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„Die Falle“So gut ist die neue Netflix-Serie der Macher von „Liebes Kind“

3 min
Friederike Becht und Hans Löw standen zuletzt im ZDF-Trinkerdrama „Im Rausch“ gemeinsam vor der Kamera. In „Die Falle“ agieren sie über die längste Strecke unabhängig voneinander, bis es zum lang erwarteten Aufeinandertreffen ihrer Figuren kommt.  (Bild: Netflix)

Friederike Becht und Hans Löw standen zuletzt im ZDF-Trinkerdrama „Im Rausch“ gemeinsam vor der Kamera. In „Die Falle“ agieren sie über die längste Strecke unabhängig voneinander, bis es zum lang erwarteten Aufeinandertreffen ihrer Figuren kommt. (Bild: Netflix)

Nach dem großen Erfolg mit „Liebes Kind“ legt das Kreativteam um Isabel Kleefeld mit „Die Falle“ eine neue Psychothrillerserie vor. Die Erwartungen dürften bei den Fans des Vorgängers hoch sein.

Die Bestsellerautorin und der Journalist: Friederike Becht und Hans Löw liefern sich in „Die Falle“ ein Katz- und Mausspiel. Allerdings weiß man nie so genau, wer ist die Maus, wer die Katze? (Bild: Netflix)

Die Bestsellerautorin und der Journalist: Friederike Becht und Hans Löw liefern sich in „Die Falle“ ein Katz- und Mausspiel. Allerdings weiß man nie so genau, wer ist die Maus, wer die Katze? (Bild: Netflix)

Lisa (Friederike Becht) holt sich, gar nicht ihre Art, fremde Hilfe (Johannes Zirner) ins Haus, um sich bestmöglich auf ihr Treffen mit dem „Monster“ vorzubereiten.  (Bild: Netflix)

Lisa (Friederike Becht) holt sich, gar nicht ihre Art, fremde Hilfe (Johannes Zirner) ins Haus, um sich bestmöglich auf ihr Treffen mit dem „Monster“ vorzubereiten. (Bild: Netflix)

Mit Top-Ten-Platzierungen in über 90 Ländern und einem internationalen Emmy Award wurde der deutsche Netflix-Psychothriller „Liebes Kind“ 2023 zu einer der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Serien des Streamers. An diesen Erfolg möchte das Team um Drehbuchautorin, Regisseurin und Creative Producerin Isabel Kleefeld sowie die Produzenten Tom Spiess und Friederich Oetker mit „Die Falle“ (ab Dienstag, 13. Oktober) nun anknüpfen. Der Sechsteiler basiert auf dem Romandebüt von Melanie Raabe (“Der Schatten“), die Hauptrollen spielen Friederike Becht und Hans Löw. Die entscheidende Frage für „Liebes Kind“-Fans lautet: Ist „Die Falle“ ebenso spannend und nervenzehrend wie der Vorgänger?

Ein Köder für das Monster

Lisa (Friederike Becht) glaubt, im Fernsehen den Mörder ihrer Schwester wiederzuerkennen. (Bild: Netflix)

Lisa (Friederike Becht) glaubt, im Fernsehen den Mörder ihrer Schwester wiederzuerkennen. (Bild: Netflix)

Lisas (Friederike Becht) Vermischung von Realität und Wahrheit wird von Martin Langer in fantasievolle, teils rauschhafte Bilder übersetzt. (Bild: Netflix)

Lisas (Friederike Becht) Vermischung von Realität und Wahrheit wird von Martin Langer in fantasievolle, teils rauschhafte Bilder übersetzt. (Bild: Netflix)

Lisas (Friederike Becht) Hund ist ihr treuer Freund und Mitbewohner in der riesigen, viel zu großen Villa abseits des Trubels der Stadt. (Bild: Netflix)

Lisas (Friederike Becht) Hund ist ihr treuer Freund und Mitbewohner in der riesigen, viel zu großen Villa abseits des Trubels der Stadt. (Bild: Netflix)

Seit zehn Jahren lebt die Bestsellerautorin Lisa Konrad (Becht) abgeschottet in einer Villa, die sie niemals verlässt. Ihre wichtigsten Bezugspersonen sind ihr Verleger (Matthias Brandt), ihre Agentin (Anna Schudt) und ihre Assistentin (Malaya Stern Takeda). Der Grund für Lisas Isolation ist der Mord an ihrer Schwester Anna (Josephine Thiesen). Lisa fand die Sterbende damals auf und konnte noch kurz das Gesicht des flüchtenden Täters erhaschen. Dieses traumatische Erlebnis stürzte sie in eine schwere psychische Krise. Bis heute wird sie von einer Psychologin (Ursula Strauss) betreut und steht unter starken Medikamenten. Die Polizei hat den Mordfall längst zu den Akten gelegt, Lisa jedoch nicht.

ist Robert Lenzen (Hans Löw) wirklich der Mörder von Lisas Schwester Anna, oder war alles am Ende ganz anders, als sie sich zu erinnern glaubt? (Bild: Netflix)

ist Robert Lenzen (Hans Löw) wirklich der Mörder von Lisas Schwester Anna, oder war alles am Ende ganz anders, als sie sich zu erinnern glaubt? (Bild: Netflix)

Als sie beim Fernsehen im Journalisten Robert Lenzen (Löw) „das Monster“ wiederzuerkennen glaubt, fasst sie einen Plan: Sie will ihm eine Falle stellen und seine DNA sichern. Der Köder: sie selbst. Seit Jahren wartet die Presse auf ein Interview mit Lisa. Nun erhält Lenzen von ihr das Angebot, das er nicht ablehnen kann: Anlass des Interviews soll ein noch nicht existierender Roman sein, und er handelt von Annas Tod.

Lisa (Friederike Becht, rechts) erinnert sich liebevoll an ihre jüngere Schwester Anna (Josephine Thiesen). (Bild: Netflix)

Lisa (Friederike Becht, rechts) erinnert sich liebevoll an ihre jüngere Schwester Anna (Josephine Thiesen). (Bild: Netflix)

Ihre Assistentin Yuma (Malaya Stern Takeda) ist für Lisa die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. (Bild: Netflix)

Ihre Assistentin Yuma (Malaya Stern Takeda) ist für Lisa die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. (Bild: Netflix)

Wie besessen stürzt sich Lisa in das Schreiben des Buches und die Vorbereitung auf die Begegnung mit Lenzen, so akribisch, als wäre sie auf einer Agentenmission. Von Martin Langer in fantasievolle, rauschhafte Bilder übersetzt, verschwimmen Erinnerung und Fiktion, Realität und Schein zunehmend.

Ein zweites „Liebes Kind“?

Der Verleger Verleger Norbert Rudow (Matthias Brandt) wundert sich, dass die scheue, zurückgezogene Lisa plötzlich einen Krimi schreiben und zudem zum ersten Mal ein Interview geben möchte. (Bild: Netflix)

Der Verleger Verleger Norbert Rudow (Matthias Brandt) wundert sich, dass die scheue, zurückgezogene Lisa plötzlich einen Krimi schreiben und zudem zum ersten Mal ein Interview geben möchte. (Bild: Netflix)

Erinnerung oder fiktiver Buchplot? Die zehn jahre jüngere Lisa (Miriam Ohlmeyer) hat gerade ihre Schwester schwer verletzt aufgefunden, kurz darauf starb Anna. Der Polizist Leon Weber (Michael Klammer) kümmert sich um Lisa. (Bild: Netflix)

Erinnerung oder fiktiver Buchplot? Die zehn jahre jüngere Lisa (Miriam Ohlmeyer) hat gerade ihre Schwester schwer verletzt aufgefunden, kurz darauf starb Anna. Der Polizist Leon Weber (Michael Klammer) kümmert sich um Lisa. (Bild: Netflix)

Friederike Becht spielt Lisa mit derselben körperlichen und emotionalen Kraft, wie man sie etwa im Trinkerdrama „Im Rausch“, ebenfalls mit Hans Löw, von ihr sah. Man möchte der traumatisierten Frau glauben - doch, so Becht, „ist die Wahrheit, an die sie so lange geglaubt hat, tatsächlich die Wahrheit?“ Genau darin habe für sie die Aufgabe der Figur gelegen: „Sie muss den Mut finden, sich selbst noch ganz neu zu begegnen. Da gab es für mich als Schauspielerin viel zu begreifen und zu vermitteln.“

Auch das Publikum hat einiges zu begreifen und zu entschlüsseln. Anders als „Liebes Kind“ vermag das Psychospiel allerdings nicht über alle sechs Folgen hinweg zu fesseln. Die Handlung, und mit ihr der Zuschauer, verliert sich in allzu vielen klischeehaften, überzogenen Krimi-Elementen. Hinzu kommen oft stumpfe Dialoge und Off-Kommentare, die den namhaften Stars in den Mund gelegt werden. Auch die Musik von Oscarpreisträger Volker Bertelmann (“Im Westen nichts Neues“) und Ben Winkler klingt eher nach „SOKO“ als nach großem Kino.

Oder sind womöglich einfach die Erwartungen, ein zweites „Liebes Kind“ zu sehen, zu hoch? Denn wer diese beiseitelegt, bekommt, dank dem prominenten Cast und Bechts intensiver Darstellung, mit „Die Falle“ am Ende solide Thrillerkost serviert, die sich an einem verregneten Herbsttag gut durchbingen lässt. Ein 90-Minüter hätte es allerdings auch getan. (tsch)