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Leserbriefe zur Armbinden-Affäre Enttäuschung über Einknicken des DFB

Eine Armbinde, die ein Herz und die Aufschrift „One Love“ trägt, steht auf einer Oberfläche. Das Herz ist mit bunten Streifen sowie der Zahl 1 gefüllt. Die Farben symbolisieren die Vielfalt unterschiedlicher Lebensentwürfe.

Die Fifa hat das Tragen der „One Love“-Armbinde bei der WM in Katar untersagt.

Auf die Ankündigung des DFB, die „One Love“-Armbinde während des WM-Turniers nicht zu tragen, reagieren Leser mit Unverständnis und Enttäuschung. Allerdings gibt es auch Befürworter der Einhaltung der Fifa-Statuten.

Fifa sorgt für WM-Eklat (22.11.)

DFB mangelt es an Widerstandskraft

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass Manuel Neuer die Kapitänsbinde „One Love“ nicht tragen darf, sondern dass der DFB vor der Fifa und vor den eigenen Wertmaßstäben eingeknickt ist und damit der Diktatur des Geldes gefolgt ist. Warum haben sich die europäischen Verbände nicht zusammengetan und entschieden: Wenn wir diese lange angekündigte Kapitänsbinde nicht tragen dürfen, werden wir das Turnier verlassen – und alle wären abgereist?

Ich hätte gern den Aufschrei der Sponsoren gehört und die Stellungnahme der Fifa. Als DFB hätte ich auch angekündigt, einen neuen Weltfußballverband zu gründen, als Gegenentwurf zur Fifa. Aber leider haben unsere Vertreter des DFB nicht das Durchhaltevermögen und die Widerstandskraft dafür. Bedauerlicherweise wird allen vorgeführt, dass die Europäer der Macht des Geldes nicht widerstehen können und damit alle wohl gemeinten Äußerungen verraten. Pfui Teufel.
Michael Esch Köln

Politische Slogans verletzen Fifa-Regeln

Das Presseecho auf das Fifa-Verbot der „One Love“-Binde halte ich für unverhältnismäßig vor dem Hintergrund der wirklichen Probleme unserer Zeit wie etwa den russischen Gräueltaten in der Ukraine. Die sofortige Beendigung der Marketing-Aktivitäten von Rewe mit dem DFB halte ich erst recht für falsch. Es geht vorliegend um eine allgemeine Freiheitsbotschaft, die nach meiner Meinung eine Verletzung von sinnvollen Fifa-Regeln nicht rechtfertigt. Artikel 4, Ziffer 5 der Fifa „Laws of the Game“ regelt, dass die Trikots der Spieler keine politischen, religiösen oder persönliche Slogans aufweisen dürfen.

Werbebotschaften sind von diesem Verbot natürlich ausgenommen. Insofern dürfte es unstreitig sein, dass die „One Love“-Binde unzulässig ist. Da mag die Binde noch so sehr im Einklang mit Artikel 3 der Fifa-Statuten stehen, der jede Diskriminierung verbietet. Die Fifa tut gut daran, jede Form von Botschaften auf Trikots zu unterbinden. Mit gleicher moralischer Rechtfertigung könnte gegen die Todesstrafe oder für den Erhalt jeder Form des (ungeborenen) Lebens in Übereinstimmung mit unserem Grundgesetz geworben werden. Unendlicher Streit und staatliche Eingriffe wären zu befürchten.

Ein Verstoß des deutschen Kapitäns gegen die Fifa-Regeln hilft niemanden. Im Gegenteil, dem DFB würde entgegengehalten, das moralische Recht verwirkt zu haben, andere zu kritisieren, wenn er selbst die Regeln gebrochen hat. Das Problem der Fifa sind nicht ihre Statuten, sondern die gelebte Korruption. Der neue DFB-Präsident Neuendorf kämpft so offensiv wie keiner seiner Vorgänger gegen diese Korruption an. Hierbei sollte er von seinen Sponsoren unterstützt werden.
Dr. Alfred Kossmann Köln

Schande für den DFB und die deutschen WM-Spieler

Welch eine Schande für den DFB und die deutschen WM-Spieler! Da wird am Tage vorher noch groß getönt, man wolle mit der Kapitänsbinde seine Unterstützung für die Menschenrechte zeigen – und nach der Drohung der Fifa knickt der DFB einfach so ein. Da kann man sich schon fragen, wie wichtig dem DFB das Postulat der Menschenrechte ist?

Der DFB hat sich jedenfalls geoutet. Er ist ein scheinheiliger Verband, dessen Worte und Versicherungen keiner mehr ernst nehmen muss. Da hat sogar der dubiose Fifa-Boss Infantino recht, wenn er eine Doppelmoral bei Spielern und einzelnen nationalen Fußballverbänden feststellt.

Wie mutig war dagegen der stumme Protest der iranischen Nationalmannschaft zum Beginn des Spiels gegen England! Vorbildlich. Unseren Spielern und dem DFB kann man jedenfalls Feigheit vor der eigenen Courage vorwerfen. Übrigens ein weiterer Grund, sich auch kein Fußballspiel mit deutscher Beteiligung im TV anzuschauen.
Manfred Höffken Köln

Auf großspurige Ankündigung des DFB folgt kleinlauter Rückzieher

Man hätte ahnen können, dass die „Bindengeschichte“ wie das Schießen im Walde ausgeht. Schon vor zwei Jahren während der EM 2020 gab der DFB gegen die Uefa klein bei und sagte die Illumination des Münchner Stadions ab. Auch diesmal folgen auf großspurige Ankündigungen nur kleinlaute Rückzieher. Das ist erbärmlich.

Die nationalen Verbände hätten sicher leicht den Spieß umdrehen und mit einem kollektiven Rückzug der Mannschaften drohen können. Das wäre ein Zeichen gewesen. Erfreulich, dass Rewe daraus die einzig richtige Konsequenz gezogen hat. Das würde auch den anderen Sponsoren gut zu Gesicht stehen.
Thomas Talke Köln

Zweifel an Aussagekraft der „One Love“-Binde

Ich war ganz erstaunt, über die von der Fifa vorgesehene Kapitänsbinde mit dem Slogan „No Discrimination“ zu lesen. Meines Erachtens drückt diese umfassender die Absage an jegliche Art von Diskriminierung aus. Was heißt denn „One Love“? Niemand wird alle Menschen lieben, aber jeder Mensch sollte alle anderen Menschen respektieren. Wenn das erreicht werden könnte, sähe unsere Welt anders und besser aus.

Leider wurde die Berichterstattung über Katar, die WM und Menschenrechtsverletzungen sehr stark auf homophobe Aspekte verkürzt und andere Diskriminierungen, etwa gegen Frauen, andere Religionen, Arbeitsmigranten und Rassismus wurden entweder gar nicht oder nur am Rande benannt, obwohl diese sicherlich mehr Menschen betreffen.

Mich stören die Kommentare all der Menschen, die sicher in ihren Positionen sitzen und sich nun über die „eingeknickten“ Fußballspieler empören. Über deren weitere Karriere als Profisportler entscheidet womöglich auch ihr spielerischer Beitrag in dieser schon 2010 falsch geplanten Weltmeisterschaft.
Veronika Grünewald Köln

Der dänische Fußballspieler Christian Eriksen trägt am linken Oberarm eine gelbe Binde, auf der in schwarzer Schrift „No Discrimination“ sowie ein schwarz umrissenes Herz abgebildet ist.

Von der Fifa freigegeben ist die „No Discrimination“-Binde, hier am Arm des dänischen Kapitäns Christian Eriksen.

Armseliger Rückzieher des DFB

Im Iran protestieren die Menschen seit zwei Monaten trotz der Gefahr, erschossen, verhaftet und vielleicht zum Tode verurteilt zu werden. Und der DFB macht einen Rückzieher bei einer kleinen bunten Armbinde. Wie armselig!
Harald Ennenbach Köln

Fehlende Einigkeit der europäischen Fußballverbände

Der Macht der Fifa kann nicht ein einzelner Verband etwas entgegensetzen, es müssen schon andere Mächte sein. Von den Sponsoren, der „Macht des Geldes“, ist es nicht zu erwarten. Also könnte es nur die Macht der westlichen „Fußballverbände“, insbesondere der Uefa, sein. Da die meisten Fußballverbände der Welt auch vom Geld der Fifa abhängen, kann auch hier keine Geschlossenheit erwartet werden.

So bleiben nur die europäischen Verbände, von denen ohnehin einige die „One Love“-Binde tragen wollten. Hätten diese dem „allmächtigen“ Herrn Infantino gedroht, sich beim Verbot diese Binde zu tragen, vom WM-Turnier zurückzuziehen, hätte dies schon ein anderes Gewicht gehabt. Ob es unter diesen Verbänden Einigkeit gegeben hätte, wurde nicht geprüft oder nicht kommuniziert.

Ob die Fifa darüber hinaus das Recht besitzt, in das Regelwerk für Schiedsrichter einzugreifen, die nur aktuell Spiel bezogene Entscheidungen – wie die Gelbe Karte – zu treffen haben, bleibt unklar. Ebenso offen bleibt die Frage, ob der internationale Schiedsrichter-Verband beteiligt war und zugestimmt hat.
Heinz Mechling Köln

Nationalmannschaft hat sich vorführen lassen

Vielen Dank an Frank Nägele für seine scharfe Analyse der Schäbigkeit im professionellen Fußball-(Miss-)Management. Was mir aber nicht in den Kopf will: Warum sagen nicht die großen Fußballnationen einfach ab, wenn die Fifa sich als Gott aufspielt? Warum sich unterdrücken lassen?

Jede WM würde zur Farce, wenn sich die erfolgreichsten Teams verabschieden. Warum tun sie es nicht? Könnten ja Weltmeister werden. Ist diese vage Hoffnung genug, sich derart vorführen zu lassen? Besonders von Leuten, die mit Fußball absolut nichts im Sinn haben. Peter Butzbach Köln

Couragiertes, solidarisches Handeln durchaus zumutbar

Die Gelbe Karte und ein Punktabzug sind unseren millionenschweren Fußballern selbstverständlich nicht zuzumuten. Welch ein Zeichen würde es setzen, wenn sich alle Mannschaften aus den demokratischen Ländern der Welt gemeinsam dem Druck der Fifa widersetzten und die verbotene Armbinde jetzt erst recht tragen würden.

Welch ein Zeichen gegen Putin, gegen die Mullahs im Iran, gegen die Taliban in Afghanistan, gegen die Scheichs in den arabischen Ländern, gegen alle, die in ihren Ländern Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft und ihrer Religion unterdrücken. Und welch ein Zeichen an die Fifa wäre das gewesen!

Im Gegensatz zum DFB-Präsidenten bin ich der Meinung, dass den Mannschaftskapitänen und jedem einzelnen Spieler hier durchaus eigenverantwortliches, couragiertes und solidarisches Verhalten zuzumuten ist, ja im Grunde abverlangt werden kann angesichts der im Vergleich zu den mutigen iranischen Spielern lächerlich geringen persönlichen Konsequenzen.

Von Menschen, die durch ihr Jahreseinkommen von mehreren Millionen finanziell bis ans Lebensende abgesichert sind, die keine Angst vor Unterdrückung, Folter oder gar Tod haben müssen, kann doch erwartet werden, aufrechten Ganges und erhobenen Hauptes Haltung zu zeigen und für nichts Geringeres als Menschenrechte einzutreten. Es ist eine Schande!
Erika Sander-Kaftan Köln

Fifa-Regeln sind einzuhalten

Wieso jetzt der Aufschrei bezüglich der Armbinde? Wie im „Kölner Stadt-Anzeiger“ beschrieben, bestimmt die Fifa durch Regeln, die alle anerkannt haben, die Kleidung, einschließlich Armbinde. Regeln sind einzuhalten.
Wolfgang Schulte Köln

DFB kapituliert ohne Gegenwehr

Bei der Nachricht, dass die Nationalspieler verschiedener Länder nach der Androhung von Sanktionen durch die Fifa nun auf das Tragen der „One Love“-Binde verzichten wollen, war meine spontane Idee: Alle elf Spieler der Mannschaft hätten mit der Binde auflaufen sollen. Dann kann die Fifa Gelbe Karten verteilen. Wenn nach einer Weile viele Spieler nicht eingesetzt werden können, bricht das ganze System zusammen. Das will die Fifa auf keinen Fall, also müsste sie von der Sanktionsidee Abstand nehmen. Aber so leicht ohne jede Gegenwehr zu kapitulieren, empfinde ich als extrem rückgratlos.
Anne Herrmann Köln

Menschenrechte von der Fifa umgangen

Was waren das für Zeiten! Als kleine Jungs sind wir bei Preußen Dellbrück unterm Zaun hergekrochen, um das Spiel zu sehen. Heute wird alles angeordnet oder verboten, ganz wie es der korrupten Fifa passt. Es ist eine Schande, wie Menschenrechte, die in den Fifa-Statuten stehen, umgangen werden. Aber Geld stinkt nicht, insbesondere im Profifußball. Pfui Teufel!
Roland Kierspel Köln

Spieler-Courage würde wertgeschätzt

Ich bin begeisterter Fußballfan. Aber diese offenbar diskriminierende, demokratiefeindliche und abstoßende Organisation, die den Weltfußball lenkt, verdirbt meiner Familie und mir die Freude an der WM. Es ist die erste, bei der ich noch nicht mal das Eröffnungsspiel anschauen wollte, und ich zweifle daran, dass ich mir die deutschen Spiele anschaue.

Würde ich gerne tun, wenn Manuel Neuer die Binde anzöge. Würde er deshalb vom Platz fliegen, wäre er für mich menschlich der Superstar, der er sportlich längst ist. Und würde unser Team sogar disqualifiziert oder Punktabzug bekommen, weil es für Menschenrechte, Gleichberechtigung und das Recht auf freie Wahl der sexuellen Orientierung eintritt, wäre das für mich und für Millionen andere, und zwar weltweit, mehr wert als jeder Weltmeistertitel.
Martin Paul Köln

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf unterhalten sich im Stadion in Katar. Frau Faeser trägt ein ärmelloses weißes Shirt und an ihrem Oberarm eine Armbinde mit der Aufschrift „One Love“.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan. Die Ministerin trägt die „One Love“-Armbinde.

Wankelmut des DFB erschüttert

Ich bin zutiefst erschüttert über den Wankelmut des DFB. Großmäulig verkündete der neue Präsident Bernd Neuendorf noch wenige Stunden vorher, dass man eine Strafe gern in Kauf nehmen wird – und dann dieses Einknicken innerhalb weniger Stunden. Was wäre denn passiert, wenn Manuel Neuer und andere Kapitäne die „One Love“-Binde getragen hätten?

Wie hätte die Fifa entschieden, wenn sich so große Fußball-Nationen wie England mit weltweit Millionen Fußballfans oder Deutschland mit dem weltweit größten Fußballverband und anderer WM-Teilnehmer gegen das Ansinnen der von Katar mit Geld überschütteten Fifa mit seinem Präsidenten Infantino taub gestellt hätten? Alle Genannten sollten sich ein Beispiel an den Spielern des Iran nehmen, die trotz möglicher Repressalien bei ihrer Rückkehr in den Iran gegen die Verhaftungen und Tötungen im eigenen Land beim Absingen der Nationalhymne des Iran aus Protest geschwiegen haben.

Ich kann nur hoffen, dass neben Rewe auch andere deutsche Großkonzerne ihr Sponsoring für die Fifa sofort zurücknehmen. Es lebe der Fußball – aber bitte nicht mit diesem Fifa-Gremium und einem Präsidenten, der in seinem Größenwahn jegliche Form von Grundrechten, Menschlichkeit und „One Love“ vermissen lässt. Auch unserer Innenministerin Frau Faeser hätte ich empfohlen, das Spiel Deutschland gegen Japan zu boykottieren. Nunmehr macht die Dame vielleicht ungewollt beste Werbung für die Fifa und WM-Ausrichter Katar.
Alfred Geldmacher Leverkusen

Beispiel an der iranischen National-Mannschaft nehmen

Selbst diese lächerliche und hässliche Binde lässt DFB und Fifa freiwillig den Kotau vor Katar und dem Mammon machen. Wie reagieren die Spieler der Nationalmannschaft? Wenn diese sich wirklich als Repräsentanten unseres Landes verstehen, hätten sie geschlossen diesem „Ansinnen“, das eigentlich eine Erpressung ist, widersprechen müssen. Beziehungsweise die Nationalmannschaft. Aber tut sie das? Nein. So weit ist es also nicht mit oben genanntem Selbstverständnis.

Sie sollten sich ein Beispiel an der iranischen Mannschaft nehmen. Die nehmen Stellung und sie haben im Gegensatz zu den Spielern der Nationalmannschaft ein bisschen mehr zu verlieren als Geld oder Punkte. Aber vielleicht ist das verdruckste Verhalten einfach damit zu erklären, dass die Spieler dieser Zeit auch nicht mehr als Arbeitssklaven sind, wenn auch deutlich besser bezahlte. Ich glaube, es ist Zeit, DFB und Fifa den Rücken zu kehren und neue Verbände zu gründen. Wir könnten mit einem neuen deutschen Fußballverband anfangen.
Detlef Hanz Troisdorf