Wen, will Markus Lanz wissen, hat sein US-amerikanischer Interviewpartner Wayne bei der letzten Präsidentschaftswahl gewählt? „Leider Trump“, gesteht der Ladenbesitzer, den der ZDF-Moderator in seinem Store in Miami besucht. In seiner Reportage „Amerika ungeschminkt: Was kommt nach Trump?“ trifft Markus Lanz anlässlich der bevorstehenden Zwischenwahlen vor allem Trump- und MAGA-Unterstützer - oder solche, die es mal waren.
So wie Wayne. Sein Beweggrund, Donald Trump seine Stimme zu geben, sei denkbar simpel gewesen: „Er war halt Republikaner. Ich habe immer republikanisch gewählt.“ Dass dank Trumps harter Einwanderungspolitik auch Waynes Verlobte abgeschoben werden würde, habe er nicht kommen sehen.

In Alabama begegnet Markus Lanz Tankstelleninhaber Larry, der trotz hoher Spritpreise weiter zu Trump steht. (Bild: ZDF/Anabel Münstermann)
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Nach ihrer Festnahme durch ICE-Beamte sei die gebürtige Kubanerin elf Monate lang festgehalten worden, erzählt Wayne im Gespräch mit Markus Lanz. „Und dann verschwindet sie plötzlich. Sie haben sie in einen Bus gesetzt und an einen Ort direkt an der Grenze gebracht. Dann musste sie zu Fuß über die Grenze gehen. Ohne Geld, ohne Orientierung, ohne Schlafplatz, ohne Adresse.“ Inzwischen sitze sie in Mexiko fest, einem Land, zu dem sie keinerlei Bezug habe.
„Ich habe im Laufe dieser ganzen Sache definitiv viel gelernt“, sagt Wayne nun. „Es ist schlimm, dass es so kommen musste. Und glauben Sie mir: Ich mache mir deswegen Vorwürfe.“ Er fühle sich „schuldig“, erklärt er. Und: „Ich fühle mich von diesem Land verraten.“
„Ich liebe meinen Präsidenten, aber wir brauchen Hilfe“
Nur wenige Kilometer von Wayne entfernt lebt Tony - eigentlich ein treuer Trump-Wähler. Doch auch er erklärt im Gespräch mit Lanz, vom Präsidenten enttäuscht zu sein. „Ich glaube, er hat damit einen Fehler gemacht“, sagt er in Bezug auf den Krieg im Iran. „Er hätte warten können, denn das Problem bei seinem Amtsantritt war die Wirtschaftslage. Was er aber gemacht hat, hat die Wirtschaft verschlechtert. Ich habe zwar für ihn gestimmt, aber er hat falsch gehandelt.“

Kurz vor den Zwischenwahlen will Markus Lanz herausfinden, welchen Stellenwert Trumps MAGA-Bewegung heute noch hat - und wie sie auf den Präsidenten blickt. (Bild: ZDF/Anabel Münstermann)
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Nicht wenige MAGA-Anhänger haben der Bewegung den Rücken gekehrt, aus unterschiedlichsten Motiven. Andere wiederum halten zum Präsidenten, auch wenn sie mit dessen Politik bisweilen nicht einverstanden sind. So etwa Tankstellenbesitzer Larry, der trotz hoher Spritpreise Trump verteidigt. „Ich liebe meinen Präsidenten, aber wir brauchen Hilfe“, sagt er zu Lanz. „Er muss nur endlich ein paar dieser Ölquellen wieder in Betrieb nehmen. Endlich wieder Öl sprudeln lassen.“
Mit wem der ZDF-Polittalker auch spricht: Eine gespaltene Gesellschaft, wie er sie vor seiner Recherche erwartet hätte, sucht er in den Vereinigten Staaten vergebens. Vielmehr seien es ähnliche Themen, die Trumps Anhänger und seine Widersacher beschäftigen. „Was mir gerade die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist die Rolle von uns. Von uns Medien“, sinniert Lanz am Ende seiner Reise. „Weil ich das Gefühl habe, vieles von dem, was an großen Erzählungen die ganze Zeit durch die Welt geistert, existiert in Wahrheit so entweder nur zum Teil oder auch gar nicht.“
Markus Lanz glaubt, die amerikanische Zukunft „wird noch mal deutlich radikaler sein“
Immerzu sei „die Rede von dieser unglaublich polarisierten amerikanischen Gesellschaft“. Doch Lanz stellt fest: „Ich hab hier keine polarisierte Gesellschaft gefunden. Ich habe Menschen gefunden, die sich Gedanken machen um Politik. Die betroffen sind - unmittelbar - von den Auswirkungen von Politik.“
Eine Antwort auf seine ursprüngliche Frage, „Was kommt nach Trump?“, will Markus Lanz dennoch gefunden haben. „Ich glaube, das nächste, was wir sehen werden, wird noch mal deutlich radikaler sein“, prognostiziert der Journalist. „Noch deutlich mehr Isolationismus, noch deutlich mehr 'America First'. Die Leute haben unfassbar die Nase voll davon, dass sie sich nicht gehört fühlen. Dass sie sich nicht gesehen fühlen.“
Der gesamte Film ist vor der linearen Ausstrahlung zur Primetime bereits ab Vormittag des Wahltags am Dienstag, 3. November, im Streamingportal des ZDF abrufbar. (tsch)
