Sophie Passmann und Joko Winterscheidt„Ich will Joko in eine Elder-Statesman-Rolle drücken“

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Cover zum Podcast „sunset club“ von Joko Winterscheidt und Autorin Sophie Passmann.

Cover zum Podcast „sunset club“ von Joko Winterscheidtund Autorin Sophie Passmann.

Im Interview sprechen Joko Winterscheidt und Sophie Passmann über die Causa Til Schweiger, Wut mit Anfang 20 und ihre entstehende Freundschaft.

Joko Winterscheidt, das TV-Gesicht zahlreicher deutscher Entertainmentsendungen, und Sophie Passmann, die provokative Autorin und Moderatorin, machen jetzt gemeinsame Sache und gründen den „sunset club“, der eigentlich gar kein Club ist. Es handelt sich dabei um einen Podcast, an dem bisher auch nur die zwei teilnehmen. Seit dem 18. Mai ist der Podcast immer donnerstags zu hören auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

Vor drei Jahren haben Sie gemeinsam die Sendung „Männerwelten“ gemacht, in der es um sexuelle Belästigung ging. Der Podcast scheint eher ein Spaßprojekt zu sein. Wollen Sie nochmal was Ernsthaftes zusammen auf die Beine stellen?

Sophie Passmann: Man muss bei Podcasts nicht die Unterscheidung zwischen Entertainment und Ernsthaftigkeit treffen. Leuten wie uns, die sich für die Welt interessieren, wird es über die Länge so eines Podcasts sowieso passieren, dass sie auch über ernsthafte Sachen reden. Natürlich interessiere ich mich auch unabhängig von „Männerwelten“ sehr für Feminismus, genau wie Joko. Genau wie wir uns für eine Million andere Themen interessieren. Die werden wir auch besprechen, und dazwischen werden wir Quatsch erzählen.

Machtmissbrauch funktioniert nur, wenn Leute abhängig sind von jemandem
Sophie Passmann

Ein ernsthaftes Thema reißen Sie im Podcast nur kurz an, die Causa Til Schweiger und die Vorwürfe gegen die Zustände an Sets. Wie sind Ihre Erfahrungen an Sets – haben Sie schon mal solche Zustände erlebt?

Joko Winterscheidt: Gott sei Dank nicht. Ich arbeite seit ungefähr 15 Jahren in einem so engen, freundschaftlich-familiären Team zusammen. Da wäre das für mich nicht vorstellbar. Ich weiß auch nicht, ob ich sowas geduldet hätte.

Passmann: Dulden ist ein wichtiges Stichwort. Machtmissbrauch funktioniert nur, wenn Leute abhängig sind von jemandem. Ein Set ist wahnsinnig hierarchisch organisiert. Je erfolgreicher eine Person ist, desto weniger ist der Drang da, so etwas zu erdulden.

Über sich selbst haben Sie gesagt, dass Sie vor einigen Jahren ein „sehr wütender, krawalliger Mensch“ waren. Beobachten Sie auch, dass das weniger geworden ist, Joko Winterscheidt?

Winterscheidt: Das wird sich zeigen. Es kann auch sein, dass ich in eine Falle gelockt wurde (lacht). Selbst wenn Sophie krawallig wäre, hätte ich damit vielleicht kein Problem mehr. Ich werde auch älter und habe eine klarere Haltung zu mir selbst entwickelt, als das vor sechs, sieben Jahren der Fall war. Ich finde das Tollste an Sophie, dass wir ein gemeinsames Verständnis entwickelt haben von dem, was uns wichtig ist, ohne dass wir groß darüber reden mussten. Ich wünsche mir, dass die Freude, die ich habe, wenn ich auf Sophie treffe, niemals aufhört. Das habe ich mit ein paar Menschen in meinem Leben, mit Klaas ist es genauso. Wenn ich Klaas treffe, ist die erste halbe Stunde mit ihm die lustigste meines Tages.

Passmann: Ich glaube, man erkennt, dass ich weniger krawallig geworden bin, schon daran, dass ich vor ein paar Jahren dieses nette Kompliment nicht hätte annehmen können. Und ich bin weniger krawallig geworden, weil ich weniger Krawall in meinem Leben brauche. Ich bin aber nicht weniger hart in der Sache geworden. Ich kann nur besser ertragen, wenn Leute mich nett finden und wenn ich nett zu Leuten bin. Man darf mit Anfang 20 auch krawallig sein. Doof ist es nur, wenn man mit Anfang 20 pausenlos sein Gesicht in eine Kamera hält und dabei krawallig ist.

„Sie ist mit ihm im TV aufgewachsen, er mit ihr auf Social Media erwachsen geworden“, heißt es in der Ankündigung zum Podcast. Wie ähnlich sind Sie sich in Wirklichkeit?

Winterscheidt: Es ist zu früh, um diesen Satz zu sagen: Aber Klaas hat mich mal als den Bruder beschrieben, den er sich nie gewünscht hat. Die Transferleistung würde ich im Raum stehen lassen.

Passmann: Ich finde, die Geschwisteranalogie ist keine schlechte. Es ist ein bisschen hysterisch-geschwisterlich zwischen uns. Wenn ich meine Schwester treffe, schreien wir uns auch an vor Lachen, weil wir irgendwelche Insider haben von vor 20 Jahren, die sonst keiner versteht. Bei uns sind die Insider von vor zwei Wochen.

Wie oft treffen Sie sich eigentlich privat?

Passmann: Wir haben in letzter Zeit natürlich jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, irgendwas für den Podcast erledigt.

Winterscheidt: Ich würde mir aber wünschen, dass wir das auch abseits von Podcastaufnahmen hinbekommen. Wir haben beide eine große Leidenschaft für gutes Essen und gute Getränke und da würde ich mir wünschen, dass ich von Sophie auch privat noch viel lernen darf.

Es soll im Podcast auch Karriereratschläge geben, heißt es ...

Passmann: Ich habe zu Folge zwei auf jeden Fall eine Sache auf dem Zettel, von der ich wissen möchte, ob es eine gute Entscheidung war, das abgesagt zu haben. Ich will das aber vor allem im Podcast besprechen, weil ich Joko gegen seinen Willen in so eine Elder-Statesman-Rolle drücken möchte. Ich weiß, dass ihm das wahnsinnig unangenehm sein wird.

Haben Sie sich schon mal privat Karriereratschläge gegeben?

Passmann: Ja, tatsächlich hat Joko mir bei unserem ersten richtigen Treffen was gesagt. Nicht sowas konkretes wie „Bitte hör auf, Selfies zu posten“. Es war eher eine Aneinanderreihung von Beobachtungen, an denen ich gemerkt habe, dass Joko sich ernsthaft und empathisch damit auseinandergesetzt hat. Und ja: Seitdem mache ich Low Carb. (lacht) Ich habe mir aber noch nicht angemaßt, Joko einen Ratschlag zu geben. Mit ein bisschen Ehrfurcht stehe ich natürlich schon vor seiner Karriere.

Winterscheidt: Ach quatsch, hör sofort damit auf!

Von welchen Ereignissen aus der Vergangenheit hätten Sie sich abgeraten, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?

Winterscheidt: Ich würde mir selbst noch nicht mal von irgendwas abraten. Ich hatte immer einen sehr vertrauenswürdigen Kreis an Menschen um mich, die in den entscheidenden Phasen mit mir Entscheidungen entwickelt haben. Ich helfe auch gerne, aber ich würde mir nie anmaßen, mit direkten Ratschlägen um die Ecke zu kommen.

Passmann: Ich bin auch kein Fan davon, einem im Nachhinein von etwas abzuraten. Dahinter steckt immer, dass man glaubt, es gebe irreparable Fehler in einer Medien- oder Öffentlichkeitskarriere. Das überhöht einzelne Phasen in einem Leben in der Öffentlichkeit.

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