Zunächst herrscht Aufregung wegen einer befürchteten Entführung. Doch dann wird ein anderer Hintergrund deutlich.
„Wir hörten Schreie im Flugzeug“Passagiere kämpfen um Kontrolle über Maschine – Terrorverdacht gegen Pilot

Eine Maschine der Fluggesellschaft FlyDubai. (Archivbild)
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Aus einem Flugzeug auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv ist nach Medienberichten wegen einer Prügelei zwischen den Piloten ein Notsignal gesendet worden. Schließlich landete die Maschine in Saudi-Arabien. Eine zunächst befürchtete Entführung des Flydubai-Flugs FZ 1073 habe sich nicht bestätigt, berichteten israelische Medien. Das Flugzeug sei über Saudi-Arabien abgedreht und auf dem Flughafen Tabuk gelandet. Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen „Vorfall“ an Bord.
Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst den Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist, und anschließend den Code 7500, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird.
Pilot soll versucht haben, Flugzeug zum Absturz zu bringen
Laut israelischen Medienberichten wird geprüft, ob einer der Piloten versuchte, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem TV-Sender N12 jedoch, es sei eine „große Katastrophe“ ähnlich zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder der Geiselnahme in Entebbe im Jahr 1976 verhindert worden.
Laut israelischen Medienberichten wird nun gegen den Co-Piloten ermittelt, da immer mehr Anzeichen darauf hindeuten, dass er versucht hat, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen, um es zum Absturz zu bringen. N12 und Ynet berichteten am Mittwochmittag, dass zunehmend die Einschätzung vorherrsche, dass es sich bei dem Notfall an Bord des Flugzeugs um einen versuchten Terroranschlag gehandelt habe.
Foto aus Maschine zeigt Mann in blutüberströmtem T‑Shirt
Der israelische TV-Sender N12 berichtete, der Pilot sei russischer und der Co-Pilot ukrainischer Abstammung. Sie hätten sich im Cockpit geprügelt, bis einer von ihnen das Bewusstsein verloren habe. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. In anderen Berichten ist von einem omanischen Staatsbürger die Rede.
Israelische Medien verbreiteten am Mittwoch ein Foto, das aus der Maschine stammen soll. Dort ist ein Mann mit einem blutgetränkten T-Shirt zu sehen. Er soll zu einem weiteren Piloten-Team gehören, das an Bord der Maschine gewesen sei. Die als Passagiere mitreisenden Piloten hinderten den Berichten zufolge den im Dienst befindlichen Piloten daran, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. An Bord der Maschine seien etwa 180 Israelis gewesen, berichtete die Zeitung „Haaretz“ unterdessen.
„Wir dachten, wir würden das nicht lebend überstehen“
Eine Passagierin der Maschine äußerte sich unterdessen gegenüber dem Sender N12 – und schilderte dramatische Szenen an Bord. „Wir hörten Schreie im Flugzeug. Dann wurde die Cockpit-Tür geöffnet, und wir sahen Blut – jemand hatte den Piloten mit einem Taschenmesser niedergestochen“, zitierte der Sender eine namentlich nicht genannte Frau. Auch nach Angaben der Passagierin halfen israelische Passagiere den Besatzungsmitgliedern, den Co-Piloten zu überwältigen. „Es gab Momente, in denen wir dachten, wir würden das nicht lebend überstehen“, hieß es weiter.
Eine weitere Passagierin berichtete gegenüber dem Sender ebenfalls von plötzlichen Schreien an Bord, die von Passagieren ausgestoßen worden seien, „denen klar wurde, was vor sich ging“. Auch diese Passagierin berichtete davon, dass einer der Piloten niedergestochen worden sei und die Kontrolle über das Flugzeug verloren habe. „Es begann, schnell abzustürzen, es war sehr beängstigend.“
Kampfflugzeuge steigen auf – Lage „unter Kontrolle“
Israel und Saudi-Arabien unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Israelische Kampfjets seien aufgestiegen, hatte die „Times of Israel“ zunächst unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet. Das israelische Militär teilte zu dem Vorfall mit, Generalstabschef Ejal Zamir berate sich gegenwärtig mit ranghohen Kommandeuren, darunter der Chef der Luftwaffe.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, der Regierungschef habe zu dem Vorfall Beratungen abgehalten und verfolge die Entwicklungen. Die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.
Die Passagiere an Bord wurden laut N12 angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Lediglich die beiden Piloten seien von Bord gebracht worden. Der Geschäftsführer von Flydubai habe die israelischen Verkehrsbehörden informiert: Ein Ersatzflugzeug werde in Kürze von Dubai nach Saudi-Arabien geschickt und von dort nach Israel weiterfliegen. (das/dpa)