Zwei Jahre, eine Million Euro Ausbildungskosten und ein knallharter Auswahlprozess: In die Eliteeinheit der Bundeswehr, das Kommando Spezialkräfte (KSK), kommen nur die Besten der Besten. Wie hart im Vorhinein ausgesiebt wird, verdeutlicht nun der ARD-Dokumentarfilm „Geheime Krieger KSK - Die Eliteeinheit der Bundeswehr“.
„Man ist die Nacht durchmarschiert, knappe 75 Kilometer durch den bergigen Schwarzwald und hat nichts zu essen bekommen, nur ein bisschen Wasser“, berichtet Ex-KSK-Soldat Mike Koller, der eigentlich anders heißt, im Film. „Man ist total ausgemergelt und kommt an einem steilen Berg an.“ Dort warte als Höhepunkt der sogenannten „Höllenwoche“ dann der gefürchtete Baumstammlauf. Bedeutet: Die ausgezehrten Soldaten bekommen einen 25 Kilogramm schweren Baumstamm in den Nacken - und müssen einen Berg hoch marschieren, „wo man das Ende nicht sehen kann“, wie es Koller beschreibt.
Ex-KSK-Soldat stellt klar: „Die Praxis ist der Krieg“

Nach einer Glaubwürdigkeitskrise infolge von Rechtsextremismus-Vorwürfen stand das KSK Ende der 2010er-Jahre vor der Auflösung, wie die damalige Wehrbeauftragte Eva Högl im ARD-Film preisgibt. (Bild: MDR / SW-Film)
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„Wir quälen ja hier nicht die Teilnehmer“, stellt Kommandooffizier Andi (Name geändert) klar, auch wenn „von außen erst mal als schikanierend erscheinende Testungen“ zu bestehen seien. Doch die Tests würden die Bewerber auf die tatsächlichen Einsätze später vorbereiten. Schließlich gehe es dann „dahin, wo es wirklich wehtut, wo Menschen sterben können“, erklärt Militärexperte Sören Neitzel im Film von Henrike Sandner, Christian Hans Schulz und Ulli Wendelmann.
Christian Gerstner, der 15 Jahre lang beim KSK war, sieht die Gefahr, sich als KSKler zu fühlen, als sei man „unsterblich“. Aber: „Die Praxis ist der Krieg.“ Dieser Arbeitsalltag fordert seinen Tribut, so der Ex-Oberstleutnant: „Tod und Verwundung über einen längeren Zeitraum verändern einen definitiv.“ Bilder gefallener Kollegen auf einem seiner acht Auslandseinsätze verfolgen ihn noch heute.
„Die Belastung habe ich unterschätzt“, gibt Gerstner zu, auch für die eigene Familie: „Es fühlt sich nicht gut an, die Kinder leiden darunter.“ Das sieht auch Ex-Kommandosoldat Philipp Schaaf so: „Das Familiäre bleibt auf der Strecke.“ Vom Aufwachsen seines Sohnes habe er „so gut wie nichts mitbekommen“.
„Vollkommen dämlich“: Ex-KSK-Soldat lagerte Munition und Sprengstoff zu Hause

Laut Militärexperte Sören Neitzel gehen KSK-Soldaten „dahin, wo es wirklich wehtut“. (Bild: MDR / SW-Film)
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Schaaf ist einer der wenigen Gesprächspartner, die im Film mit Klarnamen zu Wort kommen. 2020 stand er im Zentrum eines der größten Skandale des KSK. „Das KSK stand kurz davor, komplett aufgelöst zu werden“, blickt die damalige Wehrbeauftragte Eva Högl zurück.
Schaaf war damals unter anderem für die Koordination von Schießübungen zuständig und hantierte mit großen Mengen an Munition. Teile davon, die nicht verschossen wurden, lagerte er zunächst „völlig vorschriftswidrig“ (Ex-Inspekteur des Heeres, Alfons Mais) im Kellertrakt der Kaserne. „Vollkommen dämlich von mir“ nahm er sie schließlich nach Hause, erklärt der Ex-Soldat in der Rückschau.
Insgesamt handelte es sich um zwei Kilogramm Sprengstoff und mehrere tausend Schuss. Dass bei einer Durchsuchung in Schaafs Haus obendrein ein Liederbuch der Waffen-SS und Zeitschriften über Gefechtsstrategien im Zweiten Weltkrieg gefunden wurden, nährte den Verdacht der Existenz von rechtsextremistischen Zirkeln innerhalb des KSK.
Ex-KSK-Soldat bedauert Fehler
„Ich habe mich interessiert für das Kampfgeschehen aus dieser Epoche“, verteidigt sich Schaaf im ARD-Film. Schaaf war auch Teil der sogenannten Schweinekopf-Party, bei der zum Ausstand eines Kompaniechefs nicht nur Schweineköpfe geworfen, sondern auch Hitlergrüße gezeigt und rechtsextremistisches Liedgut gespielt worden sein sollen. „Das hat so nie stattgefunden“, bestreitet Philipp Schaaf die Vorwürfe. Vor Gericht wurde er verurteilt, wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz. Ein extremistischer Hintergrund wurde nicht festgestellt.
Eine Konsequenz für das KSK folgte im Rahmen dieser Glaubwürdigkeitskrise trotzdem: Die Zweite Kompanie, in der es besonders viele Verdachtsfälle gab, wurde aufgelöst. „Ich fühle mich teilweise mitschuldig“, gesteht Schaaf im 90-Minüter. „Ich habe einen Fehler gemacht, das habe ich eingesehen.“ (tsch)
