Der „Grand Prix der Volksmusik“ machte zahlreiche Stars der volkstümlichen Musikszene groß. Zum 40. Jubiläum blicken wir auf die Erfolgsgeschichte des Wettbewerbs zurück.
40 Jahre „Grand Prix der Volksmusik“Diese Stars verdanken der TV-Show ihren Durchbruch

Seine Karriere begann mit dem Sieg beim „Grand Prix der Volksmusik“ 1989: Stefan Mross (zweiter von links) feiert mit Karl Moik (links), Carolin Reiber und Patrick Lindner (Bild: IMAGO / Spöttel Picture)
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Musikmanager und „Volksmusikpapst“ Hans R. Beierlein initiierte den „Grand Prix der Volksmusik“. (Bild: Armin Brosch / co Objectiv Photographen)
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Natürlich gab es seit 1981 den „Musikantenstadl“. Die von Karl Moik moderierte Sendung bot Schlager- und Volksmusik-Künstlern eine Plattform, die in dieser Form lange Zeit einmalig war. Ohnehin hatte das Genre - mehr als heute - mit Vorurteilen zu kämpfen. Wie der einflussreiche Musikmanager Hans R. Beierlein einmal erzählte, musste er seinen eigenen Künstlern regelmäßig die Scham über ihre eigene Musik austreiben. Kritischen Journalisten gegenüber sollten sie selbstbewusst kontern: „Was haben Sie gegen schöne Landschaften, gegen Werte wie Liebe, Treue, Heimatverbundenheit?“ Beierlein war es auch, der ein neues TV-Format entwickelte, das vor genau 40 Jahren, am 12. Juli 1986, in Wien seine Premiere feierte: Der „Grand Prix der Volksmusik“ wurde zum Karrieresprungbrett für zahlreiche Künstler der „volkstümlichen Musik“.
Wobei: Die Bezeichnung „volkstümliche Musik“, die oft zur Abgrenzung von traditioneller Volksmusik verwendet wird, lehnte Beierlein ab. Gegen Kritiker, die den schlagerhaften Charakter der „volkstümlichen“ Musik monierten, erklärte er nur: „Volksmusik ist Musik für das Volk. Sie geht unter Vermeidung anderer Körperteile direkt ins Herz.“ Der Musikmanager, der bereits Udo Jürgens groß gemacht hatte, erkannte in der Volksmusik „ein brachliegendes Potenzial, um das sich niemand so richtig kümmerte“.
Bei der Premiere landete Heino auf dem vorletzten Platz

Sie führten von 1986 bis 1999 durch den „Grand Prix der Volksmusik“: (von links) Carolin Reiber, Sepp Trütsch und Karl Moik. (Bild: IMAGO / United Archives)
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Das Original Naabtal Duo gewann 1988 den „Grand Prix der Volksmusik“ mit „Patrona Bavariae“. (Bild: ABIS Music)
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Um das Genre besser zu vermarkten, setzte Beierlein 1986 auf eine TV-Show: Er initiierte den „Grand Prix der Volksmusik“, einen internationalen Wettbewerb, an dem Deutschland, Österreich und die Schweiz teilnehmen sollten - organisiert über eine eigens gegründete Jury, die „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung musikalischer Unterhaltung“. Sie wählte jährlich zwischen zwölf und sechzehn Titel aus, über die das TV-Publikum abstimmen durfte.
Als Moderatoren fungierten drei der beliebtesten TV-Moderatoren ihrer Länder: Karl Moik für Österreich, Carolin Reiber für Deutschland und Sepp Trütsch für die Schweiz. Die Premiere in Wien geriet zum Debakel für die deutschen Vertreter: Maria Hellwig landete auf dem letzten Platz, Heino auf dem vorletzten, auch Marianne & Michael blieben chancenlos. Es gewann die Schweizerin Nella Martinetti mit ihrem selbstverfassten Song „Bella Musica“.

Die Kastelruther Spatzen wurden nach ihrem Sieg beim „Grand Prix der Volksmusik“ 1990 zu Superstars der volkstümlichen Musik. (Bild: Universal Music)
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Der Wettbewerb zeigte damit früh, dass nicht allein prominente Namen zählten. Ähnlich wie später beim Eurovision Song Contest bot der Grand Prix vor allem Nachwuchstalenten eine Bühne. Etablierte Künstler wie etwa Heino, der nach seinem Debakel nie wieder teilnahm, scheuten den Wettbewerb eher.
„Grand Prix der Volksmusik“: ein Sprungbrett für Nachwuchskünstler

Sieg für „Über jedes Bacherl geht a Brückerl“: Stefanie Hertel mit dem Bergkristall beim Grand Prix der Volksmusik 1992. (Bild: privat)
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Stattdessen verhalf der „Grand Prix der Volkmusik“ zahlreichen späteren Stars des Genres zu ihrem Durchbruch: Zu den größten Gewinnern zählt ohne Zweifel Stefanie Hertel. Die Vogtländerin stand zwar schon als Kind mit ihrem Vater Eberhard auf der Bühne und war im DDR-Fernsehen zu sehen, doch den entscheidenden Karriereschub brachte der Grand Prix. Nachdem sie 1991 zunächst den fünften Platz belegt hatte, gewann sie ein Jahr später mit „Über jedes Bacherl geht a Brückerl“ den Wettbewerb.

1998 gewann sie als Newcomerin den Wettbewerb: Die Schweizerin Francine Jordi präsentierte 2008 mit Sascha Rufer den Grand Prix der Volksmusik. (Bild: ZDF / SF / Beat Kuert)
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Auch Stefan Mross verdankt dem Wettbewerb einen Karriereschub - und mehr: 1989 gewann er, damals gerade mal 13 Jahre alt, mit „Heimwehmelodie“, ein Jahr später lernte er bei der deutschen Vorentscheidung Hertel kennen - der Beginn einer der bekanntesten Beziehungen der Schlagerszene. Beide entwickelten sich in den folgenden Jahren zu festen Größen im Fernsehen, 1995 traten sie gemeinsam beim „Grand Prix der Volksmusik“ an und belegten mit dem Titel „Ein Lied für jeden Sonnenstrahl“ den zweiten Platz.

Das Duo Belsy & Florian Fesl gewann den „Grand Prix der Volksmusik 2010“. Sie waren die letzten Sieger des Wettbewerbs, der wegen zu niedriger Quoten eingestellt wurde. (Bild: ZDF / ORF)
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Eine ungewöhnliche „Grand Prix“-Erfolgsgeschichte besitzen die Kastelruther Spatzen. Südtirol schickte erst ab dem Jahr 2000 heimische Künstler zum Wettbewerb, die Südtiroler Band trat 1990 aber für Deutschland an. Die Formation um Frontmann Norbert Rier hatte bereits erste Erfolge gefeiert, doch erst ihr Sieg mit dem Titel „Tränen passen nicht zu dir“ machte die Kastelruther Spatzen zu Superstars des Genres. Bis heute gelten die Südtiroler als erfolgreichste deutschsprachige Gruppe des volkstümlichen Schlagers.
Nach 25 Jahren war 2010 Schluss
Auch das Original Naabtal Duo schaffte dank des Wettbewerbs den Durchbruch. Wolfgang Edenharder und Willi Seitz gewannen 1988 für Deutschland mit „Patrona Bavariae“. Der Titel entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Lieder der volkstümlichen Musik und machte das Duo weit über Bayern hinaus bekannt. Für die Jungen Klostertaler war der Grand Prix ebenfalls der Wendepunkt. Die Vorarlberger Formation existierte bereits seit den 1970er-Jahren, doch erst der Sieg 1993 mit „An a Wunder hob i g'laubt“ brachte den großen Durchbruch.
Auch Maximilian Arland startete seine Karriere auf der Grand-Prix-Bühne. Gemeinsam mit seinem Bruder Hansi und Vater Henry gewann er 1994 mit „Echo der Berge“ den Wettbewerb. Später trat er insgesamt fünfmal beim Grand Prix an und etablierte sich anschließend als Moderator zahlreicher Musiksendungen. Eine ähnliche Entwicklung nahm Francine Jordi. Die Schweizer Sängerin gewann 1998 mit „Das Feuer der Sehnsucht“. Der Erfolg machte sie zu einer festen Größe im Schlager und in zahlreichen Fernsehshows: So moderierte sie unter anderem 2008 den „Grand Prix der Volksmusik“, zehn Jahre nach ihrem Sieg.
25 Ausgaben lang lief der Grand Prix, 2010 wurde in Wien zum letzten Mal ein Sieger gekürt: das deutsche Duo Belsy und Florian Fesl. Danach war Schluss: Im September des Jahres verkündeten die austragenden Sender ARD, ORF und SRF wegen zu niedriger Einschaltquoten das Aus für den Wettbewerb. (tsch)