Zum 50. Jubiläum von Boney M. spricht Sängerin Liz Mitchell in einer neuen Doku über Welthits und bittere Ausbeutung.
Die dunkle Seite von Boney M.Sängerin Liz Mitchell über Ausbeutung und Frank Farian

Vor 50 Jahren begann die Karriere von Boney M.: Marcia Barrett, Bobby Farrell, Liz Mitchell und Maizie Williams. (Archivbild)
Copyright: picture-alliance/ dpa
Zum 50. Jubiläum von Boney M. beleuchtet die ARD-Dokumentation „Boney M. - Disco. Macht. Legende.“ am 11. Mai die düsteren Abgründe hinter der glitzernden Disco-Fassade. Im Zentrum der Kontroversen steht das komplexe Machtgefüge zwischen Produzent Frank Farian und der Leadsängerin Liz Mitchell.
Die Marionetten des Erfolgs
Die Bandgeschichte war von einer harten Hierarchie geprägt. Während Frank Farian die männlichen Gesangsparts im Studio selbst einsang, fungierte Tänzer Bobby Farrell lediglich als optisches Aushängeschild. Liz Mitchell war zwar die Stimme der Gruppe, doch die Entscheidungsgewalt lag allein beim Produzenten.

Produzent Frank Farian gründete Boney M. und war auch die männliche Stimme in den Songs. (Archivbild)
Copyright: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa
Mitchell blickt heute im dpa-Interview mit Bitterkeit auf die geschäftlichen Strukturen hinter den Welthits wie „Daddy Cool“, „Sunny“ oder „Rivers Of Babylon“: „Ich dachte, dass ich fair behandelt wurde, bis ich begriffen habe, dass ich total ausgenutzt wurde.“
Die finanzielle Ausbeute war extrem einseitig verteilt. Während die Hits Millionen einspielten, erhielten die Bandmitglieder lediglich feste Gagen. Laut Mitchell war es eine bewusste Entscheidung von Frank Farian und seinem Umfeld, die Künstlerinnen und Künstler nicht am massiven Reichtum zu beteiligen. Dabei unterstrich Farian in einer früheren Äußerung die Wichtigkeit von Mitchells Gesang mit den Worten: „Ohne Liz wären wir ein One-Hit-Wonder geblieben“.
Rassismus und das Trauma in Ketten
Besonders schmerzhaft bleibt für die heute 73-jährige Mitchell die Inszenierung des Covers für „Love For Sale“. Das Shooting, bei dem die schwarzen Bandmitglieder nackt und in Ketten posieren mussten, weckte unerträgliche Assoziationen zur Sklaverei. „Ich habe bitterlich geweint“, berichtet Mitchell über diesen Moment der Erniedrigung.
Zudem thematisiert die Dokumentation den Alltagsrassismus der 70er-Jahre; selbst Frank Farian wurde aus seinem Umfeld für die Zusammenarbeit mit schwarzen Musikern kritisiert.
Gebrochenes Vertrauen und Erbe-Streit
Neben der Ausbeutung wirft die Doku dem Produzenten den Diebstahl kulturellen Eigentums vor. So beanspruchte Frank Farian Lizenzen für traditionelle Lieder wie „Brown Girl In The Ring“ für sich. „Das sind enttäuschende Dinge, die mir das Herz brachen, denn ich habe Frank vertraut“, so Mitchell.
Das bittere Ende: Nach dem Tod von Farrell (2010) und Frank Farian (2024) ist auch die Band intern zerrissen. Der Kontakt zwischen Mitchell und ihren ehemaligen Kolleginnen Marcia Barrett und Maizie Williams ist aufgrund von Rechtsstreitigkeiten um den Bandnamen komplett abgebrochen. (jag/dpa)
Die Dokumentation ist am Montag (11. Mai 2026) um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
