Athen – Das Video wurde von den Griechen in den sozialen Netzwerken zigtausend Mal geklickt: Ein Spiegelei brutzelt in der Pfanne. Nur steht die Pfanne nicht auf einer Kochplatte. Sondern auf einem Strohballen bei der mittelgriechischen Stadt Larisa.
48 Grad im Schatten zeigte dort am Wochenende das Thermometer, über 60 Grad waren es in der Sonne. Und die heizte die Pfanne so stark auf, dass das Spiegelei nach einer halben Minute gebraten war. Seit Tagen liegt Griechenland unter einer Hitzeglocke. In Athen wurden 45 Grad gemessen. Die Touristen hatten das Stadtzentrum und die Akropolis fast für sich. „Wunderbar“ sei die Hitze, sagte die deutsche Urlauberin Hanna Krawitz, die am Samstagmorgen bei 13 Grad und Regen aus Düsseldorf nach Athen geflogen war.
Athener bleiben in der Wohnung
Bei diesen Temperaturen fällt es keinem Athener ein, ohne triftigen Grund die Wohnung zu verlassen oder gar in der Gluthitze zum Parthenon-Tempel hinaufzuklettern. Wer keine Klima-Anlage in der Wohnung hat, kann der Hitze allerdings auch in den eigenen vier Wänden nicht entkommen. Nachts fällt das Thermometer nicht mehr unter 30 Grad, die Athener Betonwüste speichert die Sonnenglut. Erst kurz vor Sonnenaufgang werden die niedrigsten Temperaturen erreicht, dann steigt das Quecksilber aber schnell wieder an. Am Sonntagmorgen um neun Uhr zeigte es bereits 35 Grad. Vor allem für ältere Menschen hat die Stadtverwaltung von Athen in vielen Stadtteilen deshalb klimatisierte Gemeinschaftsträume eingerichtet.
Die Strände im Süden und Osten der Hauptstadt waren am Sonntag überfüllt. Das Meer bietet mit einer Wassertemperatur von 27 Grad zwar eine willkommene Erfrischung. Aber der Ansturm sorgte am Sonntag für endlose Staus auf den Ausfallstraßen, die aus der Viermillionenstadt Athen zu den Küsten führen. Deutlich erträglicher als in den Städten sind die Temperaturen auf den griechischen Inseln. In der Ägäis steigt das Thermometer nur auf Höchstwerte um die 35 Grad, außerdem weht hier fast immer eine kühle Brise vom Meer.
Mit Rekordhitze steigt die Brandgefahr
Seit zehn Jahren war es in Griechenland um diese Jahreszeit nicht mehr so heiß. Mit der Rekordhitze wächst die Brandgefahr. Am Wochenende kämpften die griechischen Feuerwehren in vielen Landesteilen gegen die Flammen. Einer der größten Waldbrände wütete in der Provinz Lakonien an der Südspitze der Halbinsel Peloponnes. 60 Feuerwehrleute und Dutzende freiwillige Helfer versuchten, den Brand einzudämmen. Sie wurden am Sonntag von Löschflugzeugen unterstützt. Auch in Nordgriechenland, auf der Insel Lesbos sowie im Südosten der Hauptstadt Athen flammten Wald- und Buschbrände auf. Siedlungen waren bisher nicht gefährdet.
Für den Wochenbeginn erwarten die Meteorologen einen „Temperatursturz“: Nach 45 Grad am Wochenende soll es am Dienstag „nur“ noch 32 Grad warm werden. Allerdings drohen kräftige Nordwinde. Das bedeutet erhöhte Brandgefahr.
