„Das fand ich erschreckend.“ Thomas Helmer, Mitglied der Europameistermannschaft von 1996, ging bei der Rückschau auf die allzu schnell für das deutsche Team beendete Fußball-Weltmeisterschaft hart ins Gericht. Mit der aktuellen Spielergeneration und dem ehemaligen Nationalcoach.
„Ich wäre ausgeflippt!“ Das wirft Europameister Thomas Hellmer Ex-Nationalcoach Nagelsmann vor

1996 wurde Thomas Helmer mit der deutschen Nationamannschaft Fußball-Europameister. Jetzt übte er in „Volle Kanne“ (ZDF) Kritik - auch an seinen Nachfolgern auf dem Platz. (Bild: ZDF)
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Jürgen Klopp, der neue Fußball-Bundestrainer, bekommt von Ex-Nationalspieler Thomas Helmer (61) eine Menge Vorschusslorbeeren. „Der Jürgen, der bringt die Euphorie mit. Die Begeisterung, das merkt man. Die Lust auf Nationalmannschaft“, sagte Helmer, Mitglied der Europameistermannschaft von 1996, bei seinem Besuch bei „Volle Kanne“. Im ZDF ging er gegenüber Moderatorin Nadine Krüger aber auch hart ins Gericht. Mit Klopps Vorgänger und seinen eigenen Nachfolgern als Spielern.
Helmer, 68-facher Nationalspieler und in der Bundesliga insgesamt 390-mal für Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Bayern München und Hertha BSC Berlin im Einsatz, sah Fehler beim nach der WM ausgeschiedenen Julian Nagelsmann. Einer der größten: „Er hätte auch mal ins Stadion gehen sollen. Sich zeigen sollen. Das sind seine Spieler - das ist auch eine Respektfrage gegenüber den Spielern, finde ich.“

1996 wurde Thomas Helmer mit der deutschen Nationamannschaft Fußball-Europameister. (Bild: 2024 Getty Images/Victor Boyko)
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Helmer geht ab November als Moderator und gemeinsam mit Mario Basler, ehedem sein Mannschaftskollege beim „FC Hollywood“ Bayern München, als Bühnenpartner mit „Doppelpass auf Tour“ bis zum Saisonende 2027 auf große Tournee. Im ZDF deutete Helmer an, dass sich die fehlende Bindung zwischen Coach und Spielern auch auf deren Performance beim Turnier in Amerika ausgewirkt haben könnte. „Ich fand's erschreckend, dass sie sich nicht gewehrt haben. Nicht auf dem Platz, aber auch nicht neben dem Platz.“
Thomas Helmer setzt Hoffnung in Jürgen Klopp: „Der bringt Euphorie mit“
Helmer wollte nicht die „Früher war alles besser“-Leiher anstimmen, aber: „Früher war es was Besonderes, für eine EM oder WM berufen zu werden.“ Was das für ihn bei einem Turnier wie diesem bedeutet hätte: „Ich wär ausgeflippt! Auf dem Platz. Gut, hätte vielleicht auch 'ne rote Karte gegeben. Aber dann hätte es wenigstens eine Reaktion gegeben.“
Vielleicht liegt's aber auch am System. Auch das ist anders geworden. Nicht überall zum Vorteil. Die viel zitierten Spieler mit Ecken und Kanten fehlten, gab Helmer Moderatorin Krüger recht. Woran das liege? „Es wird den Spielern zu viel abgenommen. Es ist schwierig, sich selbst zu entwickeln. Es wird nicht zugelassen. Es wird alles vorgegeben. Wie sie zu trainieren haben, wie sie sich zu verhalten haben, wie sie sich in Interviews zu geben haben.“ Helmers Schlussfolgerung: „Ich finde das sehr schade. Es gehört dazu, dass man gerade als junger Spieler Fehler macht, daraus lernt und sich dadurch entwickelt.“
Nationalmannschaft sei „für uns immer das größte“ gewesen, „egal ob als Spieler oder als Fan. Das sollte wieder so sein.“ Mit Klopp verbindet Helmer viel Hoffnung. Der sei auch kein Wunderheiler und könne nicht gleich alles optimal verbessern können. „Aber die Stimmung schon.“ Und das sei die halbe Miete, so Helmer: „Wenn der Fan und der Zuschauer das Gefühl haben, es wird alles getan, alles gegeben, dann ist das zwar ein kleiner, aber der wichtigste Schritt.“ (tsch)