Reinhard Mey, Wolfgang Petry, Cara Delevingne und die ikonische Synthpop-Band Soft Cell, die ein Jahr nach dem Tod von David Ball ihr offiziell letztes Album veröffentlicht: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Soft Cell feiern ihre letzte PartyDas sind die Musik-Highlights der Woche

Marc Almond feiert eine letzte große Soft-Cell-Party: Nach dem Tod seines Bandkollegen David Ball im Jahr 2025 zieht Almond mit „Danceteria“ einen Schlussstrich. (Bild: Getty Images/Ian Gavan)
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Die Geschichte von Soft Cell ist geprägt von Höhe- und Tiefpunkten gleichermaßen. 2025 verstarb mit David Ball eine Hälfte des Duos, ein Jahr später erinnert der hinterbliebene Marc Almond nun mit einer Abschiedsplatte an die vielleicht beste Zeit von Soft Cell - die frühen 80er-Jahre. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Reinhard Mey, Wolfgang Petry und Cara Delevingne.
Soft Cell - Danceteria

„Einfach und schlicht und klar und schön“: Auf „Schatzhauser“ demonstriert Liedermacher Reinhard Mey eindrucksvoll sein ganzes Können. (Bild: Jim Rakete)
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Marc Almond war das Gesicht und die Stimme, David Ball der Techniker und Tüftler im Hintergrund, als Soft Cell bildeten sie eine Einheit. 48 Jahre liegt die Bandgründung 1978 inzwischen zurück, im Lauf der Zeit gab es mehrere Trennungen und deshalb auch nur sechs reguläre Studioalben (zuletzt „Happiness Not Included“, 2022). Nun wird die Diskografie um eine weitere, für sich durchaus denkwürdige siebte Platte ergänzt: „Danceteria“ ist nach dem Tod von David Ball im Oktober 2025 das offiziell letzte Album des Duos.
„Danceteria“, der Name steht synonym für das schillernde, oftmals auch exzessive und dekadente Partyleben der frühen 80er-Jahre. Die „Queen of Pop“ Madonna erinnerte kürzlich erst mit einem gleichnamigen neuen Song an den legendären Nachtclub in Manhattan, auf dessen Konzertbühne sie zu Beginn ihrer Karriere mal stand. Auch Marc Almond hat dort gesungen und feiert nun mit „Danceteria“ den längst geschlossenen Partytempel. Das Album ist zugleich aber auch eine größer gefasste Hommage an das New York der frühen 80er, wo die britischen Synthpop-Ikonen Soft Cell ihre ersten drei Alben aufnahmen.
Mit ihrem Debüt „Non-Stop Erotic Cabaret“ wurde die Band einst zur Speerspitze einer Pop-Szene im Wandel. Der Pop hat sich seither mehrfach neu erfunden, Soft Cell eher nicht. Das neue Album klingt manchmal wirklich ein bisschen, als wäre es noch 1981, aber das macht auch den Charme dieser Scheibe aus. „Danceteria“ ist Soft Cell pur, und so soll man sie in Erinnerung behalten. David Bell soll dem Album zwei Tage vor seinem Tod noch den letzten Schliff verpasst haben. Es ist zugleich ein Schlusspunkt, wie Marc Almond klarstellt: „Ohne Dave kann es keine weiteren Aufnahmen von Soft Cell geben.“
Reinhard Mey - Schatzhauser

Alles Gute, „Wolle“! Kurz nach seinem 75. Geburtstag beschenkt Wolfgang Petry sich selbst und seine Fans mit einem neuen Album (“Ein Leben lang“). (Bild: Franziska Pauli)
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Reinhard Mey singt in bestem Antiquariatsdeutsch von der „Wunderarzenei“, zitiert Goethe, beschwört Orpheus mit seiner Lyra, und trotzdem klingt das alles so „einfach und schlicht und klar und schön“. - Schon nach dem ersten Lied des neuen Albums kann man sich wieder ganz leicht verloren haben in dieser Musik. Staunend, dass es solche poetische Liedermacherei noch gibt. Froh, dass sich Reinhard Mey mit 83 Jahren immer noch nicht auf dem Erreichten ausruht und immer wieder zur Gitarre greift. Ein ganz Großer zeigt da wieder einmal sein Können.
Eine Besonderheit an dem Album „Schatzhauser“ (benannt nach einer literarischen Figur von Wilhelm Hauff) ist, dass Reinhard Mey sich den uralten Gag verkneift und seine neue Musik erstmals seit 30 Jahren nicht im Mai veröffentlicht. Eine weitere, dass er die 13 neuen Lieder ganz alleine ohne irgendwelchen Begleitmusiker aufgenommen hat. Nur er und seine Gitarre, intimer geht es kaum. So erzählt May neue Geschichten vom Lachen und vom Weinen, vom Leben und vom Tod - der alte Wanderer, der übers Land geht und irgendwann an jede Türe klopft. Möge er hier noch einige Male vorüberziehen. Dieses 30. Studioalbum von Reinhard Mey soll ausdrücklich nicht das letzte sein.
Wolfgang Petry - Ein Leben lang

Als Model und Schauspielerin erfolgreich, auch als Musikerin äußerst begabt: Cara Delivingne hat gerade ihr Debütalbum „Not Normal“ veröffentlicht. (Bild: Warner Music Germany)
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„Ich weiß nicht, wohin meine Reise noch führt, aber solange meine Stimme hält, singe ich noch ein bisschen“: So erklärte Wolfgang Petry es zuletzt mit Blick auf seine weitere Karriere. Die Fans wird's freuen, denn noch hält die Stimme ziemlich gut. Der Schlagerstar vollendete gerade das 75. Lebensjahr, zur Feier präsentiert Wolfgang „Wolle“ Petry wieder mal ein neues Album. „Ein Leben lang“ steht da groß auf dem Cover, und unter dem Titel liest man noch den Zusatz „50 Jahre Freundschaft“ - ein spezieller Gruß an seine treue Anhängerschaft.
Petry und seine Fans haben gemeinsam viel erlebt in den letzten fünf Jahrzehnten. Ganz am Anfang stand 1976 der Debütsong „Sommer in der Stadt“, den der Sänger in einer Jubiläumsedition neu aufgenommen hat. Daneben ist aber vor allem auch viel neues Liedgut enthalten, darunter als spezielles Highlight der „generationsübergreifende“ Titel „Weiter immer weiter“, für den Wolfgang Petry mit seinem Sohn Achim und seinem Enkel Giorgio im Studio war. Begleitend zu der Power-Schlager-Hymne wurde kürzlich auch noch ein Musikvideo mit allen drei Petrys auf der Piste veröffentlicht - viel schöner kann man so einen 75. Geburtstag wohl kaum feiern.
Cara Delevingne - Not Normal
„Hey, schau, Mama, ich hab's geschafft / Ob sie wohl wissen, dass ich es hasse?“ - Cara Delevingne, weltbekannt als Model und Schauspielerin, singt davon, dass sie das Rampenlicht nicht leiden könne, dass sie sich fremd fühle in der Welt und dass sie manchmal gar nicht genau wisse, wer sie hinter ihrer „Maske“ eigentlich ist. Der traurige Glanz-und-Glamour-Star, kennt man - eine ziemlich öde Platte inzwischen. Aber einfach so abschalten, das geht bei dieser Musik trotzdem nicht.
Seit über zehn Jahren ist Cara Delevingne eine feste Größe im Showgeschäft, sie lief schon für zahlreiche namhafte Designer und spielte in Kinoproduktionen wie „Valerian - Die Stadt der tausend Planeten“. Als Sängerin (eine sehr gute Sängerin) trat sie gelegentlich auch schon in Erscheinung, aber erst jetzt erfüllt sie sich den Traum ihres ersten eigenen Albums. Dass sie es ernst meint mit der Musik, unterstrich die 34-Jährige zuletzt auch schon im Rahmen einer kleinen Tournee.
„Not Normal“ enthält insgesamt zwölf Songs, die möglichst viel über die Person Cara Delevingne erzählen sollen, wobei die Sounds dieser Platte viel aufregender und interessanter sind als die Texte. Übersteuerte Synthesizer, dröhnende Bässe und Beats wie aus einem Häcksler, dazwischen filigrane Piano-Fingerspiele und immer wieder mal unwiderstehliche Dancepop-Passagen: Die Produktion ist radikal modern und enorm kontrastreich, manche Songs wirken wie in Stücke gerissen, und doch fügt sich immer wieder alles zusammen zu einem ästhetischen Gesamtwerk. Das alles ist nicht konventionell schön, aber über die gesamten 37 Minuten absolut hörenswert! (tsch)