LeserbriefeKeine Ausnahmeregelungen für Sportler

Lachend sitzt der serbische Tennisspieler Novak Djokovic am 13. 1. 2022 am Rand eines Tennisplatzes in Melbourne. Er bereitet sich dort auf die Australien Open vor.
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Djokovich: Bestimmungen eines souveränen Staates ignoriert
Wie politisch der Sport tatsächlich ist und wie er im vorliegenden Fall sogar Staatsaffären auslösen kann, zeigt das unverschämte Auftreten eines esoterisch gesteuerten Egomanen in Australien. Da ignoriert der „Freiheitskämpfer Nole“ die Einreisebestimmungen eines souveränen Staates. Gefangen in dümmlichem Größenwahn, erdreistet sich sogar der Vater des Tennisspielers, von der Kreuzigung seines Sohnes zu schwadronieren.
Gerade die australische Bevölkerung leidet immer noch extrem unter der Pandemie, steht Impfverweigerern somit besonders skeptisch gegenüber und hat daher diese verbalen Attacken aus Serbien nicht verdient.
Ich hoffe, dass Novak Djokovic eine Turnier-Teilnahme verweigert wird, da er sich, diesem großartigen Sport und allen Beteiligten keinen Gefallen getan hat.
Eine historische Entscheidung aber ist bereits jetzt schon gefallen: Als Vorbild und größter Tennisspieler aller Zeiten ist er kläglich gescheitert – auch wenn er noch einige Grand-Slam-Titel gewinnen sollte.Rainer Freudenhammer Sankt Augustin
Djokovic: Auch ein Profisportler steht nicht über dem Gesetz
Es ist unglaublich, wenn Djokovic und seine Familie vom größten Sieg in seiner Karriere – „größer als alle seine Grand Slams“ – reden. Auch ein Profisportler hat sich an die gesetzlichen Regeln des Gastlandes zu halten. Djokovic steht nicht über dem Gesetz; auch er ist nicht sakrosankt. Wenn er aber die bestehenden australischen Einreiseregeln erfüllen sollte, dann bestehen natürlich auch keine Bedenken gegen eine Einreise.

Alex Hawke, Einwanderungsminister von Australien. Hawkes Büro wird die Entscheidung prüfen, dem serbischen Tennisstar Djokovic, der bei den Australian Open spielen will, ein Visum zu erteilen und ihn aus medizinischen Gründen von der Vorschrift zu befreien, dass alle Reisenden, die in Australien ankommen, vollständig gegen Corona geimpft sein müssen.
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Es bleibt aber das gute Recht eines Einreiselandes, dies in Frage zu stellen und gerichtlich prüfen zu lassen. Die bisher bekanntgewordenen Begleitumstände weisen jedoch darauf hin, dass hier etwas nicht stimmen kann. Wenn sich letztlich Konsequenzen ergeben sollten, dann greifen diese eben auch bei einem Profisportler. Die martialischen Äußerungen insbesondere serbischer Personen waren und sind daher vollkommen unangemessen.Paul Schnackerz Frechen
Djokovic: Durch Visa-Eskapaden kamen menschenunwürdige Zustände ans Licht
Die Posse um den Tennis-Topspieler Djokovic könnte man als klassisches Infotainment bezeichnen, wäre da nicht die Sache mit den Zuständen in dem Abschiebehotel für Asylsuchende, in dem die australischen Behörden Djokovic vorübergehend festhielten. Es hätte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gut angestanden, in diesem Zusammenhang auf ein wirklich ernstes Thema hinzuweisen. Nämlich auf die skandalöse Einwanderungspolitik eines Landes, das sich als westliche Demokratie versteht.
Just in dem Hotel, in dem Djokovic wenige Tage festsaß, leben Asyl suchende Menschen zum Teil seit vielen Jahren unter menschenunwürdigen Bedingungen. Humanitäre Organisationen sind dem Tennisprofi deshalb dankbar, aber nur aus einem Grund: durch seine „Visa-Eskapaden“ und dümmlich-arrogantes Verhalten gelangen diese Zustände endlich ans Licht einer breiteren Öffentlichkeit.
Der Impfverweigerer Djokovic bleibt indes, was er ist: ein Topspieler der Extraklasse zwar, vor allem aber ein „Pandemiegefährder“, der nur wenig Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt. Zeigt ihm die rote Karte!Peter Lessmann-Kieseyer Köln

Der Serbische Tennisprofi Novak Djokovic wischt sich beim Training den Schweiß von der Schläfe. als er am 12. Januar 2022 für die Australian Open in Melbourne trainiert.
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Djokovich: Ball übers Netz spielen ist nicht systemrelevant
Herr Djokovic ist ein hervorragender Tennisspieler. Dennoch muss man die Rolle, die er selbst spielt, sehr kritisch hinterfragen. Offen bleibt etwa, wieso und durch wen Herr Djokovic ein Visum erhalten hat. Was hat er bei der Einreise erwartet? Ein problemloses „Durchwinken“ der australischen Grenzschützer?
Letztendlich bestimmt jeder Staat für sich nach Recht und Gesetz, ob er eine Einreise gestattet. Offensichtlich kann Herr Djokovic keinen glaubhaften Beleg vorweisen, warum er aus medizinischen Gründen nicht geimpft ist. Dieser Nachweis dürfte ihm auch schwerlich gelingen, wenn man weiß, welch grundsätzlich kritische Einstellung er „zur Wissenschaft, zu Corona-Impfungen und zur Pandemie“ (siehe: Kommentar zu Novak Djokovic: Rasanter Aufstieg zu Australiens Staatsfeind) hat.
Außerdem ist zu berücksichtigen: Herr Djokovic ist nicht systemrelevant. Er spielt – ohne despektierlich zu sein – lediglich einen Tennisball über ein Netz. Unverständlich ist für mich, dass Anhänger des Tennisspielers in Melbourne und sogar der serbische Präsident Vucic die nationalitische Karte ziehen und sogar von Misshandlung Djokovics die Rede ist.
Nein! Das ist keine Misshandlung, sondern Gleichbehandlung und Gleichberechtigung gegenüber dem australischen Volk. Hier ist wieder ein Beispiel, dass jemand glaubt, gleicher als andere zu sein. Gut, dass Australien die ganze Angelegenheit gesetzeskonform, und nur gesetzeskonform betrachtet.Michael Bürger Ruppichteroth

