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Steffen Henssler wird bei kroatischem Wettkampf von deutschen Touris erkannt„Geht mir auf den Sack“

Aller guten Koch-Wettkämpfe sind drei? Steffen Henssler und Johann Lafer wollen es bei „Grenzenlos Genial Gekocht“ (VOX) wissen und reisen nach Kroatien. Dort wollen sie eine landestypische Brudet kochen. Das ist ein Fischeintopf. Was soll da schiefgehen? Eine ganze Menge!

Endlich - der Wettkampftag. Steffen Henssler (rechts) und Johann Lafer treten mit je einer eigenen Brudet-Variante gegen 20 Konkurrenten an. (Bild: RTL)

Endlich - der Wettkampftag. Steffen Henssler (rechts) und Johann Lafer treten mit je einer eigenen Brudet-Variante gegen 20 Konkurrenten an. (Bild: RTL)

Am Anfang steht das Henssler'sche markige Wort: „Es muss Platz eins, zwei oder drei sein!“ Dann geht's in der neuen „Grenzenlos Genial Gekocht“-Folge (Ausstrahlung am 23. Oktober, 20.15 Uhr, und schon jetzt bei RTL+) ins kroatische Fischerdorf Sukošan und ans Kochen einer landestypischen Spezialität: Brudet. Das ist ein regionaler Fischeintopf, ein Klassiker der dalmatinischen Küche. Henssler in seiner Spezialdisziplin Fisch - das klingt nach einem Heimspiel in der Fremde. „Wenn wir hier antreten, dann können wir doch bei ner Fischsuppe nicht sagen: Hauptsache, dabei sein.“ Wie man sich doch täuschen kann ...

Sieht toll aus. Das Problem: Ist das eine Brudet, wie sie die Einheimischen (an)erkennen und mögen?  (Bild: RTL)

Sieht toll aus. Das Problem: Ist das eine Brudet, wie sie die Einheimischen (an)erkennen und mögen? (Bild: RTL)

Ein paar Tage später klingt es anders: „Das ist nix, das ist ätzend! Das geht mir auf den Sack.“ Dazwischen liegt das dritte kulinarische Reise-Abenteuer der TV-Koch-Kumpels Steffen Henssler (54) und Johann Lafer (69). An der dalmatinischen Küste des Adriatischen Meeres nehmen die beiden an der Brudetijada teil, der 16. Austragung eines lokalen Kochwettbewerbs. Die Ausgangssituation ist klar: Der Österreicher und der Deutsche haben keine Ahnung, was sie erwartet - und was eine Brudet überhaupt ist. Henssler will sich dem Unbekannten „unbeschwert jungfräulich“ nähern. Lafer hat Respekt: „Manchmal sind die einfachsten Dinge die schwersten.“

Die Zeit in Kroatien stellt die Nerven der Spitzenköche auf eine Zerreißprobe. Zwischendurch verlieren sie latent die Contenance. „Mir egal, halt die Klappe“, faucht Lafer beim Shoppen auf dem Fischmarkt, als Henssler den letztlich fast 1.000 Euro teuren Kaufrausch Lafers stoppen will. Henssler mault über die Fisch-Qualität: „Den kann doch kein Mensch fressen.“ Und Lafer muss Kritik an seiner Brudet-Variante einstecken und kontert frustriert: „Gute Nacht, auf Wiedersehen. Wo ist der Schnaps?“

Johann Lafer shoppt Fisch für fast 1.000 Euro

Von nichts kommt nichts. Also gehen Lafer und Henssler auf einen Angel-Turn und fangen eigenhändig den typischen Brudet-Fisch, einen Ugor. (Bild: RTL)

Von nichts kommt nichts. Also gehen Lafer und Henssler auf einen Angel-Turn und fangen eigenhändig den typischen Brudet-Fisch, einen Ugor. (Bild: RTL)

Vor Ort lernen die beiden schnell: Brudet ist ein einfaches, kurzes Wort. Aber als Speise ist das Teil quasi wie ein Aal: nicht zu fassen. „Es kann alles sein. Und nichts werden.“ Der knappste Nenner, so Henssler: „Viel Fisch, ne Brühe und Polenta.“ Nun, so einfach ist es nicht, wie sich schnell zeigt und am Ende an der Platzierung sichtbar wird.

Fischmarkt-Kaufrausch, Gemüsemarkt-Bummel, zweimaliges Probeessen in einheimischen Restaurants (mit komplett unterschiedlichen Varianten), Suche nach dem geeignetsten Olivenöl und passendem Wein - Lafer und Henssler bereiten sich akribisch vor. Sie sprechen mit Marino und Anna, zwei ehemaligen Siegern des Wettbewerbs, und verköstigen sie und acht weitere Gäste mit Lafers Brudet-Vision. Henssler bereitet derweil als „german Überraschung“ Schnitzel vor. Zu viel Stress? Lafer winkt lässig ab: „Das machen wir nebenbei, wir sind Größeres gewohnt. Ich habe schon die UNO-Vollversammlung in New York mit 2.000 Leuten gemacht.“

Lafer lässt sich loben: Seine Idee, die Polenta in einer Zwiebelschale und die Meeresfrüchte darüber zu servieren, wird bestaunt. Aber kommt sie bei der Jury an? (Bild: RTL)

Lafer lässt sich loben: Seine Idee, die Polenta in einer Zwiebelschale und die Meeresfrüchte darüber zu servieren, wird bestaunt. Aber kommt sie bei der Jury an? (Bild: RTL)

Wer aber hoch fliegt, fällt tief. Und landet hart. Lafers opulenter Fischfond wird von Anna beleidigt: „Sieht aus wie Tomatensuppe.“ Lafer ist schockiert. „Tomatensuppe? Die spinnt doch, die.“ Außerdem sei sein Fisch zwar schmackhaft, aber das Gemüse zu hart und ihre Polenta zu käsig. „Ich hab das Traditionelle unterschätzt“, räumt Henssler ein.

Steffen Henssler: „Entweder Erster oder rausgeworfen - Mittelmaß wäre das Schlimmste“

Mit Lafer geht die Liebe zum Lebensmittel durch, er hält an seiner Brudet-Vision fest. Henssler knurrt: „Wenn wir die nehmen, werden wir entweder Erster oder rausgeworfen.“ Die Konsequenz: Die beiden bereiten zwei Brudets zu. Lafer eine verspielte, moderne, Henssler wählt die bodenständigere, klassische.

Niederschmetternd: Sie erreichen nicht die als Ziel gesetzten Top Drei. Henssler wird Achter, Lafer nur Zwölfter. Das setzt dem Koch aus Leidenschaft mächtig zu. (Bild: RTL)

Niederschmetternd: Sie erreichen nicht die als Ziel gesetzten Top Drei. Henssler wird Achter, Lafer nur Zwölfter. Das setzt dem Koch aus Leidenschaft mächtig zu. (Bild: RTL)

Ein verbrannter Zwiebelsud, eine versalzene Polenta und ein Angelausflug mit erfolgreichem Fang eines stattlichen Ugor (Meeraal) später stehen die beiden in ihrer Koch-Bude auf dem Parkplatz am Hafen im Stadtteil Ždralovac und brutzeln und köcheln zwischen 20 Konkurrenten um den Sieg. Inmitten eines Dorffestes mit Einheimischen und Touristen. Ein paar aus Deutschland erkennen Henssler sogar und bitten um Erinnerungsfotos. Konkurrenten schauen vorbei und in die Töpfe. Henssler hibbelt hektisch und gestresst: „Das Gesabbel geht mir auf den Sack. Wenn ich beim Wettkampf bin, bin ich im Wettkampf.“

Als der Sturm vorbei und die Jury am Beraten ist, meint Henssler: „Das Schlimmste, was kommen könnte, wär so Neunter, Zehnter. Mittelmaß wäre das Schlimmste.“

Henssler und Lafer sehen sich als Favoriten - die Jury sieht es anders

Beim Pizza-Wettbewerb in Parma (2025) und beim Barbecue in Vilnius seien sie „eher als Außenseiter“ gekommen. Jetzt aber sehen sich Henssler und Lafer als Favoriten. Blöd: Die fünfköpfige Jury sieht es nicht so. Als die drei Erstplatzierten Köche genannt werden, warten Lafer und Henssler vergebens auf ihre Namen. Alles, was es haptisch gibt, ist - immerhin - ein Ehrenpreis für die Teilnahme der beiden „Internationalen“ beim regionalen Kochfest.

Sie müssen nachfragen, wo sie im Ranking gelandet sind. Die bittere Wahrheit Blau auf Weiß: Henssler wurde Achter, Lafer landete mit der modernen „Gourmet-Brudet“ auf Rang zwölf. „Das ist ätzend“, stellt Henssler fest. „Ich Trottel hätte die Zwiebel nicht nehmen sollen“, meint Lafer selbstkritisch. Dabei war doch seine Idee, die Polenta in einer gekochten Schale einer großen Zwiebel anzurichten, von der Konkurrenz bestaunt und gelobt worden. Henssler feixt: „Gerüchte sagen, ohne Zwiebel wär es Platz 18 gewesen.“

Aber er nimmt seinen Freund nur auf den Arm. Das ist das gute Zeichen - sie haben den Humor nicht verloren. Hensslers Fazit: „Jetzt ne Nacht drüber schlafen und dann denken wir uns aus, wo wir zum nächsten Wettkampf hinfahren.“ Aufstehen, Mund abwischen, Krone richten. Weiter, immer weiter, im Dienste der Kochkunst. Gut so. (tsch)