Hauptzielländer sind die Türkei, Malaysia und Indonesien, heißt es in einer vom britischen „Guardian“ beauftragten Analyse.
Laut britischer AnalyseDeutschland größter Plastikmüll-Exporteur der Welt

Leichtverpackungen liegen auf der Deponie in Hannover. (Symbolbild)
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Deutschland war im Jahr 2025 weltweit der größte Exporteur von Plastikmüll. Nach einer Analyse von Handelsdaten, die das Recherchezentrum Watershed Investigations im Auftrag der britischen Zeitung „The Guardian“ durchgeführt hat, schickte die Bundesrepublik mehr als 810.000 Tonnen Kunststoffmüll ins Ausland – mehr als jedes andere Land der Welt.
Knapp dahinter folgt Großbritannien mit rund 675.000 Tonnen – das entspricht der Ladung von etwa 127.000 Schiffscontainern. Hauptzielländer sind die Türkei, Malaysia und Indonesien – Länder, die wiederholt mit illegaler Entsorgung, dem Verbrennen von Plastik und Umweltschäden durch die Recyclingbranche in Verbindung gebracht wurden.
Meeresbiologe warnt vor Verschiffung in die Türkei
Der türkische Meeresbiologe Sedat Gündoğdu, der Plastikverschmutzung erforscht, warnt eindringlich: „Die türkische Mittelmeerküste ist die am stärksten mit Plastik verschmutzte Küste des gesamten Mittelmeers – verursacht durch Abfälle aus den Recyclingfabriken.“
Gündoğdu weist zudem darauf hin, dass die Türkei selbst bereits 3,3 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr produziert – mehr als doppelt so viel, wie das Land recyceln kann.
USA und China exportieren vergleichsweise wenig Plastikmüll
Größere Länder wie die USA oder China exportieren vergleichsweise wenig Plastikmüll, da dort mehr Abfall im Inland verbleibt – durch Deponierung, Verbrennung oder Recycling. Zudem unterliegen sie nicht den europäischen Recyclingquoten, die Exporte als Recyclingleistung anrechnen.
Die EU hat beschlossen, den Export von Plastikabfall in Nicht-OECD-Länder ab November 2026 zu verbieten. Dennoch wird derzeit noch rund die Hälfte der europäischen Plastikexporte in genau diese Länder geschickt. Kritiker befürchten, dass der verbleibende Müllstrom nach dem Verbot in Länder innerhalb der OECD – wie die Türkei oder Staaten in Osteuropa – umgelenkt wird, die ebenfalls kaum Kapazitäten besitzen.
Die Grünen-Europaabgeordnete Sara Matthieu bezeichnete das bevorstehende Exportverbot als „Wendepunkt“, mahnte jedoch: Durch politischen Druck von Konservativen und Rechtspopulisten sei die europäische Recyclingkapazität in den vergangenen Jahren um eine Million Tonnen gesunken. „Frisch produziertes Plastik ist immer noch viel billiger als recyceltes Material – und die EU-Kommission hat dieses Marktversagen jahrelang ignoriert.“ (das)
