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Stephen Kings Romandebüt neu aufgelegtDas sind die Streaming-Tipps der Woche

7 min
Carrie (Summer H. Howell, links) und ihre religiös fundamentalistische Mutter Margaret (Samantha Sloyan) mussten schon einiges durchmachen.  (Bild: Robert Falconer/Prime/Amazon Content Services LLC)

Carrie (Summer H. Howell, links) und ihre religiös fundamentalistische Mutter Margaret (Samantha Sloyan) mussten schon einiges durchmachen. (Bild: Robert Falconer/Prime/Amazon Content Services LLC)

50 Jahre nach der für zwei Schauspiel-Oscars nominierten ersten Verfilmung wird Stephen Kings Romandebüt „Carrie“ als Serie bei Prime Video neu aufgelegt. In der HBO-Serie „War“ bei WOW wiederum fechten Sienna Miller und Dominic West einen Scheidungskrieg aus. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.

Die Schule ist ein grausamer Ort - zumindest für Außenseiter. Einer der stärksten Stoffe der Literatur zu diesem Thema ist Stephen Kings 1974 erschienener Debütroman „Carrie“. Er handelt von einer 16-jährigen Außenseiterin aus streng religiösem Elternhaus, die in ihrer Highschool gemobbt wird. Die Hauptfigur, in der berühmten ersten Verfilmung von Brian De Palma spielte sie 1976 die dafür Oscar-nominierte Sissy Spacek, verfügt allerdings über telekinetische Kräfte. Je nach Ausmaß von Carries Wut und Verzweiflung können Lampen zum Flackern gebracht oder Schneisen von Tod und Verwüstung erschaffen werden. Gruselmeister Mike Flanagan, der schon Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ für Netflix ein denkwürdiges Zeitgeist-Update verpasste, hat nun auch „Carrie“ für die Generation Social Media bei Prime Video übersetzt. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.

„Carrie“ - Prime Video

Filmstar Carla Duval (Sienna Miller) und Tech-Unternehmer Morgan Henderson (Dominic West) haben sich nichts mehr zu sagen. (Bild: Sky/ HBO/ New Pictures)

Filmstar Carla Duval (Sienna Miller) und Tech-Unternehmer Morgan Henderson (Dominic West) haben sich nichts mehr zu sagen. (Bild: Sky/ HBO/ New Pictures)

Anders als beim „Usher“-Stoff, den Mike Flanagan in eine dysfunktionale Familie eines superreichen Kapitalisten-Clans verlegte, bleibt er mit „Carrie“ (ab Mittwoch, 7. Oktober, alle acht Folgen bei Prime Video) dem Roman Stephen Kings, der die Serie mitproduzierte, verhältnismäßig treu. Natürlich findet Mobbing heute mit anderen Mitteln statt. Wie man sich denken kann, spielt Social Media dabei eine große Rolle. Für die Rolle der Carrie wurde aus 1.500 Bewerberinnen die mittlerweile 22-jährige Kanadierin Summer H. Howell (“Hunter Hunter“) ausgesucht, die ihre Sache gut macht. Fast noch besser: Die Rolle der Mutter, bei Brian De Palma spielte sie Oscar-nominiert Piper Laurie, interpretiert Samantha Sloyan deutlich anders: War die Mutter in der Vergangenheit ein dem religiösen Wahn verfallenes Monster, ist Margaret White in der Serie eine komplexe Figur, die durchaus Liebe für ihre Tochter Carrie empfindet.

Ebenfalls neu in der 2026er-Version: Flanagan erschafft eine „Kaspar Hauser“-artige Backstory. So werden Carrie und ihre Mutter nach dem Unfalltod eines schweigsamen Bauarbeiters - Carries Vater - zu Hause in einer Art Gebetsschrank versteckt gefunden. Die Familie lebte zurückgezogen unter sich, das Haus verließ nur der Vater zwecks Erwerbstätigkeit. Carrie wurde daheim beschult, streng nach den fundamental-christlichen Prinzipien der Mutter. Die lehnt jede Form von Körperlichkeit und Spaß als Sünde der modernen Welt ab.

Als die Behörden den religiösen Rückzugsort der Whites entdecken, wird Carrie zur Highschool geschickt und die Mutter aus finanziellen Gründen zum Jobben verurteilt. Margaret White macht Erfahrungen an der Supermarktkasse und beim Reinigen von Toiletten. Dabei denkt man sich: Unser modernes Leben kann tatsächlich ganz schön fies und eklig sein. Ebenso subtil wird der von amerikanischer Fiction bereits gut ausgeleuchtete Handlungsort Schule gedeutet. Als in Carries neuer Highschool eine Amoklauf-Übung ansteht, brechen zum ersten Mal die Telekinese-Dämme.

„War“ - Sky

Sci-Fi-Thrillerserie „Droneland“ nach dem Roman „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand bei Magenta TV: Ex-Soldat Aart Westerfeld (Oliver Masucci) lässt sich von Europol-Chefin Katarina Kush (Sibel Kekilli) zu einem heiklen Auftrag überreden. (Bild: ©Iris Productions/Syrreal Cats/Iris Productions Deutschland/Topkapi Series/Enter Film/Felix Abraham)

Sci-Fi-Thrillerserie „Droneland“ nach dem Roman „Drohnenland“ von Tom Hillenbrand bei Magenta TV: Ex-Soldat Aart Westerfeld (Oliver Masucci) lässt sich von Europol-Chefin Katarina Kush (Sibel Kekilli) zu einem heiklen Auftrag überreden. (Bild: ©Iris Productions/Syrreal Cats/Iris Productions Deutschland/Topkapi Series/Enter Film/Felix Abraham)

„Das Wichtigste ist es, zivilisiert zu bleiben“, zünden die Anwälte eine Nebelkerze. Zivilisiert jedenfalls bleibt in „War“ niemand. Vielmehr ist der Titel der HBO-Serie, die ab Montag, 5. Oktober, bei Sky und WOW zu sehen ist, Programm. Am Ende der Ehe von Filmstar Carla Duval (Sienna Miller) und Tech-Unternehmer Morgan Henderson (Dominic West) herrscht Krieg. Und ihre Anwälte tragen kaum zur Deeskalation bei.

„Du bist hier der Geschädigte“, lautet die Botschaft, die zwei rivalisierende Londoner Elite-Kanzleien ihren Mandanten ins Ohr säuseln. Übersetzt bedeutete das: Wer dreckiger spielt, gewinnt. Tricks haben die Juristen allemal zur Hand und korrumpieren damit auch junge hoffnungsvolle Anwälte, die sich urplötzlich in einer Welt wiederfinden, in der Ehrgeiz, Verrat und Skrupellosigkeit zum guten Ton gehören.

Das Ende einer Promi-Ehe in der britischen Glamourwelt wird von gewissenlosen Anwälten zu einem Scheidungskrieg gemacht: Zugegeben, der Plot klingt ein wenig kitschig. Da sich aber der umtriebige George Kay (“Lupin“, „Criminal“, „Hijack“) die Serie ausgedacht hat, kann man durchaus davon ausgehen, dass „War“ eine ziemlich clevere Angelegenheit wird. Die wenigen Bilder, die vorab gezeigt wurden, sprechen jedenfalls dafür, dass die gnadenlose Schlacht der Juristen ein echtes Herbst-Highlight werden könnte. Eine zweite Staffel mit einem neuen Fall ist übrigens bereits in Produktion, unter anderem mit Marisa Tomei in einer der Hauptrollen.

„Droneland“ - MagentaTV

Jessie (Elisa Hofmann, rechts) reist mit Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) in ihr Elternhaus im Schwarzwald, um das alte Gemäuer und damit ihr Erbe abzuwickeln. (Bild: SWR)

Jessie (Elisa Hofmann, rechts) reist mit Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) in ihr Elternhaus im Schwarzwald, um das alte Gemäuer und damit ihr Erbe abzuwickeln. (Bild: SWR)

Im Europa einer nahen Zukunft schwirrt es am Himmel wie im Bienenstock. Rund um die Uhr erfassen Drohnen ein Komplettbild der Welt und ihrer Geschehnisse. Kein Detail bleibt unbeobachtet. Beurteilen die fliegenden Maschinen etwas als illegal, wird auch geschossen. Polizeiarbeit mit Kommissaren, Spurensicherung und Pathologen vor Ort, gibt es in der Welt der sechsteiligen Miniserie „Droneland“ (alle Folgen ab Donnerstag, 8. Oktober, MagentaTV), die auf dem gleichnamigen Roman von Tom Hillenbrand aus dem Jahr 2014 basiert, nicht. Vielmehr untersuchen Ermittlerinnen wie Nina Bittmann (Sophie Mousel) Tathergänge über deren Spiegelbilder in der digitalen Aufzeichnung. Dort kann man 3D-Versionen von Verbrechen betreten, die Zeit anhalten und vor- oder zurückspulen. Die Kriminalität wurde durch derlei Überwachung samt fortgeschrittener Datenanalyse in diesem sich trotzdem eher freudlos anfühlenden Europa weitgehend ausgemerzt. So zumindest in der Theorie.

Im Dresden dieser Zukunft lebt auch Ex-Soldat Aart Westerfeld (Oliver Masucci), der seine Frau Ellen vor sieben Jahren auf tragische Weise verlor. Ein Rebellenführer soll sie getötet haben, und Aart sinnt auf Rache. Weil Aarts Methoden nicht dem Gesetz entsprechen, hat Europol-Chefin Katarina Kush (Sibel Kekilli) ein Druckmittel gegen ihn in der Hand. Mit Nina Bittmann soll Aart Westerfeld einen politisch brisanten Mord aufklären und weitere Rebellen-Anschläge verhindern. Während die etablierte Ermittlerin der Ermittlungstechnik „Mirrorspace“ voll vertraut, findet Aart Ungereimtheiten in den KI-generierten Welten. Unter anderem sieht er dort seine verstorbene Frau in Szenen, in die sie nicht gehört. Halluziniert die KI, oder verliert Aart seinen Verstand?

„Droneland“ ist ein Sci-Fi-Thriller, der sich durch eine hochwertige Optik und Ausstattung auszeichnet. Neben Deutschland sind die Niederlande, Polen und Luxemburg an der Produktion beteiligt. Auch das ZDF ist als Ko-Produzent aufgeführt, dort soll die Serie 2027 laufen. Der Plot ist hochpolitisch: Im dystopischen, dauerüberwachten Europa steht eine Präsidentenwahl an.

„House of Yang“ - ARD Mediathek

Dass Häuser Geschichten erzählen können, weil sie bei entsprechendem Baujahr viel gesehen haben, ist eine Erkenntnis, die Filmemacher schon lange der Realität abgeschaut haben. Der deutsche Oscar-Bewerber des Jahres 2026, „In die Sonne schauen“ (aktuell in der ZDF-Mediathek), arbeitete mit einem Generationenhaus als Schauplatz - und nun tut das auch Stefanie Rens (Drehbuch) und Mia Spenglers (Regie) Miniserie „House of Yang“ (ab Freitag, 9. Oktober, ARD Mediathek).

Jessie (Elisa Hofmann) reist mit Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) in ihr Elternhaus im Schwarzwald, um das alte Gemäuer und damit ihr Erbe abzuwickeln. Ein echtes Filetstück des Immobilienmarkts ist das entlegene Haus nicht gerade, lässt der Makler durchblicken - zumal die muffeligen Möbel aus vergangenen Jahrzehnten immer noch herumstehen und alles so wirkt, als habe man dieses Schwarzwald-Grusel-Ambiente fluchtartig verlassen.

In der Tat rankt sich ein schwer zu begreifendes Geheimnis um Jessies Elternhaus: Hier verschwand im Kindesalter ihre jüngere Schwester Isabel (Xue Lili Pautze). Trotz intensiver Suche wurde das Mädchen nie gefunden. Augenzeugen behaupten gar, das Haus habe Isabel förmlich verschluckt. Bei den Bewohnern des Hauses handelt es sich nicht um Bio-Deutsche. Nach dem Zweiten Weltkrieg stießen asiatische Einwanderer zur Familie, was sie immer wieder mit rassistischen Bemerkungen und Vorurteilen konfrontierte. Und dann kommt heraus: Isabel war nicht das erste Kind, das im Haus verschwand. Offenbar gab es einen ähnlichen Vorfall in einer bereits länger zurückliegenden Zeit. Die Serie „House of Yang“ erzählt ihre Geschichte auf drei Zeitebenen.

Drehbuchautorin Stefanie Ren und auch Regisseurin Mia Spengler haben selbst asiatische Wurzeln. Mit dem Serienkonzept von „House of Yang“ erschufen die beiden Frauen einen wahrhaft seltsamen Genre-Mix aus Mystery und Familien-Saga. Es geht über drei Generationen hinweg, und auch relevante Themen wie interkulturelle Mythen und Rassismus werden nicht ausgespart. (tsch)