„Doping hat mich zehn Jahre gekostet. Es hat mich gekillt“, gestand Jan Ullrich bei „Inas Nacht“. Als er damals wegen Dopings aussortiert wurde, so erzählte die Rad-Legende, hätte er seine ganze Branche mit in den Abgrund reißen können.
Jan Ullrich erklärt bei „Inas Nacht“„Ich hätte den ganzen Radsport auffliegen lassen können“

Beste Laune trotz - ehemaliger - dunkler Zeiten: Jan Ullrich zeigte sich bei „Inas Nacht“ gegenüber Gastgeberin Ina Müller aufgeräumt, sympathisch und vor allem ehrlich: „Doping hat mich gekillt.“ (Bild: NDR/ARD/Morris Mac Matzen)
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„Ich hätte damals den ganzen Radsport auffliegen lassen können.“ Das sagte Jan Ullrich (52), deutsche Radsport-Legende und einziger deutscher Tour-de-France-Sieger (1997), am Donnerstagabend bei „Inas Nacht“. Seiner Gastgeberin Ina Müller (61) offenbarte er auch, warum er es nicht tat. „Dafür hab ich meinen Sport zu sehr geliebt.“ Und: „Ich wollte niemanden reinreiten.“
Dabei wäre es leichtes Spiel gewesen, damals 2006, als „Ulle“ am Tag vor dem Start wegen Dopings von der Tour de France ausgeschlossen wurde. Denn: „Doping war damals gang und gäbe. Es hat einfach dazugehört.“ Tenor: Alle haben es gemacht. Und nicht nur im Radsport. „Wir haben uns angepasst an das, was andere schon gemacht haben“, erzählte Ullrich bei „Inas Nacht“. „Und uns dann eingeredet: Das ist ja kein Doping. Wenn es alle machen, kommt's doch wieder auf Talent und Können an.“
„Es war trotzdem eine Sch...zeit“, resümierte Ullrich ehrlich. Aber „immerhin“ sei aus den Sachen, „die wir damals verzapft haben, jetzt ein sauberer Sport entstanden.“ Heute gäbe es bessere wissenschaftlichere Erkenntnisse. „Drei Wochen Höhentrainingslager haben ungefähr denselben Effekt, wie es damals mit EPO-Doping geschafft wurde.“ Ina Müller wirkte nicht überzeugt: „Mal gucken, was der nächste neue Shit ist.“ Beim latenten Zweifeln am sauberen Sport schloss sich Ullrich selbst nicht aus: „Meine Hand lege ich auch nicht ins Feuer, aber ich will glauben, dass alles sauber ist.“
Ist der Radsport heute sauber? Jan Ullrich „legt nicht die Hand ins Feuer“
Ullrich führt, nach Jahren der Lebenskrisen mit Unfällen, Eskapaden, haufenweise Zigaretten, „zwei Flaschen Johnny Walker am Tag“ und Gerichtsverfahren, wieder „ein gutes und glückliches Leben“. Dadurch könne er auch akzeptieren, dass auch die dunklen Zeiten zu seinem Leben gehörten, ihn als Menschen ausmachten. „Hölle und Himmel - ich habe alles irgendwie schon gehabt.“
Als Ina Müller ihren Gast nach Til Schweiger fragte, wurde es kurz still im „Schellfischposten“. Denn 2018 wurde Ullrich kurzzeitig verhaftet, weil er auf Mallorca auf dem Grundstück seines Nachbarn - eben Schauspieler Til Schweiger - randalierte. Ganz unaufgeregt meinte Ullrich, man habe noch Kontakt. „Ja, klar. Til ist ein Freund von mir. Wir haben uns damals gestritten, aber wir haben das, wie es in einer guten Freundschaft ist, längst beigelegt.“ (tsch)