Kabarettist und „Schlachthof“-Co-Moderator Michael Altinger blickt in seiner BR-Sendung „Altinger“ auf das Wichtigsten der Woche in Bayern.
Michael Altinger„Natürlich werde ich einem Vergleich mit Ringlstetter nicht ausweichen können“

„Ich werde viel mehr von mir persönlich erzählen und mehr Raum haben, meine Lust an Comedy und Kabarett auszuleben“, sagt Michael Altinger über seine neue Sendung. (Bild: BR/Johanna Schlüter)
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Kabarettist Michael Altinger spricht im Interview über seine eigene Personality-Show im BR Fernsehen. „Altinger“ startet am Donnerstag, 15. Oktober, um 22.00 Uhr, im Dritten und umfasst zunächst vier Folgen. Der Kabarettist empfängt prominente Gäste an seinem Wohnzimmer-Schreibtisch und spricht mit ihnen über persönliche Geschichten, den Alltag und die großen und kleinen Absurditäten Bayerns. Zum Auftakt jeder Ausgabe blickt der Gastgeber auf die Woche in Bayern und widmet sich dabei nicht nur politischen Themen, sondern auch Geschichten aus dem Alltag. Dazu kommen Sketche, in denen Altinger in verschiedene Rollen schlüpft. Für die musikalische Begleitung sorgt die Altinger-Band.
teleschau: Herr Altinger, eine eigene Sendung im BR Fernsehen: Kann man jetzt schon mal die Abrundung des Lebenswerks planen und muss sich um die Altersversorgung nie wieder Sorgen machen?
Michael Altinger: Leider lässt sich da noch nicht viel planen. Es sind ja erst mal nur vier Folgen, und dann wird geschaut, ob der Altinger mit diesem Format eine Zukunft haben soll und ein gesichertes Alter. Zunächst freu ich mich aber, dass ich offenbar arriviert bin und noch nicht archiviert. Und es macht mich natürlich stolz, mit Mitte 50 noch mal zu solchen Ehren zu kommen und mich in diese Aufgabe stürzen zu dürfen.
teleschau: Wie wird sich die neue Sendung vom „Schlachthof“ unterscheiden?
Michael Altinger: Es wird eine Personality-Show, ein bisschen Late Night, ein bisschen Talk, ein bisschen Musik. Dort werden immer zwei Gäste am Tisch sitzen: einer aus der Kabarett- oder Comedy-Welt und einer, der damit gar nichts zu tun hat: ein Politiker, Sportmoderator, Extremsportler oder jemand aus einem ganz anderen Bereich. Das war mir wichtig. Ich wollte Menschen einladen, die nicht aus meiner gewohnten Blase kommen.
telekschau: Als Gastgeber muss man manchmal auch zurückstecken. Wie schwer fällt Ihnen das?
Michael Altinger: Die Rampensau in mir ruft schon manchmal: „Ich will jetzt!“ Aber als Gastgeber geht es darum, dass der Gast seinen Raum bekommt. Für mich ist vorher genug Platz eingeplant. Den nutze ich dann auch, aber wenn der Gast dran ist, gehört ihm die Bühne.
teleschau: Ihre neue Sendung spielt am Wohnzimmer-Schreibtisch: Was darf man sich dort vielleicht erlauben, was im „Schlachthof“ nicht funktioniert?

„Natürlich habe ich Vorbilder, die für mich den bayerischen Humor ausmachen. Von Polt bis Valentin, von Fesl bis Bayrhammer. Deren größtes Verdienst ist es, dass sie uns die Selbstironie beigebracht haben“, sagt Michael Altinger (Bild: Martina Bogdahn)
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Michael Altinger: Im „Schlachthof“ funktioniert ja praktisch alles. Die Herausforderung besteht mehr darin, vom „Schlachthof“ klar unterscheidbar zu sein, und das beginnt schon mal mit dem Tisch und einem anderen Look. Dabei darf ich mir erlauben, musikalischer zu sein, mehr Vielseitigkeit zu zeigen und tiefer in die persönlichen Geschichten meiner Gäste einzutauchen und ein bisserl weniger in die Tagespolitik.
„Man muss schon auf Themen schielen, die sich etwas länger halten“
teleschau: Sie wollen in „Altinger“ nicht nur auf die große Politik schauen, sondern auf das, was die Menschen in Bayern im Alltag beschäftigt. Wie aktuell kann der Vorlauf für die Sendung werden, wenn Sie Themen zum Lachen oder Kopfschütteln sammeln?
Michael Altinger: Wir produzieren die Sendung zwei Tage vor der Ausstrahlung. Da muss man schon auf Themen schielen, die sich etwas länger halten. Aktuell würde ich wahrscheinlich auf die steigenden Energiekosten schauen und darauf, wie die Leute in ihrem Alltag damit umgehen.
teleschau: Mit Katrin Müller-Hohenstein, Wolfgang Krebs und Antonia Stabinger sitzen zum Auftakt ausnahmsweise nicht zwei, sondern gleich drei sehr unterschiedliche Gäste bei Ihnen. Mit wem würden Sie nach der Sendung am liebsten noch bis tief in die Nacht am Wohnzimmer-Schreibtisch sitzen bleiben?
Michael Altinger: Ich glaube, dass das drei Charaktere sind, die jeweils großes Interesse an ihren Mitstreitern haben. Da hat jeder so viel erlebt und zu erzählen. Und je unterschiedlicher die Leute sind, desto neugieriger werden sie aufeinander. Ich könnte mir vorstellen, dass wir viel zu tief ineinander eintauchen und zu viert durchratschen, bis uns irgendjemand am nächsten Morgen abholt.
teleschau: Bayern ist für viele ein Lebensgefühl zwischen Tradition, Grant und gelegentlichen Anflügen von Selbstironie. Was verstehen Sie unter typisch bayerischem Humor - und gibt es Dinge, über die man im Bayerischen Fernsehen dann doch besser nicht scherzt?
Michael Altinger: Ich muss Sie gleich mal korrigieren. Es heißt nicht mehr „Bayerisches Fernsehen“, sondern „BR Fernsehen“. Das ist tatsächlich der einzige Punkt, an dem der Sender keinen Spaß versteht. Ansonsten habe ich in meiner Arbeit noch keine „Zensur“ erlebt. Der bayerische Humor beginnt zunächst einmal mit dem Dialekt und Begrifflichkeiten, die örtlich gebunden sind und folglich eine Nähe haben zu den Menschen, die hier leben. Diese Karte werde ich in den Gesprächen mit meinen Gästen voll ausspielen, weil mein Hochdeutsch eher künstlich wirkt und gerade mal für Sketche taugt. Und natürlich habe ich Vorbilder, die für mich den bayerischen Humor ausmachen. Von Polt bis Valentin, von Fesl bis Bayrhammer. Deren größtes Verdienst ist es, dass sie uns die Selbstironie beigebracht haben.
teleschau: „Ringlstetter“ hat gezeigt, dass eine entspannte Gesprächssendung mit bayerischer Persönlichkeit beim Publikum ankommen kann. Wie groß fühlen sich die Fußstapfen an?

Michael Altinger (links) und Christian Springer feierten erst kürzlich 30 Jahre „schlachthof“ (früher: „Ottis Schlachthof“) im BR. (Bild: BR/Markus Konvalin)
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Michael Altinger: Natürlich werde ich einem Vergleich mit „Ringlstetter“ nicht ausweichen können. Es ist der gleiche Sendeplatz, es wird eine Band dabei sein und die Sendung trägt meinen Namen. Allerdings gab es auch vor „Ringlstetter“ schon unzählige Varianten von Personality-Shows. Ich werde einfach eine weitere Variante sein und meine eigenen Fußstapfen setzen. Der Hannes hat mir schon viel Erfolg und tolle Gäste gewünscht - und Quoten wie bei „Wetten, dass ..?“ in den 80-ern. Und vor allem, dass ich selber viel Spaß habe dabei! Und einen Tipp hat er mir auch mitgegeben: „Michael, bleib einfach Du und lass Dich net durcheinanderbringen!“
„Mit einem entspannten Lächeln in den nächsten Tag hineinschnarchen“
teleschau: Was soll bei „Altinger“ ganz bewusst anders sein und was wünschen Sie sich, dass die Zuschauer nach 45 Minuten mitnehmen?
Michael Altinger: Ich werde viel mehr von mir persönlich erzählen und mehr Raum haben, meine Lust an Comedy und Kabarett auszuleben. Und mein Ziel ist es, dass die Leute nach meiner Sendung den Fernseher ausschalten und mit einem entspannten Lächeln in den nächsten Tag hineinschnarchen.
teleschau: Zum Schluss noch der Blick nach vorne: Sie haben zuletzt eben erst ein „Schlachthof“-Jubiläum hinter sich. Worüber wird beim Jubiläum in wieder 30 Jahren gelacht?
Michael Altinger: Vielleicht wird in 30 Jahren erst dann gelacht, wenn man belegen kann, dass die Pointen garantiert KI-frei entstanden sind. Das würde mir gefallen. Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass vieles, worüber wir heute lachen, vor 30 Jahren nur Kopfschütteln ausgelöst hätte. Die Comedy hat das Kabarett verändert. Vor allem das Tempo ist heute anders. Früher konnte man erst einmal eine Geschichte erzählen und darauf die Pointen aufbauen. Heute muss die Pointe viel schneller kommen, weil sich auch die Sehgewohnheiten verändert haben.
teleschau: Also macht sich die kürzere Aufmerksamkeitsspanne inzwischen auch auf der Bühne bemerkbar?
Michael Altinger: Absolut. Das merkt man sofort im Publikum. Man sieht den Gesichtern an, ob die noch bei einem sind. Am besten, man verzichtet auf jede Hinführung und geht gleich ins Thema. Man muss heute schneller auf den Punkt kommen und schneller den nächsten Lacher setzen.
teleschau: Und wenn gar nichts mehr hilft?
Michael Altinger: Dann lässt man halt ein Bierglas vom Tisch fallen. Oder haut irgendetwas zusammen. Man muss sich eben zu helfen wissen.
(Die weiteren Folgen von „Altinger“ laufen jeweils donnerstags, am 22. und 29. Oktober sowie am 5. November, um 22.00 Uhr, im BR-Fernsehen.) (tsch)