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Gestrandeter Wal„Timmy“ ist im Rettungskahn – Helfer weinen vor Freude

3 min

Die aufwendige Rettungsmission sorgt in der Ostsee weiter für Aufsehen. Jetzt ist ein Meilenstein erreicht worden.

Die Rettungsaktion für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal ist ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Die Beteiligten zogen den Wal in einer stundenlangen Aktion mit Gurten zu einem Lastkahn, der das Tier Richtung Nordsee befördern soll. Für den Weg zum Schiff wurde in den vergangenen Tagen eine gut 100 Meter lange Rinne gebaggert. Um 14.45 Uhr war Meeressäuger „Timmy“ schließlich in der sogenannten Barge, also einer Art schwimmendem Becken

Tauchunternehmer Fred Babbel (M) feiert auf dem Transportschiff, nachdem der gestrandete Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn gezogen wurde.

Tauchunternehmer Fred Babbel (M.) feiert auf dem Transportschiff, nachdem der gestrandete Buckelwal vor der Insel Poel mit Gurten in den Lastkahn gezogen wurde.

„Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen“, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf. „Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen.“ Er habe sich dann aber zusammengerissen. Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint.

Buckelwal vor Poel: Knifflige Rettungsaktion ist geglückt

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. „Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben“, sagte eine Schaulustige vor Ort.

Das Schubschiff „Hans“ mit dem Lastkahn begab sich für die Rettung des gestrandeten Buckelwals „Timmy“ in Position.

Das Schubschiff „Hans“ mit dem Lastkahn begab sich für die Rettung des gestrandeten Buckelwals „Timmy“ in Position.

Die Reise im schwimmenden Becken in Richtung Nordsee hat damit begonnen. Der mit Wasser gefüllte Lastkahn wurde am Abend von mehreren kleineren Booten weggeschoben, wie in Livestreams zu sehen war.

Buckelwal „Timmy“ soll in Nordsee transportiert werden

Der Pegel innerhalb des schwimmenden Beckens beträgt rund 1,60 bis 1,75 Meter. Am Eingang der Bucht übernehme dann ein anderer Schlepper, der dann Richtung Nordsee starten solle. „Das wird dann so innerhalb der nächsten 10 bis 14 Stunden passieren“, sagte der technische Leiter der privaten Initiative für den Transport des Tiers, Felix Bohnsack.

Der Buckelwal „Timmy“ ist nach Wochen in der Ostsee stark geschwächt.

Buckelwal „Timmy“ ist nach Wochen in der Ostsee stark geschwächt.

Tierärztin Kirsten Tönnies hatte vorab angekündigt: „Wir versuchen, das so schonend wie möglich zu machen, und das ist nur eine Unterstützung.“ Der Wal werde nicht überbeansprucht. Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die die Initiative unterstützt, sagte, der Wal werde sich „floatend bewegen“. Das Tier werde nicht aufliegen. „Er wird über keinen Sand gezogen.“

Dennoch war bis zuletzt offen, ob es überhaupt zu dem Versuch kommt. Bis zum späten Nachmittag des Vortags wurden nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.

Der absenkbare Lastkahn, der den Wal aufnehmen soll, wurde aus der Elbe über den Nord-Ostsee-Kanal herangeführt. Nach früheren Angaben der Initiative soll anschließend ein Schiff die Barge mit dem Tier an Bord in Richtung Skagen, dem Eingang zur Nordsee, schleppen. Dafür waren rund dreieinhalb Tage vorgesehen.

Es gibt aber auch Proteste gegen die Rettung. Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich am Dienstmorgen nochmals dafür aus, dem Tier stattdessen die größtmögliche Ruhe zu lassen. Die wiederholten Strandungen des Wales wiesen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin.

Buckelwal „Timmy“ ist ein Männchen und vier bis sechs Jahre alt

Seit dem Wochenende steht auch zweifelsfrei fest, dass es sich bei dem rund zwölf bis 15 Tonnen schweren Wal um ein Männchen handelt. Das Alter des Tiers wird auf vier bis sechs Jahre geschätzt, es ist also relativ jung. Warum es in die für ihn als Lebensraum ungeeignete Ostsee geriet und nicht mehr hinausfand, ist ungeklärt.

Seit dem 31. März saß der Meeressäuger dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Am Montag kam es nach einer zweistündigen Irrfahrt von „Timmy” durch die Bucht am Ausgang der Bucht zur inzwischen fünften Strandung. Seitdem verharrt er an der gleichen Stelle und wird ständig bewässert. (mbr/dpa)