Leserbriefe zum Aus für russische Sportler„Nicht mehr als ein Achselzucken von Putin“

Die Organisatoren des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon haben entschieden, dass die Veranstaltung in diesem Jahr ohne Tennisprofis aus Russland und Belarus stattfindet.
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Ausschluss russischer Sportler trifft Putin nicht
Die sukzessive Verbannung aller Sportler aus Russland und Belarus war eine sehr unkluge, dem Weltsport nicht dienliche Maßnahme. Das hat Putin kaum getroffen, anders als es vielleicht vom Westen erwartet wurde. Schäbig war der Ausschluss der Behindertensportler bei den Paralympischen Winterspielen. Man fühlt sich an die Zeit des Kalten Krieges in den 50er Jahren erinnert. Sind die Sportler ob ihrer Haltung befragt worden? Und heißt es nicht „im Zweifel für den Angeklagten“? Der Unsinn geht weiter: Jetzt werden die russischen Formel-1-Fahrer und die Tennisspieler draußen gelassen, wäre ja sonst nicht konsequent. Die Kultur wurde bereits rausgeschmissen: Dirigent Valery Gergiev und Opernsängerin Anna Netrebko und wer weiß noch. Das Resultat: Ein Achselzucken von Putin. Geht's noch?Christian Kautz Pulheim
International tätige russische Sportler sollten Stellung beziehen
Über den Ausschluss russischer Sportler von Wimbledon oder anderen Wettbewerben kann man natürlich geteilter Meinung sein. Über die Haltung zu einem Krieg, den der russische Diktator anzettelt, gestützt auf absurde Theorien, und noch dazu seine verstörenden Allmachtsphantasien, die er mit unverhohlen sadistischer Genüsslichkeit öffentlich im russischen Fernsehen zur Schau trägt, kann es nur eine Meinung geben: Putin ist ein Kriegstreiber und muss den Krieg beenden.
Gerade die ausgeschlossenen Tennisspieler haben – anders als die in Russland lebenden Landsleute – unbegrenzten Zugang zu allen Medien. Weltweit! Wäre es nicht geradezu die Pflicht dieser privilegierten Weltreisenden, ihren Landsleuten mit einer eindeutigen Haltung zu Putin einen glaubwürdigen Kontrast zu der täglichen Propagandaschau zu eröffnen? Empfindet nicht jeder dieser Sportler Wut und Scham über Putins Krieg? Oder werden die Sportler in ihrer Tennis-Blase so abgekapselt, dass ihnen die Realität erspart bleibt?
Falls dem so wäre, haben sie jetzt einen Anlass, sich mit dem Krieg und seinen Folgen auch persönlich zu befassen. Vielleicht setzt spätestens dann ein Prozess ein, der zu einer klaren und öffentlich geäußerten Haltung gegenüber Putins Krieg führt und es bis in die Wahrnehmung der russischen Gesellschaft schafft. Das gilt in erster Linie für den russischen Branchenprimus Danil Medwedew, dessen Familie angeblich seit Jahren nicht mehr in Russland lebt und daher keine staatlichen Repressalien befürchten muss. Wenn er seine Popularität nutzen würde und sich öffentlich für Menschenrechte und gegen Putins Krieg ausspräche, hätte er sich nicht nur in sportlicher Hinsicht ein „Advantage Medwedew“ verdient. Frank Kraemer Brühl
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Sippenhaft lehne ich ab! Es ist wohl ein Unterschied, ob Sportler oder Mannschaften für ihre Nation im Rahmen von Spielen und Turnieren auftreten und dort ihr Land repräsentieren oder ob einzelne Sportler oder Künstler für sich agieren und ihrem Job nachgehen. Deren Gesinnung und persönliche Meinung ist zu respektieren und vor allem zu tolerieren. Sollten einzelne Spieler russischer Herkunft in Mannschaften wie dem FC Bayern oder Fortuna Köln „zwangspausieren“? Und wo waren derartige Kommentare bei deutlichen Völkerrechtsverstößen der USA?Michael Doepner Köln


