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Hochhaus in MeckenheimImmer noch kein Strom – Was die Hausverwaltung dazu sagt

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An dem Hochhauskomplex Adendorfer Straße gibt es schon seit Längerem strukturelle Probleme.

An dem Hochhauskomplex Adendorfer Straße gibt es schon seit Längerem strukturelle Probleme.

Der Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr spricht von einer „Katastrophe“.

Nach wie vor haben die Mieterinnen und Mieter des Hochhauses an der Adendorfer Straße 6 b in Meckenheim keinen Strom. Der Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr spricht von einer „Katastrophe“ – und will klagen, sobald die Betroffenen zustimmen.

Seyhmus Celik verbringt viel Zeit in der Unibibliothek. Dort kann er besser lernen als zu Hause, wo seit einem Monat der Strom abgeschaltet ist. Grund ist ein Wasserschaden. Wegen eines Lochs im Dach ist Regen durch die Leitungen, die Decken, die Wände geflossen. Am Freitag, 18. September seien Handwerker dagewesen, die das Dach wieder nur provisorisch abgedeckt hätten, berichtet Celik. „Ich bin mit einem ins Gespräch gekommen, sie sagten, sie würden für ihre Arbeit nicht bezahlt“, sagt er. Die betroffenen Wohnungen im Block 6 b seien nach wie vor feucht, Schimmel breite sich aus. „Meine Familie kriegt schlechter Luft, wir haben Angst, Asthma zu bekommen.“

Fenster sind undicht und die Aufzüge seit Monaten kaputt

Eigentümerin dieses sowie weiterer Hochhäuser in der Adendorfer Straße ist die Benner Kleiderman Grundbesitz GmbH & Co. KG, wie das Amtsgericht Rheinbach mit einem Grundbuchauszug am Montag (22. September) der Redaktion bestätigte. Sie gehört zur Benner Holding-Gruppe mit Sitz in Wiesbaden. Die Benner Kleiderman Grundbesitz hält Wohnungshäuser in verschiedenen deutschen Städten. Auch in Kassel häuften sich Medienberichte, wonach das Unternehmen Wohnungen vernachlässigt haben soll und Mieterinnen und Mieter protestierten.

Kolja Flenz vom Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr kennt die Situation an der Adendorfer Straße seit Langem. Er vertritt nach eigenen Angaben 16 Mietparteien aus dem Hochhauskomplex. „Es ist eine Katastrophe – dass die Fenster undicht sind oder raus fallen, ist der Eigentümergesellschaft seit drei Jahren bekannt. Auch die Aufzüge sind seit Monaten kaputt. Geschehen ist nichts“, sagt er. Auch für den Mieterbund sei die Benner Kleiderman Grundbesitz kaum erreichbar. „Wenn sie denn mal antworten, steht da: Der Fall ist uns bekannt, wir arbeiten daran.“

Das Hochhaus Adendorfer Straße 6 ist das Zuhause von Sehymus Celik (r.) und Justin Walter. Nur wohl fühlen sie sich dort nicht mehr.

Das Hochhaus Adendorfer Straße 6 ist das Zuhause von Sehymus Celik (r.) und Justin Walter. Nur wohl fühlen sie sich dort nicht mehr.

Nun sind der Stromausfall und die Schimmelbildung hinzu gekommen. „Das ist eine Zumutung. Ein Elektriker war vor Ort gewesen und sagte, die Stromleitungen seien zu nass, um sie sicher wieder in Betrieb nehmen zu können.“ Die Menschen nutzen Taschenlampen, Kerzen und Campingkocher in ihren Wohnungen. „Die sind eigentlich nicht für Innenräume zugelassen, die Brandgefahr ist extrem hoch. Dasselbe gilt für die Kabeltrommeln, die die Leute zu den Nachbarn legen: Es kann zu einem Feuer kommen, wenn da zu viele Geräte gleichzeitig dran hängen“, warnt Flenz.

Diese Schäden zu beheben, liegt  in der Verantwortung des Vermieters, so der Mieterbund

Durch die Schimmelbelastung steige die Gesundheitsgefahr: „Wegen der Feuchtigkeit herrscht in den Räumen ein Geruch wie im Keller, es riecht modrig. Die Schimmelsporen befinden sich in der Luft und können chronische Atemwegserkrankungen auslösen. Das ist in keinster Weise ein Lebensstandard, den man als Mieter erwarten kann“, unterstreicht er. Diese Schäden zu beheben liege ausdrücklich in der Verantwortung des Vermieters. „Es sei denn, er kann nachweisen, dass die Mieter den Schimmelbefall verursacht haben. Es ist aber äußerst unwahrscheinlich, dass eine ganze Hausgemeinschaft falsch gelüftet hat“, so Flenz.

Der Mieterbund habe Benner Kleiderman Grundbesitz schriftlich aufgefordert, die Schäden zu beheben. Auch Mietminderungen habe er durchgesetzt. „Das hilft den Leuten leider nicht viel, weil ihre Miete direkt ans Sozialamt geht. Und wenn der Vermieter die Mietminderung nicht akzeptiert, versucht er, einen Mietrückstand durchzusetzen. Viele trauen sich diesen Schritt deswegen nicht, weil sie Angst haben, in der Obdachlosigkeit zu landen.“

Bisher habe sich noch kein Klient oder Klientin zu einer Mangelbeseitigungsklage entschieden. „Es dürfte aber nicht mehr lange dauern und dann bringen wir das vor Gericht“, sagt Flenz. Besonders dreist finde er, dass kürzlich sogar die Miete erhöht worden sei. „Mietparteien müssen dem zustimmen. Zwei haben das nicht getan.“ Dagegen klage die Benner Kleiderman Grundbesitz GmbH & Co KG, vertreten durch die Benner Kleiderman Verwaltungs GmbH, seit Ende August. Eine Kopie der Klage liegt der Redaktion vor.

Sprecherin der Hausverwaltung bestreitet, dass das Hochhaus der Benner Kleiderman Grundbesitz gehöre

Auf die Fragen der Redaktion antwortete eine Mitarbeiterin des Haga Facility Management aus Meckenheim als offenbar beauftragte Hausverwaltung von ihrem privaten E-Mail-Account. Nach ihren Aussagen verwaltet das Haga Facility Management die Wohnblöcke schon seit vielen Jahren, wohingegen die Eigentümer öfters gewechselt hätten.

Die Mitarbeiterin bestreitet, dass das Hochhaus der Benner Kleiderman Grundbesitz gehöre, es sei stattdessen Eigentum einer privaten Person, dessen Name sie nicht nennen dürfe. Die Verantwortung für die Verzögerung der Reparaturen schiebt sie der Versicherung Signal Iduna zu. „Wir haben nach dem Wasserschaden, der am Dach eingetreten ist, am Folgetag die Meldung bei der Signal Iduna vorgenommen. Uns wurde die Schadensnummer mitgeteilt und eine Angabe, welche Handwerksfirma die Schadensbehebung vornimmt.“

Bei Großschäden über einer Summe von 15.000 Euro entscheide die Versicherung alleine, welche Fachfirmen sie beauftrage, da die Versicherung Rahmenverträge mit Handwerksbetrieben habe. Der Mieterbund bestätigte, dass solche Zuständigkeiten grundsätzlich möglich seien. Die Signal Iduna hatte auf Anfrage am Freitag (25. September) mitgeteilt, dass sie die Objektadresse auch nach intensiver Recherche nicht im Bestand finden könne.

Was den Stromausfall betrifft, so will Haga Facility Management über den Allgemeinverteiler im Nachbarhaus als auch bei Nachbarn Strom für alle betroffenen Wohnungen besorgt haben, Starkstrom für die Küche und Warmwasser sei allerdings nicht möglich. „Wir haben dafür gesorgt, dass alle Kosten hierzu erstattet werden. Eine anteilige, berechtigte und verhältnismäßige Mietminderung steht einem Mieter grundsätzlich zu“, teilt die Sprecherin der Hausverwaltung mit.

Die kaputten Fenster würden 2028 saniert, bei 20 Wohnungen sei das bereits geschehen. Wieso die Schäden nicht bereits früher repariert wurden, erläutert sie nicht. Die Ausfälle der Aufzüge, die teilweise seit 2024 nicht mehr funktionieren, erklärt sie mit deren Alter, die Aufzugfirma habe Platinen und Ersatzteile bestellt. „Wir haben das gleiche Interesse, die Schäden im Haus so schnell wie möglich zu lösen. Nur sind wir hier abhängig von der Versicherung und den beauftragten Handwerkern der Versicherung“, bekräftigt die Sprecherin.