Abo

LeserbriefeSchlechte Noten fürs Schulministerium

5 min
Neuer Inhalt

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

Die Kehrtwende bei den Tests für Grund- und Förderschüler in NRW zeigt einmal mehr: Die Kleinsten haben die schwächste Lobby (28.1.)

Schulministerium wälzt Verantwortung ab

Als ich die Nachrichten über die geänderte Teststrategie von der Schule meiner Tochter erhielt, wurde ich fassungsloser, je mehr ich über die Konsequenzen des neuen Vorgehens nachdachte. Wieder einmal werden Verantwortlichkeiten auf die ohnehin überlasteten Schulen abgewälzt und wieder einmal zeigt sich, welchen Stellenwert Kinder in unserer Gesellschaft haben. Da wir Eltern das aber mittlerweile verstanden haben, hatte ich eigentlich gehofft, es nicht noch einmal vorgeführt zu bekommen.Gesine Fügener Köln

Mit großem Interesse habe ich Ihren veröffentlichten Brief an Frau Gebauer gelesen und ich bin Ihnen zutiefst dankbar für jeden Satz! Sie formulieren es absolut treffend und sprechen den vielen Eltern, die verzweifelt nur noch staunend dabei zusehen, was entschieden wird, aus tiefster Seele. Eva Maria Hamacher Köln

Das könnte Sie auch interessieren:

Alle 15 Minuten frieren

Bei jedem Ihrer Artikel zu der aktuellen Situation an Schulen packt mich die Wut. Wie kann es sein, dass in den Schulen bisher keine Luftfilter installiert sind? In fast allen Behörden und auch teilweise bei Ärzten habe ich Luftfilter gesehen – unterliegen diese anderen Anschaffungsbedingungen als Schulen?

Es kann doch nicht sein, dass mir meine Enkelin, Schülerin der dritten Grundschulklasse, erzählt, dass die Klassenlehrerin eine Eieruhr auf 15 Minuten stellt. Wenn die Uhr klingelt, müssen Jacken und Schals angezogen werden, die Fenster werden zum Lüften geöffnet, nach ein paar Minuten wieder geschlossen und danach geht das Ganze wieder von vorne los! Wie soll da ein qualifizierter Unterricht möglich sein?

Vielleicht erinnert sich ja noch irgendjemand in unserer Regierung an das Versprechen, Kinder nicht mehr zu benachteiligen und unter Corona leiden zu lassen. Und das nächste Desaster folgt jetzt: keine „Rückstellproben“ bei Lollitests in Grundschulen mehr. Frau Gebauer verhält sich, als ob wir nicht schon zwei Jahre Corona-Erfahrungen hätten, sondern als ob es Corona erst seit zwei Wochen gäbe. So wird die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes verspielt.Barbara Enke Köln

Schlechte Noten fürs Schulministerium

Ende Januar gab es für die Schüler in NRW Halbjahreszeugnisse. Nun, geben wir der Schule und der Schulpolitik doch auch einmal Halbjahreszeugnisse: Da wäre das NRW-Schulministerium, vertreten durch die Schulministerin. Das Corona-Chaos hat sich in den letzten sechs Monaten nicht verbessert, ein irgendwie erkennbarer Plan für Schulen, Schüler und Eltern ist für mich nicht erkennbar. Diese Leistung kann nur mit „nicht ausreichend“ bewertet werden.

Und die Digitalisierung an Schulen? Politik und Verwaltung reden ausführlich darüber, aber erkennbare Fortschritte gibt es nur wenige. Das ist allenfalls „ausreichend“. Die Kommunen, für die Ausstattung der Schulen verantwortlich, kommen da auch nicht besser weg. Es fehlt an Luftfiltern, die man übrigens in vielen Kneipen und Restaurant antrifft. Aber die Schüler dürfen bei offenem Fenster frieren. Diese Leistung ist ebenfalls eher „nicht ausreichend“.

Und die Lehrer? Nun, viele geben sich Mühe, die Lücken bei Schülern infolge von Corona-Lockdown, Homeschooling und individueller Quarantäne zu schließen. Aber insbesondere an Gymnasien sind die Lehrer von Hilfen für ihre Schüler doch eher meilenweit entfernt. Da wird auf den Lehrplan geschaut und – komme, was wolle – danach unterrichtet. Auch an dieser Stelle ist ein „ausreichend“ gerade so zu vergeben. Und die Gesamtbeurteilung? Schüler haben zu wenig Lobby, haben in der Politik noch nie Priorität gehabt und deshalb wächst die jetzige Schülergeneration mit Wissenslücken und auch Lücken in sozialen Bereichen auf.Hans Wilke Köln

Neuer Inhalt

Wegen fehlender Luftfilter in Klassenräumen müssen diese auch im Winter in kurzen, regelmäßigen Abständen gelüftet werden. Viele Schüler frieren.

Oh wie schön sind Pooltestungen!

Es ist kurz vor 23 Uhr. Es macht „pling“ und da kommt auch schon das Pooltest-Ergebnis unserer Tochter an. Zum Glück negativ! Zwei Häuser weiter, in der Parallelklasse, positiv. Was nun folgt, ist wahnwitzig. Während wir uns bisher an alles gehalten haben, was die Politik vorgibt, kann ich jetzt nur den Kopf schütteln.

Das positive Ergebnis bedeutet, dass besagte Parallelklasse vollständig zum Schnelltest am nächsten Tag in der Schule erscheinen muss. Zunächst also morgens alle in einen Bus, im Hinterkopf das positive Poolergebnis. Die Lehrerin führt dann die Schnelltests durch. Kind 1 erklärt, dass es das schon zu Hause gemacht hat, aber sein Vater das eh für Schwachsinn hält. Kind 2 meint stolz, das sein Bruder gestern positiv getestet wurde, es selber aber nicht. Kind 3 nimmt den Test schweigend hin, da es einfach nicht mehr die Kraft hat, etwas dazu zu sagen.

Kind 4 erscheint erst gar nicht, da haben die Eltern den Schnelltest zu Hause durchgeführt – Ergebnis unbekannt. Kind 5 war im Testzentrum, bevor es Frühstück gab und Kind 7 spielt mit dem Stäbchen Jedi-Ritter. Kind 8 weint, weil es Angst hat vor dem langen Stäbchen, sogar noch nach zwei Jahren. Kind 9 macht alles mit, aber so schnell, dass das Stäbchen kaum die Nase berührt, aber als getestet gilt, und so weiter.

Dann ist 8:40 Uhr, 15 Kinder inklusive Lehrerin sind bedient für den Tag. Zwei Kinder sind positiv und dürfen ins Sekretariat entschwinden, wo sie dann von den Eltern abgeholt werden. Die natürlich alle zu Hause nur darauf gewartet haben: Alles für Präsenzunterricht in vollen Klassen bei hoch schnellenden Infektionszahlen. Es könnte schöner nicht sein. Oh wie schön sind Pooltestungen!Maren Kuhlen Erftstadt