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So war der „Tatort“ Der Mörder ist immer der Greis mit der Bettpfanne

Rüdiger Vogler schaut als Altenheimbewohner Kahane leidend in die Gegend.

Rüdiger Vogler als Altenheimbewohner Kahane

In „Lenas Tante“ werden Altnazis im Altenheim ermordet. Ist Karl Lauterbach daran schuld? 

Der Fall

Wenn ein sadistischer SS-Mann und KZ-Aufseher im hohen Alter bei lebendigem Leib in einem Krematorium verbrennt, klingt das verdächtig nach poetischer Gerechtigkeit. Für die beiden Ludwigshafener Kommissarinnen hat sich der Fall damit natürlich trotzdem nicht erledigt – für sie ist es immer noch vorsätzlicher Mord oder wenigstens fahrlässige Tötung, je nachdem, wer aus welchen Motiven dahinter steckt. Drehbuchautor Stefan Dähnert zauberte mehrere Verdächtige aus dem Hut: Lena Odenthals Tante, die den Toten als Nazis jagende Staatsanwältin nicht zur Rechenschaft ziehen konnte; die Leitung des Pflegeheims, die ihre Patienten möglicherweise mit Insulinspritzen auf eine finanziell einträglichere Pflegestufe hievt; und den Arzt, der den voreiligen Totenschein unterschrieb.

Die Auflösung

Sollte ein „Tatort“ realistisch oder wenigstens spannend sein? Das sind Scherzfragen, über die sich die besseren „Tatort“-Autoren mittlerweile selbst zu amüsieren scheinen. Dähnert hat sich in dieser Hinsicht etwas halbherzig aus der Affäre gezogen. Einerseits schickt er Johanna Stern (Lisa Bitter) bei der erstbesten Gelegenheit mit dem verdächtigen Arzt ins Bett und lässt die Kommissarin das auch noch recht freimütig kommentieren: „Du weißt schon, dass ich weiter gegen Dich ermitteln muss.“ Andererseits stellt er Lena Odenthals Tante bis kurz vor Schluss als Täterin hin. Dabei würde keine Casting-Agentin einen Schauspieler wie Rüdiger Vogler für eine Rolle als putzigen Bewohner eines Altenheims verschwenden; als später Rächer hatte der Star des Jungen Deutschen Films einen standesgemäßen Auftritt. Dass Voglers KZ-Überlebender sich, ohne es zu wissen, mit seinem ehemaligen Peiniger ein Altenheimzimmer teilte, fällt wohl unter historische Ironie. Und die späte Wendung unter Fernsehkrimilogik. Merke: Der Mörder ist immer der Greis mit der Bettpfanne.

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Alte Nazis und junge Verschwörungsfantasien

Bei den Prozessen gegen greise SS-Männer stellen sich stets zwei unvermeidliche Fragen: Muss das so spät noch sein? Und: Warum wurden die nicht viel früher vor Gericht gestellt? Auf die zweite Frage fand Dähnert eine doppelte Antwort: Die deutsche Justiz hat die angeblichen „Mitläufer“ der NS-Kriegsverbrechen lange geschont oder sie, wie die von ihm erdachte „Schlange von Natzweiler“, ins Ausland entkommen lassen. Damit wir nicht glauben, der Nazispuk wäre vorbei, stellt uns Dähnert einen unbelehrbaren Enkel vor, der mit NS-Andenken handelt und an seine abstrusen Verschwörungsfantasien tatsächlich zu glauben scheint. Für ihn ist der wahre Schuldige vermutlich Gesundheitsminister Karl Lauterbach; der hat die Zustände in unseren Altenheimen schließlich zu verantworten.

Fazit

Es war schön, Rüdiger Vogler mal wiederzusehen – auch wenn es im Pflegeheim war. Aber die Alten, das darf man als Fazit aus „Lenas Tante“ mitnehmen, sind noch rüstig. Diese Erkenntnis lässt auch für Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hoffen, die dienstälteste Ermittlerin im „Tatort“-Kommissariat.