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Der Vater des Krimifernsehens - Erinnerungen an Helmut Ringelmann

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Der TV-Produzent Helmut Ringelmann prägte das Krimifernsehen hierzulande wie kein Zweiter. Links seine Ehefrau, die Schauspielerin Evelyn Opela. (Bild:  Getty Images/Hannes Magerstaedt)

Der TV-Produzent Helmut Ringelmann prägte das Krimifernsehen hierzulande wie kein Zweiter. Links seine Ehefrau, die Schauspielerin Evelyn Opela. (Bild: Getty Images/Hannes Magerstaedt)

„Derrick“, „Der Alte“ und vieles mehr - jeder kennt bis heute seine Arbeiten: Vor 100 Jahren wurde Helmut Ringelmann geboren, einer der bedeutendsten TV-Produzenten des Landes.

„Profi wird man, indem man lernt, was zu lernen ist“, hat Helmut Ringelmann einmal gesagt. Ein ebenso simpler wie richtiger Ratschlag von einer jener großen deutschen Fernsehpersönlichkeiten, an deren Professionalität niemals gezweifelt wurde. Ringelmann war „der Produzent“ schlechthin, interpretierte das Berufsbild nach alter Schule: „Ein Produzent muss von allem etwas verstehen, nicht nur von der Finanzierung, wie kindliche Gemüter glauben.“ Am 4. September 1926, vor 100 Jahren, wurde Ringelmann in München geboren.

Mit Krimiserien wie „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Der Alte“ wurde Helmut Ringelmann zu einem der erfolgreichsten deutschen TV-Produzenten. (Bild: Getty Images/Sean Gallup)

Mit Krimiserien wie „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Der Alte“ wurde Helmut Ringelmann zu einem der erfolgreichsten deutschen TV-Produzenten. (Bild: Getty Images/Sean Gallup)

Heute sind dem TV-Publikum üblicherweise Produzentinnen und Produzenten von fiktiven Stoffen gar nicht mehr bekannt. Zumal die meisten von ihnen auch nicht das Rampenlicht suchen. Medienjournalismus ist selten geworden, und damit fehlen auch die großen Interviewbühnen für die Vordenker des Fernsehens. Vor einigen Jahrzehnten war das noch anders. Wolfgand Rademann (“Das Traumschiff“), Holm Dressler (“Wetten, dass..?“) oder auch Hans Geißendörfer (“Lindenstraße“) waren der Öffentlichkeit durchaus bekannt. Und eben auch Helmut Ringelmann, der das Krimifernsehen hierzulande prägte wie kein Zweiter und das im Grunde noch bis heute tut.

Gegen alle Gehirnakrobaten

Helmut Ringelmann war in zweiter Ehe von 1986 bis zu seinem Tod mit der Schauspielerin Evelyn Opela verheiratet. Sie lebten bei München. (Bild: Getty Images/Hannes Magerstaedt)

Helmut Ringelmann war in zweiter Ehe von 1986 bis zu seinem Tod mit der Schauspielerin Evelyn Opela verheiratet. Sie lebten bei München. (Bild: Getty Images/Hannes Magerstaedt)

Er gilt als „Deutschlands erfolgreichster Krimiproduzent“, was nicht nur die Zuschauerzahlen im eigenen Land anging, sondern auch den Verkauf ins Ausland. Es sind urdeutsche Serien, die er gemacht hat: „Derrick“, „Der Alte“ und auch „Der Kommissar“ mit Erik Ode. Aber eben weil ihr Produzent bei seiner Arbeit niemals sehnsüchtig ins Ausland blickte, waren sie dort so erfolgreich. Ein Original ist allemal besser als eine schwache Kopie internationaler Standards.

Dabei setzten die Krimis, das war seit jeher Ringelmanns Anspruch, auf keine oberflächlichen Gewaltdarstellungen. Selten fiel ein Schuss, geprügelt wurde gar nicht. Die Herren Derrick (Horst Tappert), Köster (SIegfried Lowitz) und dessen Nachfolger Leo Kress (Rolf Schimpf) ermittelten mit Bedacht, Akribie und Sorgfältigkeit. Es war die Kunst der Autoren, dass auch das trotzdem nicht langweilig wurde.

Womit man bei Herbert Reinecker wäre, dessen Geschichten seit jeher die Karriere des Helmut Ringelmann begleiten. Mit Erik Ode, jenem Kommissar, der schon optisch - auch bei seiner Premiere 1967 - so ganz und gar nicht dem Ideal eines Polizisten entsprach, schufen sie einen markanten Typen, der an die 100 Mal seine Fälle löste, aber dabei eben auch mal unfreundlich murrte oder seine Mitarbeiter zusammenpfiff. Es waren meistens klar strukturierte Plots, die die Ringelmann-Krimis ausmachten: ein Mord, erst einmal kein Täter, findige Polizisten und am Ende die Lösung. „Ich lasse nicht zu, dass ein Gehirnakrobat sein verworrenes Innenleben als Selbstverwirklichung zu einem intellektuellen Horrortrip gestaltet und mir weismachen will, dass der Zuschauer noch versteht, was er wirklich meint.“ So hat es Ringelmann einmal formuliert, sicher schon damals mit Blick auf den ARD-“Tatort“.

Der Ausflug zu den Privaten

Ringelmann erster ganz großer TV-Erfolg: „Der Kommissar“ lief von 1969 bis 1976. Von links: Grabert (Günther Schramm), Keller (Erik Ode), Klein (Fritz Wepper) und Heines (Reinhard Glemnitz). (Bild: Universum)

Ringelmann erster ganz großer TV-Erfolg: „Der Kommissar“ lief von 1969 bis 1976. Von links: Grabert (Günther Schramm), Keller (Erik Ode), Klein (Fritz Wepper) und Heines (Reinhard Glemnitz). (Bild: Universum)

Der Mann hat seinen Job gelernt. 1955 stieg er als Aufnahmeleiter ein und wurde dann in zwölf Jahren zum selbstständigen Film- und Fernsehproduzenten. Schauspielunterricht hatte der Sohn eines Hoteliers auch einmal, damals bei Martin Held. Später arbeitete er einige Jahre am Theater, ehe es ihn endgültig zu Film und Fernsehen trieb.

„Der Alte“ gehört mit wechselnder Besetzung zu den ältesten Krimireihen der Welt. Neben der Titelfigur Erwin Köster (Siegfried Lowitz, rechts) ermittelten Kriminalhauptkommissar Gerd Heymann (Michael Ande, links) und Kriminalkommissar Martin Brenner (Jan Hendricks). (Bild: ZDF / Michael Marhoffer)

„Der Alte“ gehört mit wechselnder Besetzung zu den ältesten Krimireihen der Welt. Neben der Titelfigur Erwin Köster (Siegfried Lowitz, rechts) ermittelten Kriminalhauptkommissar Gerd Heymann (Michael Ande, links) und Kriminalkommissar Martin Brenner (Jan Hendricks). (Bild: ZDF / Michael Marhoffer)

„Das Kriminalmuseum erzählt“ und „Die 5. Kolonne“, beides auf dokumentarischen Vorlagen basierende Serienkonzepte, waren erste Erfolge beim ZDF, das über die meisten Jahrzehnte hinweg sein Hauptsender war. Gegen Ende seiner Karriere Mitte der 90er-Jahre ging er mal zu RTL, wo er unter anderem die Krimiserie „Der Mann ohne Schatten“ verantwortete, in der seine Ehefrau Evelyn Opela eine der Hauptrollen spielte.

Mit der Produktion erfüllte sich sein Wunsch, dank einer längeren Spielzeit der Episoden auch einmal Zeit für ein Privatleben seiner Ermittler zu haben. Derricks Freundinnen waren über die Jahre hinweg schließlich immer dem Schnitt zum Opfer gefallen.

Gern erzählt wird noch immer die Geschichte vom Treffen zwischen dem damaligen RTL-Programmchef Marc Conrad und Ringelmann. „Ich traf Conrad zufällig in einem Salzburger Hotel und fragte ihn nach seinen Zielen. 'Ich will Erfolg', sagte er mir. Ich antwortete: 'Sehr gut, ich bin erfolgreich.' So kam die Teamarbeit zustande.“ Ringelmanns erfolgreichste wurde es allerdings nicht.

Ganz anders eine Reihe weiterer Arbeiten, die bis heute das TV-Publikum kennt: „Polizeiinspektion 1“, „Unsere schönsten Jahre“ oder auch der Mehrteiler „11 Uhr 20“ gehören dazu. Wie er nun selbst seinen Job sah, die Aufgabe eines Produzenten, die sich dem Publikum ja seit jeher kaum erschließt? Ringelmann brachte es in einem Interview mal treffend auf den Punkt: „Ein Produzent ist jemand, der es versteht, maximale künstlerische und minimale finanzielle Möglichkeiten miteinander in Reaktion zu bringen und dabei erfolgreich zu sein.“ So einfach klingt das, und so schwierig ist es doch. Bis heute.

Im Februar 2011 starb Ringelmann im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Grünwald bei München. Begraben ist er dort auf dem Waldfriedhof. (tsch)