„Liebling Kreuzberg“ ohne Liebling? Eigentlich war es kaum vorstellbar, dass eine Neuauflage der in den 80er-Jahren beliebten Anwaltsserie ohne die einst von Manfred Krug gespielte Titelfigur funktioniert. Vor zehn Jahren, am 21. Oktober 2016, starb der große Charakterdarsteller - und wie sehr Krug fehlt, zeigte der jüngst ausgestrahlte Film „Kanzlei Liebling Kreuzberg - Ein Meisterstück“. Darin besucht die Anwältin Talia Jahnka (Gabriela Maria Schmeide) Robert Lieblings Grab und sagt: „Robert, Robert ... weißt du, du fehlst.“

Als Senta Kurzweg war Anja Franke schon in der Originalserie „Liebling Kreuzberg“ dabei. Durch sie und Roswitha Schreiner, die Robert Lieblings Tochter Sarah spielte und spielt, bleibt sein Geist auch in der Neuauflage erhalten. (Bild: ARD Degeto Film/Odeon Fiction GmbH/Britta Krehl)
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Dass die ARD die Kultserie ohne ihren verstorbenen Hauptdarsteller als Filmreihe fortsetzte, war durchaus ein Risiko: Das Original erreichte zu Hochzeiten bis zu 47 Prozent Einschaltquote. Doch es hat sich gelohnt, zuletzt schalteten über drei Millionen Menschen ein. Ein fünfter Teil der Filmreihe, „Kanzlei Liebling Kreuzberg - Auf Augenhöhe“ (Freitag, 23. Oktober, 20.15 Uhr, im Ersten) steht kurz vor der Ausstrahlung. Und auch wenn Manfred Krug nicht mehr dabei ist, so feierten doch vereinzelte „Liebling Kreuzberg“-Darsteller in den neuen Geschichten eine Rückkehr. Andere sind inzwischen verstorben.
Manfred Krug: Ost-Star, West-Kommissar

Comeback bei „Kanzlei Liebling Kreuzberg“: Auch in der Spielfilm-Fortsetzung der Original-TV-Serie spielt Roswitha Schreiner die Tochter des Kanzleigründers. (Bild: ARD Degeto/Odeon Fiction GmbH/Stefan Erhard)
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Manfred Krug war schon vor „Liebling Kreuzberg“ ein Star. In der DDR drehte er rund 60 große Filme, bis seine Karriere 1976 nach einer Protesterklärung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann abrupt endete. 1977 übersiedelte er in den Westen, wurde als Fernfahrer in „Auf Achse“ und als Hamburger „Tatort“-Kommissar Stoever bekannt und begeisterte dann fünf Staffeln und 58 Folgen lang als kauziger Berliner Anwalt, der gern Götterspeise aß.
Nach seinem Schlaganfall 1997 zog er sich weitgehend von der Schauspielerei zurück, im „Tatort“ ermittelte er noch bis Januar 2001. Danach stand Krug vor allem wieder als Sänger auf der Bühne. Am 21. Oktober 2016 starb er in Berlin im Alter von 79 Jahren an einer Lungenentzündung. Seit Oktober 2024 bewahrt das Manfred-Krug-Archiv an der Akademie der Künste Fotos, Manuskripte, Briefe und Tagebücher auf.
Die Rückkehrerinnen

Sie ist beim Comenback nicht dabei, steht aber mit 91 Jahren immer noch vor der Kamera: Brigitte Grothum spielte in „Liebling Kreuzberg“ die Ex-Frau des Anwalts. (Bild: Joshua Sammer/Getty Images)
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Zwei Darstellerinnen der Originalserie sind auch in der Neuauflage dabei. Roswitha Schreiner spielt wieder Lieblings Tochter Sarah, die nun Mutter der jungen Anwältin Lisa (Luise von Finckh) ist. Schreiner, in den Neunzigern 14-mal Kriminaloberkommissarin im Düsseldorfer „Tatort“, war später in „Rote Rosen“ und im Spielfilm „König der Herzen“ mit Florian Silbereisen zu sehen. Den Erfolg der Neuauflage führt sie auf Nostalgie zurück: Viele Zuschauer hätten die Serie damals mit ihren Eltern und Großeltern geschaut.

Talia (Gabriela Maria Schmiede) im Zwiegespräch mit Robert Liebling. (Bild: ARD Degeto Film/Odeon Fiction GmbH/Oliver Feist)
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Anja Franke, einst als Anwaltsgehilfin Senta Kurzweg die gute Seele der Kanzlei, organisiert nun als Sekretärin wieder die Kanzlei. Zwischen 2004 und 2010 war sie neunmal als Katrin Schubert im „Polizeiruf 110“ zu sehen, von 2011 bis 2024 spielte sie in über 2.500 Folgen der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ die Merle Vanlohen.
Zwei Gäste, zwei große Karrieren
Die größten Karrieren machten zwei Frauen, die nur zweimal bei Liebling vorbeischauten. Iris Berben war 1990 in der dritten Staffel als Millionärin Nora Schill zu sehen, die mit dem Anwalt anbandelte, und durch „Sketchup“ und „Das Erbe der Guldenburgs“ längst bekannt. Danach wurde sie eine der größten und erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands, war an fast 200 Kino- und TV-Produktionen beteiligt und erhielt über 50 Preise für ihr Filmschaffen und ihren sozialen Einsatz.
Martina Gedeck spielte in der dritten und vierten Staffel Ria Hegenbach, war erst Mandantin, dann Referendarin. Sie blickt auf 145 TV- und Kinorollen zurück und gewann unter anderem den Deutschen Fernsehpreis. Zuletzt war sie in „Oktoberfest 1905“ und in „Der Altaussee-Krimi: Letzter Stollen“ zu sehen.
Rückzug und Abschiede
Brigitte Grothum, in den ersten beiden Staffeln Lieblings Ex-Frau Erika, ist seit 2021 als Gastwirtin Gisela Heinze in „WaPo Berlin“ zu sehen. Michael Kausch war in den ersten drei Staffeln als Sozius Dr. Giselmund Arnold der Gegenpart des Chefs, der Arbeit gern auf ihn abwälzte. Zur vierten Staffel kehrte er, auch wegen eines schweren Unfalls, nicht zurück. Er wirkte aber ab 1992 in Serien wie „Wilsberg“ und „Der Lehrer“ mit. Monika Woytowicz, in Staffel fünf als Lola Kornhaus Lieblings letzte Liebschaft, zog sich 2005 aus dem Fernsehen zurück.
Mehrere Weggefährten leben nicht mehr. Peter Schiff, in allen fünf Staffeln als Dr. Arthur Wolter Lieblings Freund und Kollege, starb 2014. Hans Nitschke, der in allen fünf Staffeln den (namenlosen) Justizbeamten spielte, starb 2022. Corinna Genest, die als Paula Fink in vier Staffeln dabei war, verstarb 2023 im Alter von 85 Jahren. Und Rolf Zacher, der drei Staffeln lang den skurrilen Geldfälscher Willy Gumpert spielte, war an über 200 Produktionen beteiligt. 2016 nahm er am „Dschungelcamp“ teil, es wurde sein letzter TV-Auftritt. Am 3. Februar 2018 starb er im Alter von 76 Jahren. (tsch)

