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Ausgebeutet oder vergöttert?Prince und 11 seiner Musen – Zwischen göttlicher Inspiration und totaler Kontrolle

5 min
Sheila E. und Prince auf der Bühne.

Sheila E. und Prince arbeiteten in den 1980er Jahren intensiv zusammen, wobei Prince oft als Produzent, Songwriter oder Musiker an ihren Soloalben beteiligt war und Sheila E. als Perkussionistin und Sängerin auf seinen Alben mitwirkte. (Archivbild)

Diese Frauen aus Prince’ Umfeld prägten ihn – und er sie: zwischen Nähe, Kreativität und Konflikten. Zehn Jahre nach seinem Tod.

Er war ein musikalisches Genie, ein Visionär – und für viele Frauen an seiner Seite eine ebenso prägende wie herausfordernde Figur. Kaum ein Künstler formte Talente so konsequent nach seiner eigenen Vorstellung wie Prince, öffnete Türen, schuf Karrieren und setzte zugleich enge Grenzen. Zwischen Nähe und Kontrolle, Bewunderung und Bruch entstanden Beziehungen, die bis heute nachwirken. Am 21. April 2026 jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Diese 11 Frauen zeigen, wie nah Inspiration und Konflikt in seinem Kosmos beieinanderlagen – und wie sehr sie sich gegenseitig prägten.

Vanity (Denise Matthews)

Vanity

Mit dem Song „Nasty Girl“ landete Vanity mit der nach ihr benannten Gruppe Vanity 6 einen provokanten Hit, in dem es unter anderem um die körperliche Ausstattung ihres Liebhabers geht. (Archivbild)

Sie verkörperte das Abbild seiner sexuellen Fantasien – etwas, das sie später zutiefst bereute. Während Prince sie mit der Band Vanity 6 zum Star machte, fühlte sie sich in das Image der lasziven Verführerin in Negligés, Korsetts und Spitzenbustiers gedrängt und finanziell extrem kurzgehalten. Nach ihrer religiösen Bekehrung distanzierte sie sich radikal von dieser „sündhaften“ Zeit. Trotz aller Kritik sprach sie rückblickend von einem „Traumpaar“, und ihr früher Tod im Jahr 2016 erschütterte Prince bis ins Mark.


Sheila E.

Sheila E. war als Schlagzeugerin seine musikalisch wohl ebenbürtigste Partnerin und zeitweise auch mit Prince verlobt. Aus ihrer Zusammenarbeit gingen mehrere Erfolge („The Glamorous Life“, „A Love Bizarre“) hervor, darunter auch vier Grammy-Nominierungen für sie. Sie verteidigt sein musikalisches Erbe bis heute sehr engagiert, sah sich nach seinem Tod jedoch auch Vorwürfen aus seinem Umfeld ausgesetzt, sie wolle sich profilieren. Ihre Beziehung war geprägt von enormer kreativer Energie, aber auch von der Herausforderung, sich im Schatten seiner übergroßen Präsenz eine eigene künstlerische Identität zu bewahren.

Ich versuche, die Tatsache zu ignorieren, dass es wahr ist, und schaue kein Fernsehen. [...] Es ist einfach surreal, und wenn ich es sehe, wird es zur Realität.
Sheila E. kurz nach dem Tod von Prince.

Wendy Melvoin

Wendy & Lisa

Während Wendy Melvoin (links) den ikonischen Sound der Revolution prägte, kämpfte sie hinter den Kulissen oft mit dem extremen Kontrollanspruch von Prince. (Archivbild)

Als Gitarristin von The Revolution prägte sie den ikonischen Sound der 80er Jahre entscheidend mit. Die Ambivalenz zeigt sich darin, dass sie ihn als musikalisches Genie verehrte, aber unter seinem extremen Kontrollzwang und dem Mangel an offizieller Anerkennung litt. Dass er die Band auf dem Höhepunkt des Erfolgs auflöste, empfand sie als persönlichen Verrat, der die tiefe musikalische Bindung jäh beendete.


Lisa Coleman

Gemeinsam mit Wendy bildete sie das kreative Rückgrat seiner erfolgreichsten Ära, fühlte sich aber oft wie eine bloße Angestellte behandelt. Sie beschrieb die Arbeit mit Prince als „telepathisch“, kritisierte aber gleichzeitig seine Unfähigkeit, emotionale Nähe ohne Kontrolle zuzulassen. Für sie war er ein Mensch, den man gleichzeitig „lieben und hassen“ konnte, was die Zerrissenheit vieler seiner Weggefährten perfekt zusammenfasst.


Susannah Melvoin

Als Mitglied von The Family und Wendys Zwillingsschwester war sie seine Muse für Songs wie „Nothing Compares 2 U“. Die Beziehung von Prince und Melvoin war von tiefer Leidenschaft, aber auch von seinem extremen Machismo und seiner Untreue geprägt. Sie erlebte Prince als einen Mann, der absolute Hingabe forderte, diese aber selbst nicht im gleichen Maße zurückgeben konnte, was schließlich zum Bruch führte.


Sinéad O’Connor

Sinéad O'Connor verdankte Prince mit „Nothing Compares 2 U“ ihren größten Welterfolg. Ihre Beziehung gilt als eine der konfliktreichsten. O’Connor sprach später von einem Treffen in seiner Villa, bei dem sie ihn als aggressiv beschrieben habe und von Einschüchterung berichtete. Während Prince sie in diesem Zusammenhang als undankbar wahrgenommen haben soll, sah sie in ihm einen stark kontrollierenden und bedrohlich auftretenden Künstler – ein Vorwurf, der die dunkle Seite ihrer Begegnung in den Vordergrund rückte.


Sheena Easton

Sheena Easton

1984 bettete Sheena Easton Prince zumindest musikalisch an: Das Ergebnis war der Top-10-Hit „Sugar Walls“. (Archivbild)

Sheena Easton ist das Paradebeispiel für eine vergleichsweise harmonische Zusammenarbeit, die dennoch Fragen nach künstlerischer Abhängigkeit aufwirft. Sie profitierte von seinem Songwriting, unter anderem bei dem Top-10-Erfolg „Sugar Walls“, und feierte mit Duetten wie „U Got the Look“ und „The Arms of Orion“ große Erfolge. Gleichzeitig blieb sie eine der wenigen, die nie ein schlechtes Wort über ihn verloren. Ihre Erfahrung zeigt, dass Prince’ System der klaren künstlerischen Führung funktionierte, solange die Künstlerin seine Vision akzeptierte und sich darauf einließ.

Von allen Songs, die ich je aufgenommen habe, ist das mein Lieblingssong. Das war einer dieser großartigen Momente im Studio, die ich in meinem Leben erlebt habe.
Sheena Easton in einem Interview über den von Prince geschriebenen Song „101“.

Apollonia Kotero

Apollonia Kotero

Apollonia Kotero wurde durch ihre Rolle an der Seite von Prince in „Purple Rain” kurzzeitig weltbekannt. Danach spielte sie in der TV-Serie „Falcon Crest”. (Archivbild)

Sie ersetzte Vanity in „Purple Rain“, stand aber zeit ihres Lebens im Schatten ihrer Vorgängerin und des Genies von Prince. Nach seinem Tod geriet sie in heftige Konflikte mit seinen Erben und anderen Weggefährten, was ein Schlaglicht auf die komplizierten Loyalitäten in seinem Zirkel warf. Für sie war Prince gleichzeitig der Schöpfer ihrer Karriere und eine Last, die sie auch Jahrzehnte später noch definierte.


Carmen Electra

Carmen Electra

Trotz der Produktion durch Prince wurde das 1993 erschienene, selbstbetitelte Debütalbum von Carmen Electra von Kritikern weitgehend zerrissen und als gescheiterter Versuch, ein Pop-Image zu etablieren, gewertet. (Archivbild)

Prince erfand buchstäblich ihren Namen und versuchte, den „Baywatch“-Star als Popstar zu etablieren, was jedoch nur mäßig gelang. Sie beschrieb die Zeit als magisch, gab aber später zu, dass der Druck, seinen hohen Erwartungen gerecht zu werden, enorm und oft beängstigend war. Ihre Geschichte verdeutlicht, wie Prince versuchte, Frauen nach seinen Vorstellungen zu formen, was nicht immer mit deren eigenem Talent oder Willen korrespondierte.


Mayte Garcia

Prince und Mayte Garcia posieren.

Für Mayte Garcia wurde das Leben an der Seite von Prince zu einem modernen Märchen, das zwischen göttlicher Inspiration und schmerzhafter Realität schwankte. (Archivbild)

Als seine erste Ehefrau erlebte Mayte Garcia die privateste und zugleich schmerzhafteste Seite des Künstlers. Ihr gemeinsamer Sohn Boy Gregory lebte nur etwa eine Woche. Sie beschrieb Prince als liebevollen Mentor, der ihr Leben in ein Märchen verwandelte, aber auch als jemanden, der sie nach dem Tod ihres gemeinsamen Sohnes emotional isolierte. Die Ambivalenz liegt hier im extremen Gefälle zwischen der „schönsten Frau der Welt“ und der Frau, die mit seinen strengen Lebensregeln haderte.

Manche Paare kommen sich nach einer solch traumatischen Erfahrung näher, andere driften auseinander.
Mayte Garcia in einem Interview mit dem Magazin „Genlux“

Judith Hill

Judith Hill beim Prince-Tribute-Konzert im Xcel Energy Center in St. Paul (Minnesota) am 13. Oktober 2016.

Judith Hill beim Prince-Tribute-Konzert im Xcel Energy Center in St. Paul (Minnesota) am 13. Oktober 2016. (Archivbild)

Als seine letzte große Entdeckung stand sie Judith Hill Prince bis zu seinem Tod 2016 extrem nahe und war mit ihm an Bord des Flugzeugs, als es nach einem medizinischen Notfall zu einer Notlandung kam. Die Ambivalenz zeigt sich darin, dass er ihre Karriere mit dem Projekt „Back in Time“ massiv förderte, sie sich aber nach seinem Tod Vorwürfen ausgesetzt sah, zu viel Privates preisgegeben zu haben.

Hill beschrieb ihn als selbstlosen Mentor, der ihr „Flügel verlieh“, doch sie musste auch das Erlebte verarbeiten – die Nähe zu seinen letzten schwierigen Lebensmonaten und den Eindruck einer möglichen Medikamentenabhängigkeit hinter der glänzenden Fassade.