Knapp 7000 Euro an Spenden sind bislang über die Plattform dringeblieben.de für die Kölner Clubszene zusammengekommen. Seit vergangenen Samstag bündeln Konzertveranstalter und Clubbetreiber hier ihre Streamingaktivitäten: Bandauftritte, Spoken Word Poetry und DJ-Sets für das zwangsweise ausbleibende Publikum. Eine beruhigende Rückversicherung, dass diese lokale Kultur noch existiert. Die Betonung liegt auf „noch“: Die Clubs finanzieren sich nahezu ausschließlich durch Getränkeverkauf und Tickets, zwei Einnahmequellen, die nun seit mehr als einer Woche weggefallen sind. Und große Rücklagen sind in der Branche selten.
Die Not sei akut, sagt Jan van Weegen, Mitbetreiber des Gebäude 9 und Vorsitzender der Klubkomm, dem Interessenverband der Kölner Clubs und Veranstalter. Viele Betreiber stünden vor einer existenzbedrohenden Situation. Dazu kommen noch viele Selbstständige – Veranstaltungstechniker, Stage Hands, Security-Leute, Grafiker, Caterer –, die nun ebenfalls ohne Einnahmen dastehen.
Zwar gibt es bereits Gespräche mit dem städtischen Amt für Wirtschaftsförderung. Auch gibt es die Möglichkeit, sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau Kredite zu 80 Prozent vom Bund absichern zu lassen. Dazu muss ein Unternehmen jedoch älter als drei Jahre sein. Dementsprechend dramatisch sei die Situation, so van Weegen, für jüngere Veranstaltungsorte wie etwa das Mülheimer Carlswerk Victoria. Zudem würde vielen Hausbanken selbst die 80-prozentigen Bürgschaft des Bundes nicht ausreichen.
Für die Clubs sei es schon jetzt ein Kampf ums Überleben, bestätigt Norbert Oberhaus, Geschäftsführer der cologne on pop GmbH, die unter anderem das c/o-pop-Festival veranstaltet. Oberhaus, der auch in der Klubkomm aktiv ist: „Im Veranstaltungsbereich fallen seit zehn Tagen die Einnahmen weg, viele Clubs haben ja freiwillig dichtgemacht. Und in wenigen Tagen müssen die Miete und die Löhne bezahlt werden.“ März und April seien für die Clubs die wichtigsten Monate vor der langen Sommerpause. „Wenn bis April nichts passiert, wird es für viele eng.“ Die Konzertveranstalter, so van Weegen, hätten sich bereits vom Frühjahrsgeschäft verabschiedet. „Auch die meisten für Mai geplanten Tourneen sind bereits verschoben worden.“
Und was ist mit der c/o pop? Noch ist das Kölner Popfestival, das vom 22. bis zum 26. April stattfinden soll, nicht abgesagt worden. Was allerdings nur daran liege, so Oberhaus, dass die Verordnung der Stadt vorerst nur bis zum 19. April gilt. „Ich kann nicht selbst verlegen, weil ich dann in Haftung bin. Am besten wäre es, die Stadt gäbe eine Einzelverfügung heraus und würde somit das c/o pop Festival im April untersagen.“ In dem Fall will sich Oberhaus um eine Verlegung des Festivals in den Oktober bemühen. „Ich möchte die Ticketkäufer dazu aufrufen, so weit es ihnen möglich ist, auf eine Rückerstattung zu verzichten.“ Das Geld würde dann den Clubs als Spende zugute kommen. „Denn wenn wir im Oktober keine Clubs mehr in Köln haben, können wir auch kein c/o pop Festival veranstalten.“
