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Verneigung vor den Toten des Grunge

3 min

Sänger Jeff Gutt in Köln

Vielleicht ist die grenzenlos schöpferische Destruktivität des Grunge schuld daran, dass das Genre nicht nur eine unglaubliche Vielzahl an musikalischen Meisterwerken hervorgebracht, sondern eine beinah ebenso hohe Zahl an Toten zu beklagen hat. Allen voran steht hier natürlich Kurt Cobain, der Frontmann von Nirvana, die 1991 mit „Smells Like Teen Spirit“ einen Urknall der Musikgeschichte auslösten. Genau acht Jahre später starb Laney Staley, Sänger der bis heute aktiven Grungeband Alice in Chains, an einer Überdosis Heroin und Kokain.

Auch die Stone Temple Pilots, Grunge- und Hard-Rock-Heroen aus Kalifornien, können von toten Frontmännern so einige Lieder singen: 2015 starb Gründungsmitglied und Sänger Scott Weiland an einer Überdosis, zwei Jahre, nachdem die Band ihn wegen seiner Drogensucht rausgeworfen hatte. Vorübergehend ersetzte ihn Chester Bennington, in erster Linie bekannt als Frontmann von Linkin Park. Dieser sang noch bei der Beisetzung seines Freundes, dem Ex-Frontmann von Soundgarden, Chris Cornell. Nur wenige Wochen später tötete er sich wie Cornell selber. Scheint, als komme im Grunge auf jede Goldene Schallplatte auch ein Grabstein.

„I’ve never been to this city before, but these guys have, so let’s make this special“ („Ich war noch nie in dieser Stadt, die Jungs hier schon, also lasst uns das hier besonders machen“), bittet Jeff Gutt, seit 2017 der neue Sänger der Stone Temple Pilots, am Dienstagabend das Kölner Publikum in der Live Music Hall. Ein solches Erbe anzutreten, dürfte wohl niemandem leichtfallen. Doch Gutt sieht aus wie Mr. Cool in Person: Ganz in Schwarz gekleidet, hat er sein kurzärmeliges schwarzes Hemd weit aufgeknöpft, sodass die Krone, die er auf der Brust tätowiert hat, sichtbar wird. Im Gesicht trägt er eine schwarze Sonnenbrille, zu den ersten Tönen von „Wicked Garden“ schleudert er den Mikroständer einmal lässig durch die Luft, und mit einem verschwörerischen Lächeln auf den Lippen setzt er dann zum Singen an.

Dass die meisten Songs, die Gutt an diesem Abend singt, von Weiland stammen, könnte man bei seiner Performance glatt vergessen, so ganz und gar verkörpert er den Spirit dieser Band. Doch zwischen den großen Hits, zwischen „Lounge Fly“, „Creep“, „Plush“ oder „Sex Type Thing“, zollt er seinem Vorgänger immer wieder seinen Respekt. Etwa in der Mitte des Sets legt er die Sonnenbrille ab und bedankt sich bei seinen neuen Bandkollegen, die er als „the originators“ („die Schöpfer“) bezeichnet. Auch dem Publikum gegenüber zeigt er sich ergeben und verspricht zum Schluss nicht nur, dass er sie niemals vergessen werde. Sondern auch, dass er und die Stone Temple Pilots bald wiederkommen werden.