, ob sie nun die Sklaverei abschaffen oder Schottland aus dem Vereinigten Königreich lösen.