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Der rote CowboyDas widersprüchliche Leben des DDR-Idols Dean Reed

4 min
Dean Reed

Der US-amerikanische Sänger und Schauspieler Dean Reed lebte bis 1986 in der DDR.

Als US-Idol wurde Dean Reed zum Aushängeschild der DDR. Sein Tod vor fast 40 Jahren gibt bis heute Rätsel auf.

Als US-Idol wurde er zum Aushängeschild der DDR. Sein Tod vor 40 Jahren ist jedoch von Mysterien umgeben. Die wahre Geschichte des Dean Reed.

Mit seiner großen, sportlichen und charismatischen Ausstrahlung hätte er auch als Marlboro-Mann erfolgreich sein können. Stattdessen wandte sich Dean Reed von den USA ab und stieg in der DDR zur Ikone auf. Auch 40 Jahre nach seinem Ableben am 13. Juni 1986 gilt der „rote Elvis“ als eine der ambivalentesten Persönlichkeiten des Kalten Krieges. Seine vermutete Selbsttötung ist bis heute von der Spekulation umgeben, er sei von der Stasi getötet worden.

Der Historiker mit Schwerpunkt DDR-Geschichte, Stefan Wolle, erachtet dies allerdings als nicht plausibel. „Das traue ich der Stasi nicht zu. Das ist einfach nicht der Stil gewesen“, so die Einschätzung des wissenschaftlichen Beraters vom DDR-Museum gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Begleitumstände seines Ablebens sind trotzdem eine politische Angelegenheit geblieben.

Politisches Engagement und die Übersiedlung in die DDR

Im Jahr 1938 in Denver, Colorado, geboren, erlangte Reed anfangs als Rock’n’Roll-Musiker in Lateinamerika Bekanntheit. Während der 1960er und 70er Jahre trat er verstärkt politisch in Erscheinung, indem er gegen den Vietnamkrieg sowie die Politik der USA protestierte. Sein Wirkungskreis umfasste linke internationale Persönlichkeiten, darunter der chilenische Präsident Salvador Allende und der Palästinenserführer Jassir Arafat.

Zu Beginn der 70er Jahre begann für ihn schließlich eine neue Lebensphase. Er ehelichte die Leipziger Lehrerin Wiebke Dorndeck, nachdem er sie 1971 auf dem Dokumentarfilmfest in Leipzig kennengelernt hatte, siedelte in die DDR über und wurde dort zu einem umjubelten Star.

Ein amerikanischer Star für den Sozialismus

In dem als „Arbeiter- und Bauernstaat“ bezeichneten Land inszenierte sich Reed als singender Cowboy, gab Lieder auf Deutsch, Englisch und Spanisch zum Besten und wirkte in Filmen mit, häufig als Westernheld. Von der Staatsführung der DDR wurde er als ein bekehrter Amerikaner dargestellt, der eine bewusste Wahl für den Sozialismus getroffen habe.

„Die Tatsache, dass er aus den USA kam und schon als Rock’n’Roll-Sänger und als Schauspieler bekannt war, war schon etwas Besonderes. Da war die DDR auch stolz darauf und propagierte das dementsprechend groß“, äußert sich der Historiker Wolle. Zugleich war Reed weit mehr als eine reine Repräsentationsfigur für politische Zwecke. Man beschrieb ihn als charmant und nahbar. Laut Wolle unterließ er jedoch zumeist offene ideologische Bekenntnisse. Obwohl er sich kritisch zum US-Imperialismus äußerte, erfolgte keine eindeutige Identifizierung mit dem politischen Apparat der DDR.

Ein Leben voller innerer Widersprüche

Für die Staatsführung der DDR sei dies ausreichend gewesen: „Allein die Tatsache, dass er in der DDR präsent war, reichte politisch“, so Wolle. Sein Dasein war von dieser Zwiespältigkeit gekennzeichnet. „Auf der einen Seite konnte er als US-Bürger durch die Welt reisen, wie er wollte. Und gleichzeitig akzeptierte er ja die Tatsache, dass das für die große Zahl, also für die ganz überwiegende Zahl, 99,9 Prozent der DDR-Bürger nicht so galt“, schildert Wolle diesen Zwiespalt.

Die Ehe mit Wiebke Dorndeck scheiterte. Im Jahr 1981 ging er mit der Schauspielerin Renate Blume eine neue Ehe ein. Berichten von Zeitzeugen zufolge kam es zu wachsenden Konflikten. Einem Protokoll zufolge fuhr er 1982 Beamte der Volkspolizei an, als diese ihn aufgrund überhöhter Geschwindigkeit stoppten: „Die Staatslimousinen, die mich gerade mit 160 Kilometer pro Stunde überholt haben, schreibt ihr nicht auf. Das ist ja wie ein faschistischer Staat hier. Ich habe das langsam wie die meisten der 17 Millionen in diesem Land bis hierher satt!“

Krise, Tod und der verschwundene Abschiedsbrief

Reed steckte in einer persönlichen Krise und seine Popularität als Künstler ließ nach. Er war seit dem 13. Juni 1986 verschwunden. Einige Tage darauf wurde seine Leiche am Ufer des Zeuthener Sees nahe Berlin entdeckt. Sein 15 Seiten umfassender Abschiedsbrief wurde bis zum Fall der Mauer in den Akten der Stasi verwahrt. In diesem Brief notierte der Sänger: „Mein Tod hat nichts mit Politik zu tun.“

Trotzdem entwickelte sich sein Ableben zu einer politischen Angelegenheit. Der SED-Vorsitzende Erich Honecker, an den Reed im Brief einen Gruß richtete, verbreitete die offizielle Version eines „Unglücksfall“. Westliche Beobachter spekulierten, dass die Stasi Reed liquidiert haben könnte, da er über eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten nachdachte. Der Historiker Wolle vermutet ein persönliches Motiv hinter der Tat: „Er hatte sich furchtbar mit seiner Frau gestritten und das hat ihn alles so niedergedrückt und fertig gemacht.“ Es existieren keine Anhaltspunkte für eine Mitwirkung der Stasi. Das Schreiben, das zuvor unter Verschluss war, wurde im Jahr 2004 durch die „Bild“-Zeitung publiziert.

Heutzutage wird der Abschiedsbrief im Bundesarchiv verwahrt, wie die Pressesprecherin des DDR-Museums, Simone Uthleb, mitteilt. In seinem Depot lagert das Museum einige persönliche Gegenstände von Reed, zu denen ein Hochzeitsfoto sowie eine Schallplatte gehören. Zusätzliche Ausstellungsstücke werden gesucht: „Wenn jemand Objekte oder eine ganze Sammlung hat und diese in gute Hände geben möchte, übernehmen wir sie gern“, sagt Uthleb. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.