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Fortsetzung von „Shazam!“Lust am Kaputtmachen – wenig sonst

Lesezeit 3 Minuten
Die Superhelden stehen in einer Reihe, in der Mitte Zachary Levy als Billy. Er trägt ein rotes Kostüm mit einem gelben Blitz auf der Brust.

Der zweite Teil des Superhelden-Films Shazam! kommt in die Kinos

Mit „Shazam! Fury of the Gods“ läuft die Fortsetzung des erfolgreichen Superheldenfilms von 2019 in den Kinos an. Der DC-Streifen vermittelt trotz fulminanter Zerstörung nur wenig Herzblut.

Captain Marvel war gestern, heute drückt Shazam auf die DC-Tube. Rückblende: Ein halbes Jahrhundert lang schwelte ein verbissen geführter Gerichtsstreit zwischen den Comicschmieden Marvel und DC, die beide eine Figur gleichen Namens ihr eigen nannten. 2012 gab DC entnervt, aber geschäftstüchtig auf und nannte seinen Captain Marvel um. Diese Figur stieg 2019 in den Kinokosmos des DC Extended Universe ein und verdiente genug Dollars in dreistelliger Millionenhöhe, dass eine Fortsetzung realisiert wurde.

Dass Captain Marvel 1939 ins Leben gerufen wurde und bereits zwei Jahre später seine Premiere als Filmheld erlebte, ist nur noch von historischem Interesse. Der neue Captain Marvel ist zwischenzeitlich fest integriertes Mitglied einer Patchwork-Familie, und er sowie alle seine Adoptivgeschwister verfügen über Superkräfte, sobald sie den Kampfruf „SHAZAM“ schmettern.

„Shazam! Fury of the Gods“ zeigt den Kampf der Superhelden gegen Götter

Der speist seine mystische Kraft aus Salomos Weisheit, Herkules‘ Stärke, Atlas‘ Kraft, Zeus‘ Macht, Achilles‘ Mut und Merkurs Schnelligkeit. All das ist auch bitter nötig, als die Atlas-Töchter Hespera (Helen Mirren) und Kalypso (Lucy Liu) im Verbund mit einem weltenfressenden Drachen auf der Erde erscheinen und alle zerstören wollen, um die Macht an sich zu reißen. Es gibt mit Anthea (Rachel Zegler) auch noch eine dritte Schwester, die unter verdeckter Identität unter den Menschenkindern weilt.

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Götter gegen Superhelden, das ist eine nicht uninteressante Konfliktkonstellation im Blick auf die Kräfteverhältnisse. Immerhin hat auch die der zweite „Shazam“-Film die Zielgruppenbindung der Superheldenfans ebenso im Blick wie die Leser von Percy Jackson und „Götter des Olymp“. Was bisweilen ganz amüsant ist, wenn der erwachsene Shazam (mittlerweile doch sehr geschwätzig: Zachary Levi im Strampelanzug mit Schmalzfrisur) das Kind im Manne austoben darf.

Im DC-Kinofilm von David F. Sandberg fällt vor allem die Zerstörung auf

Mehr noch als im ersten Film fällt es auf, wie unterfordert die Schurkenriege agieren muss, und wie leichtfertig bestes schauspielerisches Potenzial verschwendet wird. Im Gegenzug fährt der aus Schweden stammende Regisseur David F. Sandberg („Light Out!“) eine Überdosis an Katastropheneffekten auf, um ein Drehbuch, das in 90 Minuten hinreichend auserzählt wäre, auf volle zwei Stunden zu dehnen.

Amüsant ist es, dass es unter den Monstern, die sich an der Bevölkerung von Philadelphia schadlos halten, einige direkte Ableitungen aus Stop-Motion-Vorbildern gibt, mit denen Trickkünstler Ray Harryhausen in den 1950er und 60er Jahren das Fantasy-Genre befeuerte. Öfter aber wirkt es so, als wäre es auf dem Reißbrett bis ins letzte Detail durchgerechnet worden.

Dazu kommt diese kindgerechte Comicgewalt, die zwar jede Menge Zerstörung und sogar den Tod von Helden beinhaltet, aber wie bei Marvel findet sich stets doch noch ein Dreh, dass alles gut ausgeht. Herzblut vermittelt sich so eher nicht. Immerhin dürfen Fans noch einmal Gal Gadot im Kostüm der Wonder Woman bewundern. Aber es werden neue Saiten aufgezogen, denn ab sofort führt James Gunn bei DC das Ruder. Ein Schelm, wer da SHAZAM brüllt.

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