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Kinder an Straße ausgesetztMutter und Stiefvater aus dem Elsass in U-Haft

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Lissabon

Nach der Mutter wurde nicht nur in Portugal fieberhaft gesucht. Nach der Festnahme wurden sie und der Stiefvater in Untersuchungshaft genommen. (Symbolbild)

Ein französisches Paar soll seine zwei Söhne in Portugal ausgesetzt haben. Mutter und Stiefvater sitzen in U-Haft.

Wegen des Verdachts der Aussetzung von zwei Kleinkindern in Portugal wurde von einem Richter Untersuchungshaft für die Mutter und den Stiefvater angeordnet. Der zuständige Richter António Fialho vom Gericht in Setúbal teilte mit, dass die beiden französischen Staatsbürger aus Colmar im Elsass dringend der schweren Körperverletzung und Kindesaussetzung verdächtig seien.

Dem Paar wird vorgeworfen, die beiden Jungen im Alter von drei und fünf Jahren am Dienstag an einer einsamen Landstraße bei Alcácer do Sal, in der Region südöstlich von Lissabon, alleingelassen zu haben. Die weinenden und desorientierten Kinder fielen einem vorbeifahrenden Autofahrer auf. Dieser nahm sich ihrer an und alarmierte die Polizei. Eine landesweite Fahndung führte am Donnerstag zur Festnahme der Mutter und des Stiefvaters.

Mutter ist Sex-Therapeutin, Mann ehemaliger Polizist

Die Frau bietet im Internet ihre Dienste als Sex-Therapeutin an. Bei dem Mann handelt es sich laut portugiesischen Medienberichten um einen ehemaligen Polizisten aus Frankreich, der aufgrund von Depressionen seinen Dienst quittiert haben soll. Der Sender RTP meldete zudem, dass er schon 2010 wegen häuslicher Gewalt an seiner ersten Gattin verurteilt wurde. Die Kindsmutter soll er „vor einigen Monaten“ kennengelernt haben.

Die französische Publikation „Le Parisien“ berichtete darüber hinaus, dass der frühere Gendarm wegen Belästigung und Gewalt eine Haftstrafe von neun Monaten erhielt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auf seinem Facebook-Profil soll er zudem antisemitische und verschwörungstheoretische Posts geteilt haben.

Zusätzliche Haftbefehle aus Frankreich

Laut Oberstleutnant Carlos Canatário von der Nationalgarde Portugals (GNR) existieren gegen das Paar außerdem zwei aus Frankreich stammende europäische Haftbefehle. Ihnen werden Kindesentzug und die Vernachlässigung eines weiteren, 16 Jahre alten Sohnes der Mutter vorgeworfen. Deshalb muss das Paar auch vor einem Berufungsgericht erscheinen, das für derartige ausländische Ersuchen die Zuständigkeit besitzt.

Unter Berufung auf GNR-Quellen meldeten der staatliche Fernsehsender RTP und die Zeitung „Correio da Manha“, das Paar habe sich bei einem Transport abgesprochen. Demnach planten sie, eine psychische Erkrankung vor Gericht vorzutäuschen. Ein Beamter soll dieses Gespräch mitangehört haben. Vor Gericht äußerte sich die Mutter nicht, während der Stiefvater sich gesprächsbereiter zeigte.

Jungen sind in Obhut einer Pflegefamilie

Die Publikation „Dernières Nouvelles d'Alsace“ aus Frankreich berichtete unter Verweis auf den Colmarer Staatsanwalt Jean Richert über die Sorgerechtsregelung. Demzufolge besaß die Mutter das Sorgerecht, während dem Vater ein Besuchsrecht für seine Söhne eingeräumt war. Der leibliche Vater erstattete bei der Colmarer Polizei eine Vermisstenanzeige bezüglich der Mutter und der Kinder. Die Kinder waren zuvor dem Kindergarten ferngeblieben.

Übereinstimmenden Berichten portugiesischer Medien zufolge sind die Jungen mittlerweile bei einer französischsprachigen Pflegefamilie untergekommen. Sie sollen dort verbleiben, bis über einen französischen Antrag auf Rückführung der Geschwister durch Portugal entschieden wird. Der leibliche Vater soll den Angaben nach bereits auf dem Weg nach Portugal sein. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.