Im Jahr 1995 war das Ensemble von „Die üblichen Verdächtigen“ zwar noch nicht ganz so bekannt wie heute. Ein Klassiker wurde der Thriller - auch aufgrund der fulminanten Besetzung - nichtsdestotrotz.
Dieser hochspannende, perfekt besetzte Irrgarten-Thriller läuft heute im Free-TV

Hockney (Kevin Pollack, von links), McManus (Stephen Baldwin), Fenster (Benicio Del Toro), Keaton (Gabriel Byrne) und Verbal (Kevin Spacey) planen einen millionenschweren Coup. Der SWR zeigt den Thriller-Klassiker „Die üblichen Verdächtigen“ am 6. September. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Ganove Verbal Kint (Kevin Spacey) ist einer von zwei Überlebenden des Feuers. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Bryan Singers Name ist trotz seines umstrittenen Projektes „Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat“ (2008) untrennbar mit Comic-Verfilmungen verbunden. Im Jahr 2000 ermöglichte er den „X-Men“ einen erfolgreichen Sprung auf die große Leinwand. Drei Jahre später realisierte er die Fortsetzung „X-Men 2“, drehte dann einen „Superman“-Film, um schließlich wieder zu den X-Men zurückzukehren (“Zukunft ist Vergangenheit“. „Apocalypse“). Seinen Durchbruch verdankt Singer aber keinen Mutanten, sondern einer Gruppe Krimineller. Mit dem Thriller „Die üblichen Verdächtigen“, den der SWR am 6. September um 22.50 Uhr wiederholt, schuf er 1995 einen unvergessenen Klassiker.

Die Freundin von Ex-Cop Keaton (Gabriel Byrne) arbeitet als Staatsanwältin. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Es war eine Produktion mit zahllosen starken Darstellern, die damals allerdings kaum jemand kannte. Heute dagegen ist etwa Benicio Del Toro ein gefragter Charakterdarsteller und Oscar-Preisträger. Ebenso Kevin Spacey, der für seine Rolle im Familiendrama „American Beauty“ im Jahr 2000 seinen zweiten Oscar bekam. Seinen ersten Goldjungen erhielt er als bester Nebendarsteller in „Die üblichen Verdächtigen“. Es waren Zeiten, als Spacey noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, die so lange währte, bis er vor zehn Jahren nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung jäh und tief abstürzte. Erholt davon hat sich seine Karriere bis heute nicht.
Wie Singer und sein Drehbuchautor mit den Zuschauern spielen

Hockney (Kevin Pollack) ist eigentlich ein kleiner Autoschieber. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Gangster McManus (Stephen Baldwin) liefert seinen Freunden einen todsicheren Tipp. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Erschwerend für „Die üblichen Verdächtigen“ kam hinzu, dass mit Bryan Singer ein Regisseur an Bord war, dessen Debüt „Public Access“ (1993) zwar manchen Preis einfahren konnte, aber kein Geld einspielte. Und schließlich der Plot, der nur eines wollte: verwirren. Die Prognose vieler seinerzeit lautete daher eindeutig: Der Kriminal-Thriller, so stilsicher und atmosphärisch dicht er auch umgesetzt sein mag, würde floppen. Doch Qualität setzte sich in diesem Fall durch. Erzählt wird die Geschichte von fünf Kriminellen, die als Verdächtige verhaftet wurden, als es gilt, einen Waffendiebstahl aufzuklären. Die fünf (Kevin Spacey, Gabriel Byrne, Stephen Baldwin, Kevin Pollack und Benicio Del Toro) nutzen die Gelegenheit, einen millionenschweren Coup auszuhecken.

Fenster (Benicio Del Toro) will aus dem Coup aussteigen, doch er macht einen gefährlichen Fehler. (Bild: AXN / Gramercy Pictures)
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Sechs Wochen später bricht ein gewaltiges Feuer auf einem Schiff aus, das im Hafen von San Pedro vor Anker liegt. 27 Menschen sterben, zwei überleben die Katastrophe. Einer von ihnen ist Roger „Verbal“ Kint (Spacey). Im Laufe des Verhörs erzählt er, was seit ihrer Verhaftung geschah, und immer stärker rückt die mysteriöse Figur des mächtigen Gangsterbosses Keyser Soze in den Mittelpunkt, den keiner kennt, der jedoch die gesamte Unterwelt zu steuern scheint.
Einem geschickten Marionettenspieler gleich führt Singer auf der Folie eindrucksvoller Bilder seine Protagonisten und leitet den Betrachter an unsichtbaren Fäden durch zahllose Irrwege zur Aufklärung des Verbrechens. Es scheint dem Regisseur und seinem Drehbuchautor, dem später auch als Regisseur arbeitenden Christopher McQuarrie (“Mission: Impossible - The Final Reckoning“), sadistische Freude zu bereiten, mit Schein-Lösungen zu spielen und immer wieder neue Blickwinkel zu zeigen. Droht die Bindung zur Story verloren zu gehen, werfen sie dem Zuschauer einen leicht verdaulichen Appetithappen zu, und schon ist man wieder verloren im unübersichtlichen Geflecht der Ereignisse. (tsch)