Deutschland hat „Rücken“ - und bei vielen schlagen gängige Therapie-Ansätze nicht mehr an. Eine ZDF-Reportage aus der Reihe „plan b“ begleitet eine Niedersächsin, die in ihrer Verzweiflung einen elektrischen Impulsgeber nah der Wirbelsäule implantieren lässt.
Karin (56) verzweifelt an ihren Rückenschmerzen - ein neuartiges Implantat ist ihre „letzte Möglichkeit“

Rückenpatientin Karin lässt sich von Neurochirurg Torsten Eichenauer untersuchen. (Bild: ZDF)
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Wenn Karin mit ihren Freundinnen und Freunden auf traditionelle „Kohltour“ geht, ist der Wanderspaß für sie schon vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Rund 500 Meter hält die 56-jährige Niedersächsin durch, dann muss sie sich setzen. Ihr unterer Rücken macht zu.
Vor fünf Jahren haben die Schmerzen beim Stehen und Gehen angefangen - und es wird immer schlimmer, klagt die Industriekauffrau in einer neuen ZDF-Reportage aus der Reihe „plan b“. Während der Rest der Gruppe weiterwandert, wird Karin von einer Freundin mit dem Auto aufgelesen. „Das ist echt blöde. Ich komm' mir vor wie eine alte Tante, die abgeholt werden muss.“
Mit ihren Rückenschmerzen ist Karin in Deutschland nicht allein. In einer „Gesellschaft der Vielsitzer“ sind sie zum Volksleiden geworden. Mangelnde Bewegung, Übergewicht und psychischer Stress zählen zu den Risikofaktoren. 81 Prozent der Deutschen haben laut Statistik binnen eines Jahres mindestens einmal Rückenschmerzen. Rund ein Drittel geht damit zu Arzt. Aber, noch eine eindrucksvolle Zahl, bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten wird keine eindeutige Ursache gefunden.
„Ich weiß nicht, was ich sonst noch machen soll“

Neurochirurg Torsten Eichenauer vom Medizinischen Versorgungszentrum in Nienburg implantiert Patienten und Patientinnen einen Neurostimulator gegen Rückenschmerzen, wenn keine andere Therapie angeschlagen hat. (Bild: ZDF / Judith Arnold)
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Auch diese frustrierende Erfahrung teilt Karin. Von Reha-Sport bis Chiropraktik habe viel sie probiert - und nichts habe geholfen. „Ich weiß nicht, was ich sonst noch machen soll“, sagt sie ratlos im ZDF-Film. Bis auf eine „letzte Möglichkeit“, die sich für sie auftut, aber mit einem operativen Eingriff verbunden ist.
In Nienburg bietet Neurochirurg Dr. Torsten Eichenauer als einer der Ersten in Deutschland eine Operation an, bei der ein kleines Gerät ähnlich einem Herzschrittmacher nah der Wirbelsäule implantiert wird. Von dort aus soll der „Neurostimulator“ die verkümmerte Tiefenmuskulatur durch elektrische Impulse reaktivieren. Karins Körper habe nämlich bestimmte Muskelgruppen „vergessen“ und nehme sie deshalb „nicht mehr in Betrieb“, erklärt der Fachmann. Das Implantat funktioniere, so heißt es im Film, wie „ein gezieltes Training von innen“.
Leicht tut sich die Patientin mit der Entscheidung nicht. Lange habe sie überlegt und sich schließlich für den Eingriff entschieden, berichtet sie vor der Kamera von Film-Autorin Judith Arnold: „Ich will wieder mobiler sein, so wie früher. Einfach mal wieder shoppen gehen.“
„Ein System, das nicht mehr wegzudenken sein wird“
30 Minuten dauert der minimalinvasive Eingriff, bei dem zwei Elektroden an die Lendenwirbelsäule geführt werden. Dort werden sie später elektrische Reize des Impulsgebers senden, der seitlich oberhalb des Pos implantiert wird.
Von den gesetzlichen Krankenkassen werde der Eingriff meist bezahlt, heißt es in der Reportage, wenn auch bisweilen nur auf Antrag. Der Operateur Torsten Eichenauer hält das für gerechtfertigt: „Wir sparen schlussendlich Kosten. Wir sparen Arbeitslosigkeit oder Berentung von jungen Rückenschmerzpatienten. Und deshalb, glaube ich, ist das ein System, das in unserem Alltag bei jungen Rückenschmerzpatienten nicht mehr wegzudenken sein wird.“
Fünf Monate nach dem Eingriff wird seine Patientin noch mal vom Filmteam befragt. „Alle 20 Sekunden kriege ich Stromimpulse. Man merkt da gar nicht so viel von. Ein bisschen wie Baucheinziehen“, beschreibt Karin die tägliche halbstündige Prozedur. Viel mehr könne sie leider noch nicht sagen. Eine Verbesserung des Krankheitsbildes zeige sich erst nach sechs bis neun Monaten.
„plan b: Was macht uns gesund? Nie wieder Rücken!“ ist am Sonntag, 20. September, um 15.45 Uhr im ZDF zu sehen und schon jetzt im ZDF-Streaming. (tsch)