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Leserbriefe zum Laurenz-CarréDürfen Investoren sich alles erlauben?

4 min
Im Bildvordergrund sind die Tiefbau-Ausschachtungen für das Laurenz-Carré zu sehen, im Hintergrund die Türme von Historischem Rathaus und Groß St. Martin.

Blick auf die Baugrube des Laurenz-Carré im März 2023

Folgt die Stadt Köln dem Wunsch eines Investors und verzichtet auf den Bau von Wohnungen in Domnähe, verspielt sie ihre Glaubwürdigkeit.

Groß­pro­jekt am Dom ohne Woh­nun­gen – In­ves­tor will sich im Lau­renz-Carré nicht an Ver­ein­ba­rung hal­ten (7.6.)

Laurenz-Carré: Verträge sind einzuhalten

„Pacta sunt servanda“, Verträge sind einzuhalten – dieser römische Rechtsgrundsatz scheint in Köln, der Stadt mit profundem römischen Fundament, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dies sogar aktiv befördert durch die politische Spitze und Verwaltung der Stadt Köln selbst. Umso mehr kann man dem Bündnis Innenstadt nur Respekt zollen, dass es sich an Frau Reker und Baudezernent Greitemann gewandt hat, einem Nachgeben gegenüber der Gerchgroup Einhalt zu gebieten und einen Dammbruch zu vermeiden, der dazu führt, dass alles mit der Stadt Vereinbarte bei Unbelieben oder geringerer Rendite einfach so vom Tisch gewischt werden kann.

Zugleich degradiert sich die Stadtspitze damit selbst zu einem Marionettentheater, bei dem Investoren beliebig die Puppen tanzen oder fallenlassen können, der Steuerzahler aber nicht umhinkommt, die Verwaltung durch seine Abgaben und Steuern zu finanzieren, so unfähig und labil sie auch sein mag. Zugleich fällt dieser Vorgang in eine Zeit, in der in der Kölner Innenstadt ein massiver Zuwachs an Obdachlosen und zumeist auch drogenabhängigen Verwahrlosten nicht zu verbergen ist.

Die Stadtspitze degradiert sich damit selbst zu einem Marionettentheater, bei dem Investoren beliebig die Puppen tanzen oder fallenlassen können
Mario Rohner

Kurz gefasst wird die Stadtspitze somit in wohnungspolitischer, stadtplanerischer und stadtsoziologischer Sicht die Kölner Innenstadt in die Bedeutungslosigkeit führen, ähnlich wie sie die Franzosen zur Jahrhundertwende zum 18. Jahrhundert auch schon einmal angetroffen haben. Auch damals gab es (noch) keine Domspitzen. Aus dem Stadt-Logo hat die Stadtspitze die sinnfälligen Domspitzen dieser Tage ja auch schon verbannt und damit klargestellt: „Köln ist im positiven Sinne nicht (mehr) Spitze“. Insofern sollte das Bündnis Innenstadt auf den zweiten Blick doch keine Sorge um die Glaubwürdigkeit der Stadtspitze haben – das faktische Verhalten in sich folgt offenbar doch einer konsistenten Logik. Mario Rohner Köln

Laurenz-Carré: Glaubwürdigkeit der Stadt nicht erneut verspielen

Wenn man den Spielfilm „Der König von Köln“ aus dem Jahr 2019 sieht, der den Messehallen-Korruptionsskandal thematisiert, beschleicht einen das Gefühl, die Drehbuchschreiber hätten es an viel zu vielen Stellen übertrieben, was die Korruption in Köln betrifft. Informiert man sich dann über die tatsächlichen Hintergründe, kommt man zu dem schockierenden Urteil, dass noch deutlich untertrieben wurde.

Der soziale Wohnungsbau ist eines der drängenden Probleme unserer Zeit. Er schafft Politikverdrossenheit, wenn die Politik jede Glaubwürdigkeit verspielt. Wenn die politisch Verantwortlichen jetzt in der Causa „Laurenz-Carré“ einknicken, versündigt sich Köln wieder an seinen Bürgern, zugunsten der Gewinne von privaten Investoren. Zugleich liefert man wieder eine Vorlage für einen Spielfilm und füttert das Schmuddel-Image der Stadt, Stichwort kölscher Klüngel, das sich Köln traurigerweise über viele Jahrzehnte erarbeitet hat. Daher Dank an Herrn Gross für seine klaren Worte. Oscar Morris Köln

Stadt Köln muss klare Kante gegenüber Investoren zeigen

Irgendwie macht mich dieses Gezerre wütend. Erst wird das Grundstück jahrelang zwischen irgendwelchen ominösen „Investoren“ hin und her verkauft, selbstredend steigt jedes Mal der Preis, und dann lohnt es auf einmal nicht mehr, die Vereinbarungen einzuhalten. Die Stadt sollte, nein, muss auf Einhaltung bestehen. Sie ist dem „Investor“ schon viel zu weit entgegengekommen. Die Stadt muss klare Kante zeigen. Das Laurenz-Carré ist ja nicht das einzige Projekt, wo es schiefläuft. Im Mülheimer Hafen brüstet sich der Immobilienentwickler WvM, freiwillig zehn Prozent der Wohnungen sozial gefördert herzustellen. Zehn Prozent, wo es doch 30 Prozent hätten sein sollen! Thomas Talke Köln

Bauvorhaben Innenstadt: „Köln bleibt sich treu“

Köln bleibt sich treu und dadurch absolut verlässlich. Man kann als Investor machen, was man will, auch gegen Absprachen. Hauptsache, man hat die richtigen Verbindungen oder Druckmittel, dann knickt die Stadt ein.Gerhard Standop Köln

Laurenz-Carré: „Stadt muss mit harten Bandagen verhandeln“

Der Berichterstattung im „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der dankenswerterweise glasklaren Stellungnahme des Aktionsbündnisses für die Kölner Innenstadt ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Das Verhalten der Gerchgroup ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten und kann nur als Erpressungsversuch gegenüber der Stadt Köln und ihren Bürgern gewertet werden. Die bekanntermaßen erschwerten Rahmenbedingungen für Immobilieninvestoren rechtfertigen in keiner Weise den Verzicht auf den zugesagten Wohnraum.

Wir können nur hoffen, dass das Finanzierungskonzept von Gerch nicht an einem solchen Detail hängt, ansonsten wäre auch bei einem Entgegenkommen der Stadt zu befürchten, dass das gesamte Projekt irgendwann trotzdem noch in die Knie gehen wird. Wahrscheinlicher ist, dass Gerch einfach nur mit harten Bandagen verhandelt. Genau das muss das jetzt auch die Gegenseite, also die Stadt Köln, tun. Michael Fickus Köln

Laurenz-Carré: Kein Verzicht auf Wohnungen

Mit Verwunderung habe ich gelesen, dass die vereinbarten Wohnungen im Laurenz-Carré, davon 19 mit Sozialbindung, nicht gebaut werden und dies auf Zustimmung von Herrn Greiteman und großen Teilen des Stadtrates stößt. Hoffentlich erinnert sich noch jemand der handelnden Personen daran, dass als Gegenleistung zur Wohnbebauung die Gerch-Gruppe für ein anderes, wesentlich mehr Wohnungen umfassendes Projekt, von der Sozialbindung für mehr als 100 Wohnungen befreit wurde. Wenn Gerch seine Verträge nicht einhält, warum sollte die Stadt das dann tun? Das nicht zu widerrufen wäre ein Bärendienst an der Stadtgesellschaft. Klaus Mager Köln