„Noch mal will ich das nicht mehr mitmachen“, stellt Markus Hinterhäuser fest, „noch mal schaffe ich das auch nicht.“ Ausgerechnet im hundertsten Jahr ihres Bestehens stand der Intendant der Salzburger Festspiele kurz davor, diese aufgrund der Corona-Krise abzusagen. Beziehungsweise das bedeutendste Musik- und Theaterfestival der Welt auf sein Allerwesentlichstes zu reduzieren: Eine einzige Aufführung des „Jedermann“ am 22. August auf dem Platz vorm Salzburger Dom, denn mit Max Reinhardts Inszenierung des Hofmannsthal’schen Theaterstücks hatte die Geschichte der Salzburger Festspiele am 22. August 1920 begonnen.
Die Reduzierung der Fallzahlen erlaubt Hinterhäuser nun allerdings eine echte Jubiläumsausgabe, wenn auch eine von 200 ursprünglich geplanten Aufführungen auf 90 reduzierte. Zeitlich bleiben die 100. Salzburger Festspiele auf den August beschränkt.
Große Vorhaben wie eine „Don Giovanni“-Neuinszenierung habe man verschieben müssen, erzählt Hinterhäuser im Rahmen einer gemeinsam mit dem Kultursender Arte veranstalteten virtuellen Pressekonferenz. Man könne dieses Jahr nur kurze Stücke ohne Pause spielen, wie die „Elektra“ oder eine im Rekordtempo auf die Beine gestellte „Così fan tutte“-Aufführung. „Das konnten wir sogar dank Corona machen, weil viele junge Sänger so kurzfristig frei waren.“

Tobias Moretti als „Jedermann“ (mit V. Tscheplanowa)
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Arte wird auf seinem Streamingportal „Arte Concert“ unter dem Motto „Salzburg für Jedermann“ vom 1. bis zum 30. August täglich ab 20.30 Uhr Aufführungen und Konzerte der Salzburger Festspiele übertragen und diese auch im regulären Programm begleiten. Tobias Moretti, der seit 2017 die Titelrolle des „Jedermann“ spielt, wird durch das Programm führen.
Das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ gewinne durch die aktuelle Situation noch einmal an Dringlichkeit, meint Moretti: „Das Thema des »Jedermann« ist der Wahn von der grenzenlosen Verfügbarkeit und die Ohnmacht im Angesicht des Todes. Dieser Endzeitcharakter steht jetzt plötzlich wieder vor uns und keiner kann sich dem entziehen.“ Vielleicht, sinniert Moretti, erhalte man dieses Jahr sogar eine Ahnung von der Stimmung der allerersten Festspiele, die im Schatten des Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe stattfanden: „Für die meisten Menschen hatte der Tod damals ja nichts Exklusives.“