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Ein neues „Liebes Kind“? Das sind die Streaming-Tipps der Woche

6 min
Die Bestsellerautorin und der Journalist: Friederike Becht und Hans Löw liefern sich in „Die Falle“ ein Katz- und Mausspiel. Allerdings weiß man nie so genau, wer die Mausist und wer die Katze. (Bild: Netflix)

Die Bestsellerautorin und der Journalist: Friederike Becht und Hans Löw liefern sich in „Die Falle“ ein Katz- und Mausspiel. Allerdings weiß man nie so genau, wer die Mausist und wer die Katze. (Bild: Netflix)

Netflix schickt mit „Die Falle“ eine neue Psychothrillerserie vom Kreativteam um Isabel Kleefeld an den Start, während Prime mit „Friends Sex and Games“ eine erfolgreiche mexikanische Serie adaptiert. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.

Mit Top-Ten-Platzierungen in über 90 Ländern und einem internationalen Emmy Award avanvierte der deutsche Netflix-Psychothriller „Liebes Kind“ 2023 zu einer der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Serien des Streamers. An diesen Erfolg möchte das Team um Drehbuchautorin, Regisseurin und Creative Producerin Isabel Kleefeld sowie die Produzenten Tom Spiess und Friederich Oetker mit „Die Falle“ nun anknüpfen. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.

„Die Falle“ - Netflix

Dem Liebesleben von Paul (Fridolin Sandmeyer) und Anna (Paula Kalenberg) ist die Abwechslung völlig abhandengekommen. (Bild: 2026 Amazon Content Services LLC)

Dem Liebesleben von Paul (Fridolin Sandmeyer) und Anna (Paula Kalenberg) ist die Abwechslung völlig abhandengekommen. (Bild: 2026 Amazon Content Services LLC)

Der Sechsteiler „Die Falle“ (ab Dienstag, 13. Oktober, Netflix) basiert auf dem Romandebüt von Melanie Raabe (“Der Schatten“), die Hauptrollen spielen Friederike Becht und Hans Löw. Die entscheidende Frage für „Liebes Kind“-Fans lautet: Ist „Die Falle“ ebenso spannend und nervenzehrend wie der Vorgänger?

Seit zehn Jahren lebt die Bestsellerautorin Lisa Konrad (Becht) abgeschottet in einer Villa, die sie niemals verlässt. Ihre wichtigsten Bezugspersonen sind ihr Verleger (Matthias Brandt), ihre Agentin (Anna Schudt) und ihre Assistentin (Malaya Stern Takeda). Der Grund für Lisas Isolation ist der Mord an ihrer Schwester Anna (Josephine Thiesen). Lisa fand die Sterbende damals auf und konnte noch kurz das Gesicht des flüchtenden Täters erhaschen. Dieses traumatische Erlebnis stürzte sie in eine schwere psychische Krise. Bis heute wird sie von einer Psychologin (Ursula Strauss) betreut und steht unter starken Medikamenten. Die Polizei hat den Mordfall längst zu den Akten gelegt, Lisa jedoch nicht.

Als sie beim Fernsehen im Journalisten Robert Lenzen (Löw) „das Monster“ wiederzuerkennen glaubt, fasst sie einen Plan: Sie will ihm eine Falle stellen und seine DNA sichern. Der Köder: sie selbst. Seit Jahren wartet die Presse auf ein Interview mit Lisa. Nun erhält Lenzen von ihr das Angebot, das er nicht ablehnen kann: Anlass des Interviews soll ein noch nicht existierender Roman sein, und er handelt von Annas Tod. Wie besessen stürzt sich Lisa in das Schreiben des Buches und die Vorbereitung auf die Begegnung mit Lenzen, so akribisch, als wäre sie auf einer Agentenmission. Von Martin Langer in fantasievolle, rauschhafte Bilder übersetzt, verschwimmen Erinnerung und Fiktion, Realität und Schein zunehmend. Friederike Becht spielt Lisa mit derselben körperlichen und emotionalen Kraft, wie man sie etwa im Trinkerdrama „Im Rausch“, ebenfalls mit Hans Löw, von ihr sah. Wer die Erwartungen, ein zweites „Liebes Kind“ zu sehen, beiseitelegt, bekommt, dank dem prominenten Cast und Bechts intensiver Darstellung, mit „Die Falle“ am Ende solide Thrillerkost serviert, die sich an einem verregneten Herbsttag gut durchbingen lässt.

„Friends Sex and Games“ - Prime Video

Wer bin ich - und wenn ja, wieso? Vision (Paul Bettany) hat eine Menge Fragen und lädt zu einer Philosophiestunde in seinem Kopf. (Bild: Marvel/Disney+)

Wer bin ich - und wenn ja, wieso? Vision (Paul Bettany) hat eine Menge Fragen und lädt zu einer Philosophiestunde in seinem Kopf. (Bild: Marvel/Disney+)

Lange fackeln die Macher der neuen Prime-Video-Serie „Friends Sex and Games“ wahrlich nicht. Schon in den ersten Sequenzen zeigen sie ihre Protagonisten in der neuen Erotik-Dramedy (ab Freitag, 16. Oktober) in den intimsten Momenten. Doch während bei Julie (Salka Weber) und Valentin (Martin Bruchmann) der Hund dazwischenfunkt, werden Bella (Mona Pirzad) und Leo (Pascal Houdus) von ihren Kindern vom Liebesglück abgehalten. Und Paul (Fridolin Sandmeyer)? Der weist die Fantasien seiner Frau Anna (Paula Kalenberg) denkbar spießig zurück.

Kurz gesagt: Die drei Paare - alte Freunde aus Schulzeiten - stecken alle auf ihre ganz eigene Art und Weise in der Routine fest. Das allzu geregelte, mithin freudlose Dasein bringt dann aber ein Rückkehrer gewaltig ins Wanken: Der einstige Schulschwarm Samu (Eric Cordes) lässt sich nach seinen DJ-Abenteuern wieder in der Heimat von einst blicken. Er lebt mit Partnerin Siena (Lilja van der Zwaag) das vermeintlich prickelnde (Liebes-)Leben, das sich auch die anderen Paare wünschen.

Und plötzlich tut sich die Chance auf mehr Aufregung auch für den Rest auf: Bei einem gemeinsamen Abendessen laden Samu und Siena infolge eines Trinkspiels den Rest der Truppe zu einem Spiel der besonderen Art ein. Alle Männer werfen ihre Schlüssel in eine Schale. Anschließend schnappt sich jede Frau einen der Schlüssel - und verbringt mit dem Besitzer die Nacht. Doch was lustig klingt, provoziert einige Konflikte ...

Die optischen Schauwerte des Prime Originals mögen stimmen. Doch egal, ob die eher flachen Charaktere oder die wenig überraschenden Handlungswendungen, so recht im Kopf bleibt „Friends Sex and Games“ nicht. Ob die Serie an den Erfolg der mexikanischen Vorlage „El Juego de las Llaves“ anknüpfen kann, darf also bezweifelt werden: Die bringt es bereits auf drei Staffeln, eine weitere ist angekündigt.

„VisionQuest“ - Disney+

Edmund Hillary (Tom Hiddleston, links) und  Tenzing Norgay (Genden Phuntsok) gelingt 1953, was niemals zuvor ein Mensch schaffte: Sie besteigen den Mount Everest.  (Bild: Apple)

Edmund Hillary (Tom Hiddleston, links) und Tenzing Norgay (Genden Phuntsok) gelingt 1953, was niemals zuvor ein Mensch schaffte: Sie besteigen den Mount Everest. (Bild: Apple)

Erinnerungen sind eine feine Sache. Aber nur, wenn sie einem auch gehören und man das Leben dazu selbst gelebt hat. Bei Marvels Superhelden Vision (Paul Bettany) ist das schwierig: Schließlich ist er tot, sogar zweimal gestorben. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich (ab Mittwoch, 14. Oktober, in acht Episoden bei Disney+) auf die Suche nach seinem Ich zu machen: „VisionQuest“ ist die wohl ungewöhnlichste Serie im an Ungewöhlichkeiten nicht gerade armen Marvel-Universum und beschließt nach „WandaVision“ und „Agatha All Along“ eine vertrackte Familientrilogie.

Kurzer Rückblick: Vision ist eine Art KI in einem Körper aus Vibranium. Nach seinem gewaltsamen Tod wurde seine Hülle als White Vision wieder zusammengesetzt, allerdings ohne all das, was ihn als Person ausgemacht hatte. Doch am Ende von „WandaVision“ bekam er die Erinnerungen seines früheren Ichs zurück - und verschwand eine Weile. Nun ist er zurück und muss klären, ob sein erinnertes Leben auch sein eigenes ist. Wenn er sich an die Liebe zu Wanda Maximoff/Scarlet Witch erinnert, ohne sie selbst erlebt zu haben: Ist sie dann echt? Macht ihn die bloße Erinnerung an seine Söhne auch zu ihrem Vater?

Weil sich Vision jede Menge komplizierte Gedanken macht, lässt Showrunner Terry Matalas die Serie viel im Kopf des Superhelden spielen. Während sich dort alte Marvel-KIs und Visions Quasi-Vater Ultron (James Spader) materialisieren, flieht Vision in der echten Welt vor Kopfgeldjägern. An seiner Seite: ein mysteriöser Junge, der behauptet, sein Sohn Tommy zu sein. Womit sich der Kreis um die ungewöhnliche Familiengeschichte von Vision und seiner großen Liebe Wanda schließen würde.

„Tenzing“ - Apple TV

Tenzing Norgay und Edmund Hillary gelang am 29. Mai 1953, was zuvor noch kein Mensch schaffte: Sie bestiegen den Mount Everest. Das Apple-Drama „Tenzing“ (ab Freitag, 16. Oktober) rückt nun die wenig bekannte Geschichte des nepalesisch-indischen Bergsteigers und Angehöriger des Volkes der Sherpa in den Mittelpunkt, die auch viel mit dem Kampf um Akzeptanz zu tun hatte.

Um ein Haar wäre Tenzing (im Film gespielt von Genden Phuntsok) nämlich nur der Wegbereiter für das britische Bergsteigerteam um Edmund Hillary (“Loki“-Star Tom Hiddleston) unter Leitung des britischen Offiziers John Hunt (Willem Dafoe) gewesen. In der Expeditionssekretärin Jill Henderson (“Outlander“-Star Caitríona Balfe) aber fand er eine wichtige Verbündete.

Die australische Regisseurin Jennifer Peedom und der australische Drehbuchautor Luke Davies erzählen diese spannende Geschichte als rund zweistündiges Drama. Zur Vorbereitung auf den Film, so berichtet unter anderem das US-amerikanische Branchenmagazin „Variety“, seien Peedom und die beiden Hauptdarsteller Phuntsok und Hiddleston selbst zum Basislager des Mount Everests gewandert. (tsch)