„Ohne Janosch wird unsere Welt ein gutes Stück ärmer. Aber er hat uns ja mit seinen Büchern und Einfällen längst reich beschenkt.“ Mit diesen Worten würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen der öffentlichkeitsscheusten, aber vermutlich auch prägendsten Künstler, die Deutschland in der Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Janosch, der bürgerlich Horst Eckert hieß, ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Die Anteilnahme ist riesig.
„Er wollte den Menschen seine verpasste Kindheit zurückgeben - auf eine Weise, die spielerisch und verständlich ist. Und das ist ihm gelungen“, sagte Janoschs Verleger Bernhard Feil, der zuvor den Tod des Künstlers bestätigt hatte, gegenüber SWR Kultur. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schrieb in einer Würdigung, Janosch habe gezeigt, „dass das wahre Glück im Leben oft im vermeintlich Kleinen und eigentlich ganz Großen liegt, in Freundschaft und in Freiheit“.
„Möge der Himmel für ihn von oben bis unten nach Bananen riechen“
Unzählige Wortmeldungen, die den Schöpfer der berühmten Tigerente würdigen, finden sich auch in den sozialen Medien. „Viele Kindheitserinnerungen sind mit deinen Geschichten verbunden“ und „Vielen lieben Dank für Schnuddelpferdchen, Hopp und vieles mehr“, schreiben User auf Instagram. „Die Zeit“ hat ein digitales Kondolenzbuch eingerichtet, das rege genutzt wird. „Die Trauer hat viele Gesichter. Manchmal trägt eines davon Streifen“, schreibt ein Nutzer. „Möge der Himmel für ihn von oben bis unten nach Bananen riechen“, wünscht ein anderer.
Janosch kam 1931 zur Welt und wuchs überwiegend in Oberschlesien im heutigen Polen auf. Die Kindheit war geprägt von Armut, Gewalt und der Alkoholsucht seines Vaters. Sein Werk verstand er später als anarchisch-humanistischen Gegenentwurf zum eigenen Erleben. Die illustrierte Kindergeschichte „Oh, wie schön ist Panama“ erschien 1978 und zählt zu Janoschs bekanntesten Werken. „Wenn man einen Freund hat, ... braucht man sich vor nichts zu fürchten“, ist einer der viel zitierten Sätze aus der Geschichte um den Kleinen Bären und den Kleinen Tiger, die angeregt vom Duft einer Bananenkiste das „Land ihrer Träume“ suchen - und es am Ende in ihrem Zuhause finden.
Zum Gedenken an Janosch ändert der SWR sein Programm und zeigt am Mittwoch, 4. November, 23.30 Uhr, die Dokumentation „Da wo ich bin, ist Panama - Die Lebensreise des Herrn Janosch“. Der Film wird auch in der ARD-Mediathek abrufbar sein. (tsch)
