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Ist KI schon superintelligent?Forscher, Ethikerin und Digitalexperte streiten bei Lanz über Risiken

Bei „Markus Lanz“ wurde die KI-Debatte am Dienstagabend plötzlich sehr konkret. Im Gespräch mit dem Forscher Hans Uszkoreit ging es nicht nur um Fortschritt, sondern auch um Risiken.

Ethikerin Alena Buyx forderte, dass nicht alle Jobs an die KI übergeben werden dürfen. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Ethikerin Alena Buyx forderte, dass nicht alle Jobs an die KI übergeben werden dürfen. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Mehrere KI-Forscher warnen seit Längerem vor einer möglichen „Super-KI“. Unabhängig von solchen Zukunftsszenarien sind die Risiken schon heute real: etwa durch gezielten Missbrauch oder durch Systeme, die sich in bestimmten Situationen unvorhersehbar und autonom verhalten. Bei „Markus Lanz“ wurde das Thema am Dienstagabend deshalb grundsätzlich verhandelt: Kann Künstliche Intelligenz für Menschen gefährlich werden und wer hat am Ende überhaupt noch die Kontrolle?

Der ZDF-Moderator nahm in seiner Sendung deshalb nicht nur das enorme Potenzial der Technologie in den Blick, sondern auch die Schattenseiten. An Informatiker Hans Uszkoreit, der seit 40 Jahren im KI-Bereich forscht, richtete er zunächst eine persönliche Frage: „Welcher Entwicklungsschritt hat Sie zuletzt wirklich überrascht?“

ZDF-Moderator Markus Lanz (links) reagierte im Gespräch mit KI-Forscher Hans Uszkoreit überrascht. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

ZDF-Moderator Markus Lanz (links) reagierte im Gespräch mit KI-Forscher Hans Uszkoreit überrascht. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Uszkoreit machte deutlich, wie rasant sich das Feld verändert habe. Künstliche Intelligenz habe inzwischen „eine ganz andere Dimension“ erreicht und „eine ganz andere Wende genommen“, als man ursprünglich angenommen habe. Er ging sogar noch weiter und stellte die übliche Beschreibung infrage. Die KI sei kaum noch als „künstlich“ zu bezeichnen: „Die jetzige Künstliche Intelligenz ist wirklich superintelligent - viel intelligenter noch, als die meisten im Moment glauben.“

Lanz reagierte sichtbar skeptisch. Doch Uszkoreit legte nach und verwies auf bekannte Kriterien zur Bewertung von Intelligenz. Wenn man gängige Mittel „der Intelligenzmessung“ anwende, „dann schlägt die KI die Menschen in den Kernbereichen der Intelligenz bereits bei Weitem“.

Informatiker Hans Uszkoreit: „Die Sicherheit kommt nur durch Technologie selbst“

Für den ZDF-Moderator klang das fast wie ein Kipppunkt. Er brachte seine Überraschung offen auf den Punkt: „Das ist ja krass, was Sie da gerade erzählen.“ Als Lanz die Debatte auf mögliche Gefahren lenkte, rückte Uszkoreit vor allem das Thema Kontrolle in den Mittelpunkt. Er zeichnete das Bild einer Lage, in der der Mensch nicht einfach „per Hand“ steuern könne, sondern technische Sicherungen brauche: „Die Sicherheit kommt nur durch Technologie selbst. Das heißt, wir müssen die richtige Technologie haben, die die Sicherheit hervorbringt.“

Digitalexperte Sascha Lobo sah die Entwicklung der KI zwiegespalten, warnte jedoch vor „blanker Panikmache“. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Digitalexperte Sascha Lobo sah die Entwicklung der KI zwiegespalten, warnte jedoch vor „blanker Panikmache“. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)

Lanz hielt dagegen und warnte vor den typischen Nebenwirkungen neuer, mächtiger Technologien: „Wenn sich so eine neue Technologie etabliert, dann zahlen wir auch erst mal einen Preis.“ Der Polittalker war sich sicher: „Da werden schlimme Dinge passieren!“ Uszkoreit nickte und formulierte seine Hoffnung als Wettlauf gegen die Zeit: „Wir hoffen, dass wir in der Künstlichen Intelligenz rechtzeitig anfangen können, diese sicheren Systeme zu bauen, damit keine Kinder in den Brunnen fallen.“

Ethikerin Alena Buyx wollte diese Zuspitzung nicht unkommentiert stehen lassen. Sie beschrieb die Debatte als ein Leben zwischen zwei Realitäten: „Man lebt in zwei Welten.“ Einerseits gebe es „gute und verantwortliche KI-Entwicklung gerade in der Medizin“, andererseits machten zuletzt „relativ katastrophale Untergangsszenarien“ die Runde. Lanz unterbrach: „Relativ können wir weglassen!“

Buyx stimmte zu und machte klar, dass verheerende Schäden nicht erst irgendwann drohen, denn: „Da fallen schon Kinder in den Brunnen - jetzt gerade.“ Buyx betonte den Kern der Diskussion: „KI soll das Leben von Menschen besser machen und nicht schlechter.“ Trotzdem gebe es „echte Gefahren“, denn: „Wir haben es hier mit einem Bereich zu tun, wo es tatsächlich ganz wenig an Beschränkungen gibt.“ Dies bereite ihr „einfach große Sorge“, erklärte Buyx. „Denn ich will die Vorteile für uns nutzen.“

Manager Christoph Schell: „Technologie ist im Ursprung neutral“

Digitalexperte Sascha Lobo warnte zwar davor, in reine Angst zu verfallen, sprach aber ebenfalls von einer spürbaren Dynamik. Er warnte vor „blanker Panikmache“, räumte jedoch ein: Man sehe „tatsächlich eine Zunahme der Fähigkeiten und der Macht bei KI“, die „mindestens eindrucksvoll“ sei. Für ihn führe das zwangsläufig zu Grundsatzfragen, die bislang eher philosophisch wirkten: „Was ist denn eigentlich Bewusstsein genau?“

Manager Christoph Schell wiederum versuchte, die Diskussion zu erden. Er verwies abschließend auf Verantwortung und Anwendung: „Technologie ist im Ursprung neutral. Technologie ist nicht negativ oder positiv. Sie ist da und sie versucht, Missions auszuführen. Es liegt an uns, das zu definieren.“ Eine Aussage, der Alena Buyx nur zustimmen konnte. Sie warnte davor, alle Jobs der Künstlichen Intelligenz zu überlassen - ansonsten werde man „einfach auch dumm“. (tsch)