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„Hillside Stranglers“Das wurde aus den berüchtigten Serienmördern

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Angelo Buono und Kenneth Bianchi sorgten als „Hillside Stranglers“ für Angst und Schrecken in Los Angeles.

Angelo Buono und Kenneth Bianchi sorgten als „Hillside Stranglers“ für Angst und Schrecken in Los Angeles. (Archivbild)

Vor 50 Jahren terrorisierten die „Hillside Stranglers“ Los Angeles. Was aus den Serienmördern wurde – und warum der Fall heute noch relevant ist.

Los Angeles wurde vor fast 50 Jahren durch die „Hillside Stranglers“ in einen Ausnahmezustand versetzt. Hinter dem Namen standen die Cousins Kenneth Bianchi und Angelo Buono, denen vorgeworfen wird, zwischen Oktober 1977 und Februar 1978 zehn Frauen entführt, missbraucht und getötet zu haben.

Wer waren die „Hillside Stranglers“?

Nach seinem Wegzug aus Kalifornien ermordete Bianchi im Bundesstaat Washington zwei weitere Frauen. Ihren Namen erhielten die Täter, weil zahlreiche Leichen in den Hügeln rund um die Metropole abgelegt wurden. Zum Tatzeitpunkt war Bianchi 27 Jahre alt, Buono 44.

Der Fall beschäftigt die Öffentlichkeit laut dem Magazin „People“ bis heute. Am 18. Januar 2026 feierte auf der Streaming-Plattform MGM+ die vierteilige True-Crime-Dokuserie „The Hillside Strangler“ Premiere, die den Fall mit neu aufbereiteten Materialien, aktuellen Einordnungen und bislang kaum bekannten Details erneut ins Licht der Gegenwart rückt.

Opfer zwischen 12 und 28 Jahren: Wer die Frauen waren

Die Opfer des berüchtigten Duos waren zwischen 12 und 28 Jahre alt. Als erstes bekanntes Todesopfer gilt die 19-jährige Yolanda Washington, deren Leiche im Oktober 1977 entdeckt wurde. In den folgenden Monaten wurden neun weitere Frauen auf ähnliche Weise getötet, darunter Judith Miller, Lissa Kastin und Kristina Weckler.

Unter den Opfern befanden sich junge Frauen mit Schauspielambitionen ebenso wie ausgerissene Jugendliche und Prostituierte. Um die Frauen zu Angelo Buonos Wohnsitz zu bringen, gaben sich die Täter häufig als Polizeibeamte aus. Ein Entführungsversuch an Catharine Lorre Baker, der Tochter des Schauspielers Peter Lorre, scheiterte, weil die Männer von ihrem Vorhaben abließen.

Festnahme nach weiteren Morden: Der Wendepunkt im Fall

Anfang 1978 endete die Mordserie in Los Angeles abrupt. Erst ein Jahr später gelang es den Ermittlern, die Täter zu identifizieren. Im Januar 1979 wurde Kenneth Bianchi im Bundesstaat Washington festgenommen, wo er zu diesem Zeitpunkt als Sicherheitsmann arbeitete. Anlass war der Mord an zwei Studentinnen.

Bianchi hatte Karen Mandic (22) und Diane Wilder (27) mit dem Vorwand eines Haus-Sitting-Auftrags in ein Gebäude gelockt, sie dort missbraucht und getötet. Im Zuge der Ermittlungen gestand er unter Hypnose seine Beteiligung an fünf der Morde in Los Angeles und belastete seinen Cousin Angelo Buono schwer.

Einer der größten Strafprozesse Kaliforniens

Der Prozess gegen Angelo Buono begann 1981 und entwickelte sich zu einem der längsten und teuersten Verfahren in der Geschichte der kalifornischen Justiz. Nach Angaben des US-Fernsehsenders A&E zog er sich über zwei Jahre hin, umfasste rund 400 Zeugenvernehmungen und mehr als 50.000 Seiten Aktenmaterial.

Besonders bemerkenswert ist die Rolle der US-Autorin Veronica Lynn Compton, die 1980 den Kontakt zu Kenneth Bianchi suchte und sich in eine obsessive Liebesbeziehung mit ihm verstrickte. In dem Wahn, seine Unschuld beweisen zu wollen, versuchte sie in Bellingham, eine Frau zu töten, um die Ermittler an einen weiteren Täter glauben zu lassen. Der Mordversuch scheiterte.

Auf Grundlage belastender Briefe von Bianchi wurde Compton festgenommen und wegen versuchten Mordes verurteilt. Nach 22 Jahren Haft kam sie 2003 frei und verarbeitete ihre Erfahrungen später in dem umstrittenen Buch „Eating the Ashes“.

Der Prozess gegen Bianchi und Buono wurde durch Compton weiter verkompliziert. Die Anklage stützte sich dennoch vor allem auf die Aussagen von Bianchi selbst, der sich als problematischer Zeuge erwies und seine Darstellung der Ereignisse mehrfach änderte. Zeitweise erwog die Staatsanwaltschaft sogar, das Verfahren einzustellen. Richter Ronald George ordnete jedoch an, den Prozess fortzuführen.

Das wurde aus Angelo Buono und Kenneth Bianchi: Einer der „Hillside Stranglers“ lebt noch

Am Ende wurde Angelo Buono für neun der Morde zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung verurteilt. Er starb 2002 im Calipatria State Prison im Alter von 67 Jahren an einem Herzinfarkt.

Auch Kenneth Bianchi verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe, derzeit im Staatsgefängnis Walla Walla im Bundesstaat Washington. Seine Anträge auf vorzeitige Entlassung wurden mehrfach abgelehnt, zuletzt auch 2010.

Im Juli 2025 wurde sein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung erneut abgelehnt. Es war bereits seine achte Ablehnung durch das zuständige Gremium; er kann erst wieder in ungefähr zehn Jahren um Freilassung bitten. Bianchi bestreitet bis heute seine Schuld und erklärt, sein Geständnis sei unter Zwang erfolgt. Im Jahr 2023 ließ der heute 74-Jährige seinen Namen in Anthony D’Amato ändern.