Lotte, Weezer und Sido, der mit einer starken Ansage sein nächstes Album ankündigt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Der „beste deutsche Rapper“ ist wieder daDas sind die Musik-Highlights der Woche

Zurück mit „Issa“: Sido durchläuft in intensiven zweieinhalb Minuten die Höhen und Tiefen seines Lebens. (Bild: Yared Assefa)
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Kann man in zweieinhalb Minuten seinen „Frieden“ finden? Das vielleicht nicht, aber man kann damit anfangen, so wie Sido. „Issa“ heißt der neueste Track des Berliner Deutschrap-Stars, es ist gleichzeitig der erste Vorgeschmack auf ein kommendes neues Album mit dem Titel „Frieden“. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Lotte und Weezer.
Sido - Issa

Lotte hat sich im Lauf ihrer bisherigen Karriere stark entwickelt, aber ohne sich zu verbiegen. Davin zeugt auch ihr neues Album, das sie schlicht „Lotte“ nennt. (Bild: Nat Traxel)
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„Ich bin der beste deutsche Rapper, ohne Wenn und Aber“: Meint Sido diese Zeile, mit der er in seine neue Single „Issa“ einsteigt, wirklich ernst? Ziemlich genauso ernst wahrscheinlich, wie er sie vor 25 Jahren auch schon gemeint hätte, und man müsste ja auch erst einmal den Beweis erbringen, dass irgendein anderer Rapper noch besser ist. Sein Selbstbewusstsein hat er jedenfalls nicht verloren, später in dem neuen Track macht er es sich noch „direkt neben Jesus Christus“ bequem. „Issa“, das sind wilde zweieinhalb Minuten, in denen allerdings noch deutlich mehr steckt als klassische Straßenrap-Prahlerei.
Kaputte Nasenscheidewand, Erinnerungen an kalte Nächte, Kindheit ohne Vater, „Karma“ und „Parasiten“ - diese Dinge gehören eben auch zur Geschichte von Sido, der sich in „Issa“ intensiv mit dem Auf und Ab des eigenen Lebens auseinandersetzt - und seinen „Frieden“ darin findet. Genau so, „Frieden“, heißt auch ein neues Album, das der Berliner für 27. November angekündigt hat. Es soll eine Platte sein „zwischen Fame und Family, Wurzeln und Wachsen, Eskalationen um Mitternacht und der ganz nüchternen Gewissheit, dass morgen sicher ein neuer Tag ist“. Apropos neu: Im Video zu „Issa“ (mit coolem Gastauftritt seines Sohnes Bo) trägt Sido auch wieder Maske. Ein durchaus interessantes neues Modell ...
Lotte - Lotte

Rivers Cuomo (unten) und seine Band Weezer melden sich nach vierjähriger Kreativpause mit neuer Musik zurück. Ihr gerade veröffentlichtes 20. Album heißt, mal wieder, „Weezer“. (Bild: Empire State Realty Trust/John Nacion/Getty Images)
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Platz 30 mit dem ersten Album, dann Platz 19, Platz zwölf ... Stück für Stück nach oben, in kleinen Schritten nur, aber die Richtung stimmt. Kommt jetzt, mit Album Nummer vier, der große Sprung für Charlotte Rezbach alias Lotte? Verdient hätte sie es allemal. 2017 trat die Ravensburgerin mit ihrem Debüt „Querfeldein“ ins Showgeschäft wie ein junges Reh im Scheinwerferlicht auf der Autobahn - zurückhaltend, leise und ziemlich schüchtern im Auftreten wie in der Musik. Knapp zehn Jahre später ist diese Künstlerin eine andere als damals - aber, ein Glück, immer noch „Lotte“.
Der Vorgänger von 2022 hieß „Woran hälst Du dich fest, wenn alles zerbricht?“ - ganz schön sperrig. Jetzt also schlicht „Lotte“. Wenn die Sängerin und Songschreiberin diese vierte Platte nach sich selbst benennt, dann ist das natürlich irgendwie ein Statement: Wir sind da, das bin ich. Ausdrücklich ohne Ausrufezeichen, dafür ist Lotte nach wie vor nicht die Type, aber künstlerisch zeugen diese zwölf neuen Songs doch von enormer Reife. Lotte spielt unaufdringlichen, unprätentiösen und unspektakulären Cozy-Pop mit herrlicher Selbstverständlichkeit, erzählt wieder einfühlsam ihre Geschichten von Sehnsucht, Liebe, Träumen und „Double Cheesy Nachos“, spielt ein bisschen mit dem Softrock-Sound der 70er-Jahre, und im Ganzen steht ihr all das außerordentlich gut.
Weezer - Weezer (Gold Album)
Vier Jahreszeiten-EPs innerhalb von zwölf Monaten - war das wohl ein bisschen anstrengend? Die kreative Pause, die Weezer nach Abschluss ihrer „SNSZ“-Serie im Jahr 2022 einlegten (“Spring“, „Summer“, „Autumn“, „Winter“) dauerte jedenfalls auffällig lange an. Vier Jahre ohne neue Weezer-Musik, das gab es in der über 30 Jahre währenden Karriere der US-Band nur selten. Umso strahlender und pompöser nun das Comeback - mit einem Artwork ganz in Gold.
Diese Sache mit den Farben, dahinter steckt wohl die gleiche Spleenigkeit wie hinter der Idee mit der Vier-Jahreszeiten-Albumserie. Nur dass dieses Weezer-Konzept schon viel älter ist: Bereits das Debüt von 1994 war ein blaues Album, später kam dann ein grünes, ein rotes, ein weißes, ein blaugrünes, ein schwarzes, und alle hießen sie offiziell „Weezer“. So wie jetzt auch dieser neue Goldstandard des nerdig-spaßigen kalifornischen Alternative Rock - im Sprachgebrauch für die Fans dann „Gold Album“.
Das Gold, das sich vom Titel über die Covergestaltung bis zu aktuellen öffentlichen Auftritten der Band erstreckt (man suche nach Rivers Cuomo bei Jimmy Fallon ...), bedeutet nicht unbedingt eine besonders hohe Wertigkeit dieser Musik. Besonders ist dieses 20. Weezer-Album aber doch, weil es sich hier erstmals seit Langem wieder um ein echtes Banderzeugnis handelt. Zuletzt hatte Frontmann Rivers Cuomo das Songwriting größtenteils selbst übernommen, diesmal setzte die Gruppe ganz bewusst auf einen kollaborativen Prozess. Für Schlagzeuger Patrick Wilson waren die „Gold“-Sessions sogar „wie eine Wiedergeburt, auf eine coole Art“. (tsch)