Schon in der DDR war sie Model. Nach ihrem GNTM-Aus erobert Anja Kossiwakis mit 57 Jahren die internationalen Laufstege.
Rauswurf bei Heidi KlumNach GNTM-Aus startet Wiesbadenerin (57) als Model durch

Anja Kossiwakis modelte schon während der DDR.
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Anja Kossiwakis' Teilnahme bei „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) war nach nur einer Episode vorbei. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmenden, die nach ihrer Eliminierung an Bekanntheit verlieren, startete ihre Laufbahn erst danach richtig. Die 57-Jährige symbolisiert als internationales „Best Ager Model“ ein Umdenken in einem Sektor, der Frauen mit ergrautem Haar lange Zeit wenig Aufmerksamkeit schenkte.
Die aus Dessau stammende und heute in Wiesbaden lebende Frau erklärt, dass dies in der Fashion-Industrie früher als unvorstellbar galt. „Graue Haare machen alt und lange Haare in Grau, das geht ja gar nicht. Das war ja eigentlich so ein No-Go.“ Exakt dies ist mittlerweile ihr Erkennungsmerkmal, womit Kossiwakis ihre zweite Model-Laufbahn erlebt.
Entdeckung in der DDR und Weg zum Titelbild
Ihr erster Kontakt zur Modebranche fand vor vielen Jahren in der Endphase der DDR statt. Zu jener Zeit war Kossiwakis in Dessau bei der Sparkasse beschäftigt. Ein Aushang in einem Schaufenster erregte ihre Aufmerksamkeit, auf dem stand: „Der ‚Verlag für die Frau‘ sucht Fotomodelle“. Sie reichte ihre Bewerbung ein, wurde in die Datenbank aufgenommen und musste sich dann gedulden.

Als «Best Ager Model» wird Kossiwakis oft gebucht.
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Zwei Jahre vergingen, ehe sie ihren ersten Auftrag als Model erhielt. Der Fotograf positionierte sie ohne Make-up vor der Kamera. „Die haben gesagt: Anja, du bist die natürliche Schönheit. Du brauchst kein Make up.“ Ihr Gesicht zierte mehrfach die Titelseiten des Magazins „Modische Maschen“. Das Modeln blieb allerdings eine Freizeitbeschäftigung neben dem Alltag und ihrer Bürotätigkeit.
Ein neuer Start im Westen
Der Fall der Mauer ereignete sich am 9. November 1989. Bereits am Folgetag reiste Anja Kossiwakis westwärts. „Am 10. habe ich mich in den Zug gesetzt, am 11. November war ich in Wiesbaden.“ In der hessischen Landeshauptstadt fand sie erneut eine Anstellung bei der Sparkasse. Ihre Model-Ambitionen traten dadurch in den Hintergrund.
Für eine lange Zeit spielte das Modeln nur eine untergeordnete Rolle. Kossiwakis war berufstätig, wurde Mutter und widmete sich erst später als Modebloggerin wieder verstärkt dem Thema Fashion. In dieser Funktion verfasste sie Texte, machte Fotos und war bei der Fashion Week in Paris zu Gast. Dort baute sie ein Netzwerk zu Designern, Fotografen und anderen Models auf.
Schnelles Aus bei GNTM als Karrierebeschleuniger
Die Castingshow GNTM diente Kossiwakis als Sprungbrett für ihre Rückkehr ins aktive Modelgeschäft. „Ich fand einfach cool, dass plötzlich Diversität angesagt ist“, erklärt sie. Ihre Kinder zeigten sich anfangs wenig begeistert von der Idee. Dennoch wagte sie das Abenteuer im Fernsehen. „Ich hab’ gesagt, ach, ich mach’ das jetzt einfach.“

Mit GNTM schafft Kossiwakis ihren zweiten Modeldurchbruch.
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Obwohl ihre Teilnahme an der Sendung nur von kurzer Dauer war, erregte sie großes Aufsehen. Insbesondere ein Moment verbreitete sich viral: Kossiwakis erkundigte sich bei Heidi Klum, ob diese sich an ein Treffen bei einer vergangenen Fashion Week erinnere, und übergab ihr ein persönliches Fotoalbum. Die Reaktion von Klum fiel reserviert aus. In den sozialen Netzwerken wurde dieser Augenblick intensiv debattiert, was sich als entscheidender Wendepunkt erwies. Unmittelbar nach der Sendung griffen Medienberichte das Thema des „DDR-Models“ auf. Videoclips mit ihr fanden schnelle Verbreitung und erzielten millionenfache Klicks.
Wiesbaden als heimatlicher Ankerpunkt
Im Anschluss an ihre GNTM-Teilnahme startete ihre zweite berufliche Laufbahn. Aufträge für den Laufsteg, Werbekampagnen und Verträge mit internationalen Agenturen schlossen sich an. Für Anfang 2026 ist Kossiwakis' Debüt auf der Pariser Fashion Week vorgesehen. Zusätzliche internationale Engagements auf dem Catwalk sind für die Sommersaison bereits terminiert. Das vorzeitige Ausscheiden bei GNTM sei das Beste gewesen, was ihr passieren konnte. „Also ich meine, Heidi, die schmeißt mich raus und ich bin danach in Paris auf dem Laufsteg und ich habe den Modelvertrag bei einer der größten Modelagenturen der Welt unterschrieben“, sagt sie. „Also ein größeres Kompliment gibt's ja gar nicht für mich.“

Als «Best Ager Model» macht Kossiwakis anderen Frauen Mut.
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Aktuell ist sie international tätig und wird für unterschiedliche Märkte gebucht. Ihr Terminkalender ist auch außerhalb Deutschlands gut gefüllt. Trotzdem bildet Wiesbaden ihren Lebensmittelpunkt. „Paris liebe ich“, sagt sie. „Aber hier ist mein Zuhause.“
Keine „graue Maus“
Zahlreiche Frauen kontaktieren Kossiwakis und berichten von persönlichen Umbrüchen, von Verunsicherung und dem Empfinden, für neue Anfänge „zu alt“ zu sein. Ihre späte Laufbahn begreift Kossiwakis daher auch als ein Zeichen an andere. Ein Neustart mit Mitte 50 könne inspirierend wirken. „Man muss sich nicht verstecken und sagen, ich bin jetzt ein graues Mäuschen“, sagt sie lachend und deutet auf ihr ergrautes Haar. „Gut meine Haare sind jetzt grau, aber man kann ja auch mit Mitte 50 schick sein und man muss nicht unsichtbar werden.“ Reifere Frauen sollten in der Mode eine größere Rolle spielen, meint sie. „Ich habe nichts machen lassen, ich schminke mich eigentlich fast nie und bin eigentlich immer noch so die Natürliche aus der DDR.“ Eben diese Authentizität sei es, die die Leute überzeugt. (dpa/red)
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