Sarah Engels tritt für Deutschland beim ESC an. Für die Kölnerin ist es der Höhepunkt einer oft verkannten Karriere.
Kölns unterschätzter StarSarah Engels tritt für Deutschland beim ESC an

Sarah Engels Song «Fire» ist eine tanzbare Pop-Nummer mit Botschaft. (Archivbild)
Copyright: Britta Pedersen/dpa
Ihre Bekanntheit verdankt sie großteils Instagram. Sarah Engels ist jedoch facettenreicher. Für Deutschland tritt sie am 16. Mai beim ESC an. Ein Porträt der Kölnerin.
Gewöhnlich präsentiert sich Sarah Engels in sorgfältig inszenierten Instagram-Beiträgen, die ein harmonisches Familienleben mit Werbeinhalten verbinden. Doch diese Wahrnehmung der Künstlerin aus Köln, deren Karriere 2011 mit der RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ begann, könnte zu kurz greifen. Ihre bevorstehende Teilnahme für Deutschland am Eurovision Song Contest (ESC) in Wien am 16. Mai bietet Anlass für eine genauere Betrachtung.
„Ich bin wahrscheinlich das perfekte Beispiel dafür, eben nicht perfekt zu sein“, sagte Engels in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin keine perfekte Mutter und keine perfekte Ehefrau – aber ich bin jemand, der immer wieder aufsteht.“

Sarah Engels steht vor ihrem Karrierehöhepunkt: Sie singt für Deutschland beim ESC. (Archivbild)
Copyright: Carsten Koall/dpa
Von der Klatschpresse auf die Showbühne
Der berufliche Werdegang der Künstlerin startete mit Aussichten, die keine dauerhafte Präsenz in der deutschen Showbranche erwarten ließen. Obwohl sie es 2011 in das DSDS-Finale schaffte, stand ihre Darbietung im Schatten der Romanze mit ihrem damaligen Mitstreiter Pietro Lombardi. Die Inszenierung beider Finalisten glich der eines Brautpaares.
Anschließend kamen die Eheschließung, die Geburt eines Sohnes und eine Trennung, die große mediale Aufmerksamkeit erfuhr. Sowohl der Name ihres Sohnes Alessio als auch die Redewendung „Hauptsache Alessio geht's gut“ entwickelten sich zu einem prägenden Internetphänomen der 2010er-Jahre.

So fing alles an: Sarah Engels im Finale von «Deutschland sucht den Superstar» - zusammen mit ihrem damaligen Freund Pietro Lombardi. (Archivbild)
Copyright: picture alliance / dpa
Solche Erlebnisse münden für gewöhnlich eher in einer Präsenz in der Regenbogenpresse statt auf Konzertbühnen. Doch bei Sarah Engels, die ihren zwischenzeitlich angenommenen Namen Lombardi wieder ablegte, verlief es anders. Es gelang ihr, die Kontrolle über die öffentliche Wahrnehmung ihres Werdegangs zurückzugewinnen.
Triumphe im Fernsehen und als Geschäftsfrau
In der nachfolgenden Zeit stellte sie sowohl ihre Begabung als auch ihre Arbeitsmoral unter Beweis. Erfolgreich tanzte sie bei „Let's Dance“, zeigte ihr Können als Eiskunstläuferin in „Dancing on Ice“ und siegte bei „Das große Promibacken“ mit einer beschriebenen „fulminanten, zweistöckigen ,Löwen-Torte'“. Nach ihrem Sieg in der Musiksendung „The Masked Singer“ im Jahr 2020 lautete eine verbreitete Reaktion, dass ihr gesangliches Vermögen vielen unbekannt gewesen sei.
Mittlerweile agiert Engels zudem als Darstellerin („Das Traumschiff“), hat die Hauptrolle in einem Musical inne („Moulin Rouge!“) und führt mit circa 1,8 Millionen Abonnenten auf Instagram im Grunde ein kleines Unterhaltungsunternehmen.
Familiäre Unterstützung und öffentliche Kontroversen
Ihre Mutter sei eine bedeutende Stütze, berichtet die Sängerin. Sie versorge sie regelmäßig mit Ratschlägen, obwohl sie keine Kenntnisse der Branche besitze. „Dann sagt sie Sachen wie: ,Sarah, sing doch mal auf Italienisch!‘ Oder wenn sie irgendwo eine Schlagzeile über mich liest, die ihr nicht passt, will sie sofort zum Hörer greifen und das für mich regeln“, so Engels. „Das ist einfach dieser pure Mama-Instinkt.“
Allerdings verläuft nicht immer alles reibungslos. Vor Kurzem sah sich die Künstlerin genötigt, Stellung zu einem Video zu beziehen, das sie beim Singen mit Kindern in Südafrika zeigte. Der Vorwurf lautete, sie würde die Kinder für ihre Inhalte benutzen. Engels erläuterte ihre positiven Beweggründe, räumte aber ein zu verstehen, dass „die Art, wie ich diesen Moment geteilt habe, sensibel ist und missverstanden werden kann“. Ihr Aufenthalt habe im Kontext ihrer Stiftung stattgefunden, woraufhin sie das Video entfernte.

Da war doch noch alles gut: Die Beziehung zu Pietro Lombardi endete in einer öffentlichen Trennung. (Archivbild)
Copyright: picture alliance / dpa
Der ESC als bisheriger Karrieregipfel
Mit der Ernennung zum ESC-Beitrag geht eine gesteigerte öffentliche Wahrnehmung einher. Ihr Wettbewerbssong präsentiert sich als eine präzise choreografierte Tanzperformance, die eine feministische Aussage transportiert. „Wir Frauen werden oft dazu erzogen, eher leise zu sein, uns anzupassen und bloß nicht zu sehr anzuecken. Mein Song sagt genau das Gegenteil: Wir dürfen laut sein, wir dürfen brennen, und wir müssen uns nicht verstellen“, unterstreicht sie.
Die Teilnahme am ESC markiert den bisherigen Gipfelpunkt ihres beruflichen Werdegangs. „Wenn ich an die kleine Sarah denke, die damals mit drei Jahren mit ihrem Spielzeug-Mikro im Zimmer stand – die hätte niemals geglaubt, dass sie mal für Deutschland beim ESC dabei sein darf“, gesteht sie.
Ihr Abschneiden im Wettbewerb wird für vieles entscheidend sein. Es ist jedoch anzunehmen, dass sowohl gesanglich als auch choreografisch alles perfekt abgestimmt sein wird. Dieser Auftritt könnte für Sarah Engels die Gelegenheit darstellen, die öffentliche Wahrnehmung ihrer lange verkannten Laufbahn nachhaltig zu verändern. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.