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„Kontrolle über sein Leben verloren“Münchner Wasserverbote schlagen hohe Wellen – Kachelmann mahnt

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Badende genießen die Abkühlung im Wasser der Isar im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt.

Badende genießen die Abkühlung im Wasser der Isar im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt.

Während München wegen der Hitzewelle strenge Wasserspar-Regeln verhängt hat – darunter Verbote für Pools, das Rasensprengen und das Autowaschen –, sorgt die Debatte für hitzige Reaktionen.

München erlebt eine seltene Ausnahmesituation. Trotz seiner grundsätzlich robusten Wasserversorgung aus alpinen Quellen bringt die anhaltende Hitzewelle 2026 die Trinkwasserinfrastruktur an ihre Grenzen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat deshalb eine Allgemeinverfügung erlassen, die seit dem 14. Juli gilt und zunächst bis zum 1. August reicht. Diese Maßnahme schlägt in der bayerischen Landeshauptstadt hohe Wellen.

Die Verfügung verbietet im Kern das Befüllen und Betreiben privater Pools, Springbrunnen und Planschbecken. Das Bewässern von Haus- und Kleingärten sowie Rasenflächen ist zwischen 9 und 19 Uhr untersagt, ausgenommen ist die Tröpfchenbewässerung. Das Rasensprengen ist weitgehend verboten, ebenso das Autowaschen außerhalb gewerblicher Anlagen, das Abspritzen von Terrassen und Wegen mit Hochdruckreinigern sowie die Entnahme von Oberflächenwasser zu diesen Zwecken. Ausgenommen sind Landwirtschaft, Friedhöfe und bestimmte öffentliche Nutzungen.

Jörg Kachelmann ledert gegen die „Reichen“

Die Reaktionen in der Stadt sind gespalten. Viele Bürgerinnen und Bürger zeigen Verständnis und unterstützen den Appell zum Sparen. Der Meteorologe Jörg Kachelmann schrieb auf X (ehemals Twitter), er halte sich selbst strikt an die Gebote und lehne die Vorstellung ab, „die Reichen” würden automatisch zynisch handeln. „Wer so verwahrlost ist, eine grüne Wiese und ein gewaschenes Auto zu brauchen, hat die Kontrolle über sein Leben verloren”, schrieb der Wahl-Schweizer. 

Kritiker sehen darin hingegen Symbolpolitik oder unverhältnismäßige Eingriffe in den Alltag. Die Maßnahmen träfen vor allem Privatleute, während infrastrukturelle Defizite und langfristige Planungsfehler ausgeblendet würden. In Leserkommentaren und Umfragen überwiegt teilweise die Skepsis. Die Verbote wirken wie ideologisch motivierte Einschränkungen statt wie eine sachliche Lösung für Versorgungsengpässe.

Wasserverbote in München: Kachelmann verteidigt Sparzwang gegen Luxus-Kritik

Bei anhaltender Trockenheit droht eine Verlängerung. Die Regeln betreffen auch mehrere Umlandgemeinden, die von den Stadtwerken München (SWM) versorgt werden. Zuwiderhandlungen können mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Bereits Ende Juni setzte die Stadt ein Zeichen. Zehn Zierbrunnen wurden außer Betrieb genommen. Das entspricht einer Einsparung von 43 Prozent des bisherigen Brunnenverbrauchs. Weitere Anlagen sind nur noch zeitweise in Betrieb. Auch an anderer Stelle wird gespart: Städtische Grünflächen werden kaum noch bewässert und die Fensterreinigung sowie die Wäsche des Fuhrparks sind vorerst ausgesetzt. Eine Taskforce unter der Leitung von Krause bewertet derzeit zusätzliche Maßnahmen.

Der Oberbürgermeister betont, dass die Trinkwasserversorgung für den täglichen Bedarf weiterhin gesichert sei. Dennoch ist der Verbrauch zeitweise auf mehr als 360 Millionen Liter pro Tag gestiegen – so hoch wie seit den 1970er-Jahren nicht mehr. Gründe hierfür sind die extreme Hitze, die geringe Grundwasserneubildung und ein um rund 20 Prozent gestiegener Bedarf. (mbr)