Mit Sorge im Blick: Frederik X. empfängt zur Audienz. Die Grönland-Krise lastet schwer auf dem Monarchen.
Royales MenetekelKönig Frederik X. und seine wachsende Sorge um Grönland

König Frederik wirkt am Montag sehr nachdenklich.
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Wenn König Frederik X. dieser Tage die prunkvollen Flure von Schloss Christiansborg durchschreitet, hallt das Klackern seiner Schritte über den Marmorboden nahezu ungestört wider. Von der früher oft beschriebenen Leichtigkeit und der beinahe jugendlichen Energie des Monarchen ist wenig zu spüren.
Stattdessen wirkt Frederik X. laut dänischen Medien wie „Berlingske“ und „Billed-Bladet“ deutlich ernster, fast schwer. Bei seiner ersten öffentlichen Audienz des Jahres am Montag (19. Januar 2026) präsentierte sich der König zwar pflichtbewusst, zugleich aber spürbar angespannt – ein Auftritt, der in Dänemark aufmerksam registriert wurde.
Grönland trifft Frederik ins Mark: Warum Trumps Drohungen den dänischen König persönlich treffen
Ohne Voranmeldung oder Einladung konnten ganz gewöhnliche Bürger – vom pensionierten Lehrer bis zur Krankenschwester – vor ihren König treten. Sie kommen, um persönlich „Danke“ zu sagen: für eine Verleihung des Dannebrogordens, eine Beförderung im Staatsdienst oder eine ehrenvolle Entlassung. Es ist der Moment, in dem die Krone dem Volk auf Augenhöhe begegnet.
Doch der Monarch wirkte stellenweise deutlich bedrückt. Ein Bild, das Bände spricht: ein fester Blick, schmale Lippen, nachdenkliche Augen. Dänische Medien deuten dieses Auftreten nicht als bloße Tagesform, sondern als Ausdruck einer nationalen Verunsicherung. Über dem Königreich liegt die schwerste außenpolitische Herausforderung seit Jahrzehnten, vielleicht sogar seit dem Zweiten Weltkrieg: der offen formulierte Anspruch der USA auf Grönland.
So wird Frederiks Sorge um das Reich gelesen
Für Frederik ist Grönland mehr als nur ein autonomes Gebiet der Krone. Durch seine legendäre Schlittenhund-Expedition mit der „Sirius-Patrouille“ ist er mit dem Eis des Nordens emotional verwachsen. Dass US-Präsident Trump im Januar 2026 die Ambitionen auf die Insel erneut bekräftigte und sogar mit massiven Zöllen gegen Dänemark droht, trifft den König persönlich.

Dänemarks Königin Mary und König Frederik X. posieren im Januar 2026 für die Medien vor einem Neujahrsempfang und -bankett im Palast von Christian VII., Schloss Amalienborg. (Archivbild)
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„Wir sehen einen Monarchen, der die Last der Reichsgemeinschaft auf seinen Schultern trägt“, kommentieren Adelsexperten in Kopenhagen. Die Symbolik ist unübersehbar: Während Königin Mary erst kürzlich durch das Tragen eines Kleides, das sie bei ihrem Grönland-Besuch 2024 trug, stille Solidarität signalisierte, ist es Frederiks Körpersprache, die den Ernst der Lage vermittelt. In den sozialen Netzwerken häufen sich die besorgten Kommentare der Bürger. Man liest in seinen Augen die „Sorge um die Integrität des Reiches“.
Ein Fels in der Brandung – trotz der Angst
Trotz der sichtbaren Anspannung bleibt Frederik die Konstante. Die öffentliche Audienz am 19. Januar, bei der er Bürgern persönlich dankte, wurde zum Symbol für Stabilität. Während Premierministerin Mette Frederiksen in Brüssel und Washington um die NATO-Mitgliedschaft und die Souveränität ringt, ist es der König, der im Inneren Ruhe bewahrt.

König Frederik X. und Königin Mary gelten im dänischen Königreich als verlässliche Konstante. (Archivbild)
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Doch die „Nachdenklichkeit“, die sein Gesicht prägt, lässt sich nicht wegwischen. In Schweden wird sein Auftreten als das eines „Staatshüters im Sturm“ bewundert. Man spürt: Dieser König empfängt nicht nur Bittsteller, er hält eine Nation zusammen, die fürchtet, ihr größtes Juwel zu verlieren.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Lächeln in die Augen von Frederik X. zurückkehrt. Bis dahin bleibt er das Gesicht eines Dänemarks, das entschlossen, aber mit tiefer Sorge in Richtung Arktis blickt.

