International bekannt wurde diese Spitzenformation durch Aufnahmen der Streichquartette der europäischen Altmeister Xenakis und Lachenmann. Doch nun gastierte das New Yorker JACK Quartet in der Philharmonie mit hierzulande nahezu unbekannten Werken von Komponisten aus seiner Heimatstadt. Das erste Quartett der Kanadierin Zosha di Castri ist geprägt durch seine Entstehung für einen Streichquartett-Wettbewerb. Um formale Stimmigkeit und stringenten Ausdruck wenig bekümmert, reiht das quirlige Stück verschiedene Spiel- und Klangcharaktere in schneller Folge: wild schlingernde Glissandi, filigrane Linien, flüsternde Schatten, zarte Kantilenen, rhythmische Motorik.
Umso klarer strukturiert ist Elliott Carters drittes Streichquartett von 1971. Die beiden Geigen bilden hier mit Bratsche beziehungsweise Cello ganz links und rechts auf der Bühne zwei Duos, die der 2012 103-jährig verstorbene Komponist für Kontraste und Überlagerungen unterschiedlicher Strukturen und Tempi nutzt. Hier zucken impulsive Pizzicati, dort wölben sich sanft gestrichene Legatobögen. Die Verhältnisse kehren sich um, gleichen sich an, divergieren erneut und lassen die Duos auch in Solopartien zerfallen. So wirkt Carters Musik bei allen schroffen Dissonanzen stets spielerisch und konzertant. Dem JACK Quartet auf den Leib geschrieben wurden die vier Sätze des ersten Quartetts der in New York lebenden Portugiesin Andreia Pinto Correia. Die Streicher forcieren das Spiel mit viel Bogen und Druck bis zum Quietschen und Rattern oder lassen alle Bewegung scheinbar erstarren. Zwischen fahlen und klirrend kalten Glasharfentönen erblühen dann umso wärmer einzelne Espressivo-Klänge.
Den Schlusspunkt des bejubelten Konzerts setzte das sechste Streichquartett „The Alchemist“ des Saxofonisten, Bandleaders und Allrounders John Zorn. Das 2013 beim Jazz-Festival Moers erstmalig in Deutschland aufgeführte Werk glänzt mit abrupten Ecken und Kanten, zeigt aber auch galante und ironische Seiten. Mal maunzen die Streicher einander neckisch zu, mal werfen sie sich mit Verve in den Themenkopf von Beethovens „Großer Fuge“.
Die Komposition gibt Anlass, die ausgezeichneten Spieler zu bewundern. Denn auch die JACKs sind wahre Alchemisten. Das von ihnen bespielte Konglomerat aus Holz, Fischleim, Rosshaar, Darm- oder Stahlseiten verwandeln sie allein durch magische Berührungen in – nein, nicht Gold, viel besser: Musik!