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Synagoge StommelnMischa Kuball führt Kunstprojekt fort

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Ein Mann mit schwarz gerahmter Brille blickt ernst in die Kamera.

Mischa Kuball 2015 in seinem Atelier in Düsseldorf. (Archivbild)

Lange war Mischa Kuball „Schattenkurator“ des Kunstprojekts Synagoge Stommeln. Jetzt führt er es mit einem neuen Konzept fort. 

Seit 1991 ist die Synagoge Stommeln fester Bestandteil des internationalen Kunstkalenders, eine kleine Documenta der Erinnerungskultur. Über die Jahre gaben sich in Pulheim etliche Weltstars die Klinke in die Hand, um im ehemaligen Gotteshaus der Shoah mit künstlerischen Mitteln zu gedenken – angefangen bei Jannis Kounellis über Georg Baselitz und Rosemarie Trockel bis hin zu Alfredo Jaar im September vor Corona. Danach schien der Elan des Kunstprojekts erschöpft: 2022 gab die Stadt den Jubiläumsband zu „30 Jahre Kunstprojekte“ heraus, im Mai 2025 wurde die Reihe mit einer von Olaf Nicolai konzipierten Performance fortgesetzt – und kam wegen angeblicher antisemitischer Inhalte ins Gerede.

Das neue Konzept der Synagoge Stommeln stammt von Mischa Kuball

Sollte die Pulheimer Politik versucht gewesen sein, das Projekt danach gemeinsam mit dessen langjähriger Leiterin Angelika Schallenberg in den Ruhestand zu schicken, hat sie dieser Versuchung mit Nachdruck widerstanden. Anfang Februar beschloss der Stadtrat einstimmig, die Kunstprojekte in der Synagoge Stommeln fortzuführen und dessen Etat auf 50.000 Euro zu erhöhen. Mit beschlossen wurden ein neues Konzept und die Einsetzung eines vierköpfigen künstlerischen Beirats.

Das neue Konzept stammt von Mischa Kuball, der 1994 die Synagoge in gleißendes Licht tauchte und Schallenberg lange als „Schattenkurator“ zur Seite stand. Der Düsseldorfer, an der Kölner Kunsthochschule für Medien lehrende Künstler will die jährliche, in der Regel auf drei Monate begrenzte Ausstellung in der Synagoge durch zwei Programmpunkte ergänzen: einen kunsthistorischen Vortrag und eine Performance. Auch die Besetzung des Beirats geht auf seine Initiative zurück.

„Der einstimmige Ratsbeschluss ist ein wichtiges politisches Signal“, sagt Kuball. „Die Erinnerungsarbeit soll fortgesetzt und sogar erweitert werden. Ein solches Bekenntnis war für mich eine innere Bedingung, um das Projekt fortzuführen.“ Für die nächste, voraussichtlich im September anstehende Ausstellung gibt es bereits eine Kandidatin, die sich dem Thema jüdischer Identität widmen wird. Allerdings ist eine jüdische Herkunft für Kuball keine Voraussetzung, um am Projekt teilzunehmen. „Die Künstler wurden niemals nach religiöser Zugehörigkeit ausgewählt“, sagt er. Auch sonst plant er, den Charakter des Projektes beizubehalten. Dieses lebe „vom harten Wechsel der künstlerischen Positionen“.