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Kölner „Tatort“ über böse TV-EntertainerDiese deutschen Kinderformate sind Kult!

4 min
KTU-Chefin Natalie Förster (Tinka Fürst), Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in einem Fernsehstudio. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

KTU-Chefin Natalie Förster (Tinka Fürst), Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in einem Fernsehstudio. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Im Kölner „Tatort: Showtime“ mit Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) bekommt die Fernsehwelt selbst ihr Fett weg: Bei einem bekannten TV-Format für Kinder geht es hinter den Kulissen garstig zu. Welche deutschen Fernseh-Vorbilder sollte man kennen? Und wer war der böse Kinderstar?

Wer an ein Bildungs- und Unterhaltungsformat für Kinder in Deutschland denkt, das für jahrzehntelange TV-Tradition steht, landet man schnell bei „Die Sendung mit der Maus“. Nach „Unser Sandmännchen“ (seit 1959) ist „die Maus“ das zweitälteste noch laufende Programm für Kinder in Deutschland. Seit 1971 produziert der WDR, der wohl nicht ganz zufällig auch „Tatort: Showtime“ erschuf, die Lach- und Sachgeschichten für junge Zuschauer.

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) suchen im „Tatort: Showtime“ in und hinter den Kulissen der legendären Kindersendung „Sachen und Lachen“ einen Mörder. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) suchen im „Tatort: Showtime“ in und hinter den Kulissen der legendären Kindersendung „Sachen und Lachen“ einen Mörder. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

In vielen Elementen spielte die fiktive Sendung „Sachen und Lachen“ im Krimi darauf an. Welche realen deutschen Kultkindersendungen sollte man kennen? Was schauten die Ü 60-Kommissare Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, als sie klein waren? Und warum war die Besetzung des bösen Kinder-TV-Stars mit Comedian Max Giermann ein ziemlicher Coup?

Worum ging es?

Frank Anders (Max Giermann) ist das Gesicht der beliebten Kindersendung „Sachen und Lachen“.  (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Frank Anders (Max Giermann) ist das Gesicht der beliebten Kindersendung „Sachen und Lachen“. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Frank Anders (Max Giermann) ist seit Jahrzehnten ein Star des Kinderfernsehens. Als Gesicht der Sendung „Sachen und Lachen“ klärt er in wechselnden Kostümen und Rollen junge Fernsehzuschauer über die Wunder der Welt auf. Wie ist die Demokratie entstanden? Was muss man über das Weltall wissen? Und natürlich: Welches Verhalten ist richtig und welches falsch?

Privat jedoch ist Frank Anders anders. Abseits der Kamera ist der TV-Star ein Narzisst und cholerischer Wüterich. Als Franks langjähriger Kameramann Stefan Glück (Niels Bormann) - genannt Happy - ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos gefunden wurde, begannen die Kölner Kommissare auf dem Studiogelände zu ermitteln.

Worum ging es wirklich?

Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bewegen sich im „Tatort: Showtime“ immer wieder auf dem Studiogelände, wo die Kindershow rund um den Fall entsteht. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bewegen sich im „Tatort: Showtime“ immer wieder auf dem Studiogelände, wo die Kindershow rund um den Fall entsteht. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Der launige Krimi der Drehuchautoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf (“Club der roten Bänder“) ist gleichzeitig eine Hommage wie auch eine bissige Satire auf die Welt der Fernsehunterhaltung. Der größte Wurf ist dabei die Besetzung der Episodenhauptrolle mit dem brillanten Parodisten und Verwandlungskünstler Max Giermann (“Switch Reloaded“).

Kameramann Stefan Glück (Niels Bormann) gehört von Anfang an zum Team der legendären Kindershow „Sachen und Machen“ - und wird dann ermordet. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Kameramann Stefan Glück (Niels Bormann) gehört von Anfang an zum Team der legendären Kindershow „Sachen und Machen“ - und wird dann ermordet. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Der 50-jährige Komiker zeigt hier die dunklen Seiten der Komik und kann dabei eindrucksvoll glänzen. „Showtime“ gehört zu den unterhaltsamsten „Tatort“-Folgen seit Langem - und kommt dennoch nicht ohne Botschaften aus. Eine davon: Begegne deinem Idol lieber nicht, die Enttäuschung könnte groß sein.

Eine andere lautete: Wirf keinen Blick hinter die Kulissen von Film und Fernsehen, denn dort findet sich oft entweder Leere oder das Gegenteil der nach außen gezeigten Empathie. Fernsehen kann - von innen betrachtet - mitunter erstaunlich grausam sein.

Was sind die kultigsten Kindersendungen Deutschlands?

„Der Tapir“ Yassin Meret (Erkan Acar, links) und Star-Moderator Frank Anders (Max Giermann) sind zwei schwierige Charaktere, die immer wieder ihre Auseinandersetzungen haben. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

„Der Tapir“ Yassin Meret (Erkan Acar, links) und Star-Moderator Frank Anders (Max Giermann) sind zwei schwierige Charaktere, die immer wieder ihre Auseinandersetzungen haben. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Wie entsteht überhaupt Kultfernsehen? Nun, dazu muss ein Format lange laufen und im Rückblick besondere Figuren sowie Erzählformen aufweisen, die unverwechselbar sind oder waren. Formate wie „Die Sendung mit der Maus“ (seit 1971), „Unser Sandännchen“ (seit 1959), „Löwenzahn“ (seit 1981), „Sesamstraße“ (dt. Fassung seit 1973), „1, 2 oder 3“ (seit 1977) oder „Die Biene Maja“ (dt. Version seit 196/77) sind nicht deshalb Kult, weil sie spektakulär waren, sondern weil sie sehr klar, wiederholbar und verlässlich funktionieren.

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) befragen Praktikantin Marie Wolters (Bineta Hansen), die sämtliches Videomaterial der Show unter Kontrolle hat. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) befragen Praktikantin Marie Wolters (Bineta Hansen), die sämtliches Videomaterial der Show unter Kontrolle hat. (Bild: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Die Maus erklärt, das Sandmännchen beruhigt, die Sesamstraße verbindet Lernen mit Figurencharme und Löwenzahn macht Neugier zum Prinzip. Gerade diese Mischung aus Wiederholung und kleinen Variationen macht diese Kultsendungen für Kinder verständlich und für Erwachsene erinnerbar.

Was schauten die Kommissare, als sie klein waren?

Schauspieler Dietmar Bär kam 1961 in Dortmund zur Welt. Über seine TV-Erfahrungen als Kind sagt der Karl May-Fan: „Am Sonntagnachmittag verschwand man natürlich in der 'Augsburger Puppenkiste'. Ein Straßenfeger für Träger von kurzen Hosen war damals auch: 'Sport-Spiel-Spannung', eine regelrechte Show für Kinder und Jugendliche mit dem Schülerquiz 'Zwei aus einer Klasse', Filmausschnitten von Disney & Co. und Berichten aus der Welt des Sports, moderiert von dem großen Kollegen Klaus Havenstein!“

Auch sein Kollege Klaus J. Behrendt, 1960 in Hamm geboren, äußert sich zu seiner frühen Fernseh-Sozialisation: „Meine Helden kamen aus dem Schwarzweiß-Fernseher - Cowboyhut, Taucherflossen, vier Pfoten. Mit 'Bonanza', 'Flipper“ und 'Lassie' habe ich Abenteuer, Mut und Treue erlebt - und genau das trage ich bis heute in mir.“

Wie geht es beim Kölner „Tatort“ weiter?

Drei weitere Fälle mit Ballauf und Schenk sind abgedreht oder in Arbeit. Der nächste „Tatort: Die letzten Menschen von Köln“ (Folge 96) erzählt vom Ausnahmezustand in der Stadt wegen der Bergung einer Weltkriegsbombe. Ballauf und Schenk müssen innerhalb dieses Szenarios den Mord an einem Berufsschullehrer aufklären, der mit einem Jagdmesser getötet wurde. Gedreht wurde unter anderem in einem Atombunker in Köln-Kalk. Mit diesem Kölner „Tatort“ ist definitiv noch 2026 zu rechnen.

Es folgt der „Tatort: Die guten Leute“ (Folge 97) über den Raubmord in einer Bio-Bäckerei: Ein junger Geselle liegt erschlagen in der Backstube, im Büro fehlen 20.000 Euro. Eigentlich ist die Bäckerei ein Familienunternehmen im besten Sinne - doch der Schein trügt offenbar.

Um den Jahreswechsel 2025/26 entstand sogar bereits Fall 98 mit dem Arbeitstitel „Tatort: Der Glücklichmacher“: Im Kölner Villenviertel Hahnwald wird darin ein ehemaliger Modefürst und Lebemann der Upper Class tot im Wald aufgefunden. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare auf eine zerrüttete Familie, die sich schon vor Jahren von ihm abgewandt hat. Dieser Film wird erst 2027 im Programm auftauchen. (tsch)