Sonst sind Kameras hier streng verboten: Der Berliner Techno- und Fetischclub KitKat genießt weltweit einen legendären Ruf. Nun blickt eine ARD-Doku hinter die Kulissen des geheimnisumwobenen Ortes - samt expliziter Bilder und viel nackter Haut.
Deutschlands freizügigster ClubARD gewährt in expliziter Doku tiefe Einblicke

Vom Pool bis zur Tanzfläche: Die Doku „One Night at KitKat“ liefert erstmals explizite Einblicke in den legendären Club in Berlin. (Bild: ARD / MDR / Starkl Film / Diba Darbari)
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Denkt man an die Berliner Clublandschaft, war in den vergangenen Jahren vor allem das Berghain in aller Munde. Nun, da dieser Mythos weitgehend durchgespielt ist, scheint ein anderer Club seine Stellung einzunehmen: Das KitKat, gelegen zwischen Mitte und Kreuzberg, genießt aufgrund seiner freizügigen Partys international einen legendären Ruf. Hier, so hoffen die vielfältigen Gäste des Technomekkas mit Fetischfaible, kann man seine sexuellen Fantasien und erotischen Wünsche mit Gleichgesinnten in sicherer Atmosphäre ausleben. Wie es dabei wirklich zugeht, war bislang nur Eingeweihten und Besuchenden bekannt - auch hier herrscht normalerweise strenges Kameraverbot. Bis jetzt: In der Dokumentation „One Night at KitKat“ (ab Mittwoch, 30. September in der Mediathek), gewährt nun ausgerechnet die ARD ungesehene Einblicke in den sagenumwobenen Club.

Der Film liefert einen Blick hinter die Kulissen des Clubs und hinter die Motivation seiner Besucherinnen und Besucher. (Bild: ARD / MDR / Starkl Film / Mohsen Najafimehri)
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Für den Film, der aufgrund seiner expliziten dokumentarischen Szenen eine Altersfreigabe von 16 Jahren erhielt, hat das iranische Regie-Duo Mohsen Najafimehri und Diba Darbari Mitarbeitende und Stammgäste begleitet und befragt: „Es ist wie ein anderer Planet, eine eigene Welt“, beschreibt eine Besucherin die Stimmung: „Es gibt kein Judgement, man kann sich frei ausleben und jeder ist herzlich willkommen.“ Diese Atmosphäre abseits der restriktiven Normalwelt, die sexpositive Einstellung, die Freiheit zum selbstbestimmten Ausprobieren der eigenen Identität - das macht das KitKat so attraktiv für Gäste aus aller Welt. Wobei natürlich längst nicht alle reinkommen, die strenge Türpolitik erscheint als Basis für einen Safe Space. „Man braucht eine bestimmte Geisteshaltung und einen bestimmten Vibe“, erklärt der Film, der auch dokumentiert, wie Menschen an der Tür abgewiesen werden.
„Wie weit kann man gehen?“
Begleitet wird unter anderem KitKat-DJ Don Basti, der bei den Vorbereitungen zu den berühmten KitKat-Nächten (vor allem am Samstag) gemeinsam mit seiner Freundin Nora gezeigt wird. Die berichtet überaus offen, wie sie nach langen Phasen der Depression und Unsicherheit mit ihrem Körper im Clubleben wieder Halt fand: „Durch das KitKat durch die Leute die da sind, habe ich angefangen, mich wieder zu sehen.“ Eine neue „Heimat“ gefunden habe auch eine Künstlerin aus Tel Aviv, die sich als Transperson im KitKat sicher und wohl fühlt. Und doch feiert der Film nicht naiv ein offenes Lebensgefühl: In Gesprächen wird klar, dass das Schutzversprechen des Clubs nicht immer eingelöst werden kann. „Ich habe hier auch Gewalt gegen mich erlebt“, berichtet eine Frau. Offen lotet der Film aus, wie komplex die Ambivalenz zwischen Freiheit und Sicherheit sein kann.

Mohsen Najafimehri und Diba Darbari durften im KitKat-Club erstmals filmen. (Bild: ARD / MDR / Starkl Film / Diba Darbari)
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Das gesamte Konzept, so berichten die Protagonistinnen und Protagonisten, basiere auf Gemeinschaft, Vertrauen und klarer Kommunikation. Wie können Respekt und individuelle Grenzen gewahrt werden? Von der ursprünglichen Idee berichten auch die Gründer des KitKat, Simon Thaur und Kirsten Krüger, die den Club vor über 30 Jahren ins Leben riefen. Man habe in den wilden 90er-Jahren in der gerade wiedervereinten Hauptstadt schauen wollen: „Wie weit kann man gehen?“. Heute gibt es lange Schlangen am Einlass, befeuert von geheimnisvollen Gerüchten über die Geschehnisse im Inneren.
Viel nackte Haut
Man erfährt durchaus, wie eine klassische KitKat-Nacht so abläuft, wie es hinter den Kulissen von Türstehern bis Awareness-Team aussieht und wie es zwischen Bar, Pool und Tanzfläche so zugeht. Zensiert oder versteckt wird dabei kaum etwas, die Einblicke wirken authentisch - ohne dabei plumpen Voyeurismus zu bedienen. Zu sehen bekommt man bunte Tanzexzesse, viel Lack und Leder, Ketten, einfallsreiche Kostüme, und natürlich jede Menge nackte Haut, begleitet von Praktiken, die man hier sicher nicht aufzählen muss. Und eigentlich geht es ja um viel mehr: um das Gefühl von Selbstakzeptanz oder um die gemeinschaftliche Utopie abseits der tristen Realität und natürlich auch um die für manche sicherlich befreiende körperliche und sinnliche Erfahrung. Weniger im Fokus des Films steht dagegen die dauerpräsente Drogenkultur.
„Egal, ob man das KitKat faszinierend, fremd oder kontrovers findet: Mit diesem Film kann man etwas erleben, was sonst kaum möglich ist“, lässt sich Kristian Costa-Zahn, Programmgeschäftsführer ARD Kultur, zitieren. Erstmals habe man im KitKat an den legendären Samstagabenden im Club drehen können und Menschen auch in sehr persönlichen Momenten begleitet. So entstehe für ihn „ein Blick auf eine Welt, über die viele sprechen, die aber nur wenige wirklich kennen“.
Aufgrund ihrer Altersfreigabe ist die Doku in der ARD-Mediathek erst ab 22 Uhr zu sehen. Linear wird sie am Donnerstag, 8. Oktober, um 22.55 Uhr, bei 3sat ausgestrahlt. (tsch)