Abo

Vom Vorbild zur AngeklagtenNach schweren Vorwürfen veröffentlicht Lizzo ein neues Album

4 min
Anwalt: Mögliche weitere Vorwürfe gegen Musikerin Lizzo

Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild)

Nach schweren Vorwürfen und einer Auszeit meldet sich Pop-Ikone Lizzo mit ihrem neuen Album „Bitch“ zurück.

Nach Kontroverse: Lizzo meldet sich mit neuem Album „Bitch“ zurück

An ihrer Existenz als Pop-Ikone findet die Sängerin Lizzo kaum etwas zu bemängeln. Trotz eines gedrängten Zeitplans und zahlreicher Verpflichtungen sagt sie: „ich beschwere mich nicht, denn ich kann mich in Glitzer hüllen und mit dem Hintern wackeln, und die Leute lieben es“. Ihr neues Album mit dem Titel „Bitch“ ist an diesem Freitag (5. Juni) erschienen.

Der Weg dorthin verlief für die Künstlerin jedoch keineswegs reibungslos. Bevor sie 2019 einen rasanten Aufstieg erlebte und von Anhängern als Pop-Phänomen gefeiert wurde, lag eine Phase harter Arbeit hinter ihr. Melissa Viviane Jefferson, wie Lizzo bürgerlich heißt, gab laut ihren Ausführungen im Podcast der „New York Times“ unzählige Konzerte vor kleinem Publikum und nahm jede sich bietende Gelegenheit wahr. Ihr erstes Festival-Engagement fand fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Kurz bevor sie erwog, ihre Karriere aufzugeben, erfolgte der Umschwung.

Brit Awards 2023

Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild)

Der rasante Aufstieg in der Pop-Welt

Ihr Durchbruch erfolgte mit dem Trap-Pop-Titel „Truth Hurts“. Der bereits 2017 veröffentlichte Song erlebte 2019 einen enormen Popularitätsschub und wurde wenig später für diverse Grammys nominiert. Er hält bis heute den amtlichen Guinness-Weltrekord als der am längsten auf Platz eins der Billboard-Charts platzierte Song einer Solo-Rapperin. Im selben Jahr kam es zu einer Zusammenarbeit mit Missy Elliot, die als eine der prägendsten Rapperinnen der Musikgeschichte gilt. Lizzo eroberte die Pop-Szene im Eiltempo, die anscheinend nur auf eine Interpretin wie sie gewartet hatte.

Die „Teen-Vogue“ formulierte es 2018 so: „Lizzo ist die sexpositive, twerkende Gospelsängerin, die die Welt braucht.“ In ihren Texten versteht es Lizzo, Schwierigkeiten in eine Form von Leichtigkeit zu kleiden, was zahlreichen ihrer Stücke eine ermutigende Wirkung verleiht. Ihre Anhänger finden nicht nur Trost in der Musik, sondern insbesondere in dem, was die Künstlerin als Person repräsentiert.

Jeder, der die Künstlerin einmal hat lachen hören, weiß um das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude, die sie ausstrahlt. Sie schafft es zudem, in Bereiche vorzustoßen, die einer Person wie ihr zuvor verschlossen waren. Plötzlich steht eine dicke, schwarze Frau auf der Bühne, die mit einer im Pop-Business unüblichen Selbstsicherheit auftritt. Sie präsentiert sich in knapper Kleidung, zelebriert ihren Körper und setzt damit neue Maßstäbe für Schönheitsideale. Lizzo geht auch mit sehr privaten Angelegenheiten offen um. In einem Interview-Podcast offenbarte sie kürzlich, bis Anfang 30 Jungfrau gewesen zu sein.

Der lange Weg zur Selbstliebe

Selbstliebe wurde Lizzo jedoch nicht in die Wiege gelegt. Sie beschreibt sich selbst als stets die „fette lustige Freundin“. Lange Zeit habe sie sich nicht als schöne Frau wahrgenommen. Eine Ode an diesen Prozess ist ihr Song „My Skin“ aus dem Jahr 2015. Die Resonanz auf das Lied verdeutlichte ihr, dass ihre Kompositionen etwas bewegen können. Aus diesem Grund fasste sie den Entschluss, fortan „nützliche“ Musik zu schaffen, wie sie es formuliert. Dies fand Anklang: Für unzählige Fans avancierte Lizzo zu einer Symbolfigur für Selbstakzeptanz, Authentizität und Empowerment.

Schwere Vorwürfe erschüttern das Image

Im Verlauf des Jahres 2023 bekam dieses Bild jedoch einen tiefen Riss. Drei ihrer ehemaligen Tänzerinnen wandten sich mit schwerwiegenden Anschuldigungen gegen den Popstar an die Öffentlichkeit. Der gefeierten Popikone wurden sexuelle Nötigung, Diskriminierung sowie die Schaffung eines toxischen Arbeitsklimas zur Last gelegt. Die Interpretin, die sich stets als Verfechterin von „Realness“ präsentierte, sah sich unvermittelt dem Vorwurf von Scheinheiligkeit gegenüber. In der Folge begannen zahlreiche Anhänger daran zu zweifeln, wie wahrhaftig die Musikerin, die sich immer für ihre Echtheit gefeiert hatte, wirklich war.

Konzert Musikerin Lizzo

Die US-amerikanische Sängerin Lizzo bei einem Auftritt. (Archivbild)

Das Ansehen von Lizzo erlitt in dieser Zeit erheblichen Schaden. In der Konsequenz wurde es merklich ruhiger um die Künstlerin, die nur wenige Jahre zuvor einen beispiellosen Aufstieg erlebt hatte.

Das neue Album „Bitch“ als Comeback

Das Album „Bitch“ stellt somit auch eine Art Rückkehr für die mittlerweile 38-Jährige dar. Man könnte es als eine Form der Abrechnung interpretieren, wenn sie am Anfang des Albums einen „Toast an diejenigen, die mich verletzt haben“ ausspricht. Laut Lizzo habe sie für dieses Album, wie für jedes andere auch, eine „Muse“ gehabt. In diesem Fall sei es die Ausnahmekünstlerin Tina Turner gewesen. Dies manifestiert sich besonders im Stück „Don't make me love you“, das hörbar in der Tradition von Turners Hit „The Best“ steht.

Auch ansonsten sind auf der Platte vielfältige Klänge zu finden, die Pop-Elemente der 80er, 90er und 2000er Jahre aufgreifen. In „Bitch“ zum Beispiel verschmelzen Einflüsse von Missy Elliot mit dem feministischen 90er-Jahre-Erfolg von Meredith Brooks. Der Titel „That Grrrl“ ist eine Neuinterpretation des Synth-Pop-Klassikers der britischen Gruppe „The Human League“ aus den 80ern. Dies weckt zahlreiche nostalgische Assoziationen und dürfte auf ein dankbares Publikum stoßen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.